Volleyball

Schöne Belohnung

Zenit Kasan gewinnt die Champions League im Volleyball. Doch auch die Berliner Gastgeber dürfen sich am Ende als Sieger fühlen

„Das war genau das richtige Finish“, sagte Kaweh Niroomand. Dabei war das Final Four der Champions League im Volleyball da noch gar nicht vorbei, das Endspiel zwischen Zenit Kasan und Asseco Resovia Rzeszow, das der russische Favorit mit 3:0 (25:22, 25:23, 25:21) gewann, stand noch bevor. Doch der Manager der BR Volleys war schon jetzt glücklich. Sein Team hatte den dritten Platz durch ein 3:2 (25:21, 19:25, 25:20, 26:28, 23:21) gegen Skra Belchatow gesichert, und es war vielleicht nicht das beste, aber das spannendste Spiel des Turniers. Der emotionale Höhepunkt.

Außerdem wurde er von allen Seiten mit Lob überschüttet. „Berlin hat einen exzellenten Job gemacht“, sagte etwa Andre Meyer, der Präsident des europäischen Volleyball-Verbandes CEV. Die Organisatoren wurden vom Schweizer dafür mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet. Berlins Kapitän Scott Touzinsky wurde zum fairsten Spieler des Turniers gewählt, Mittelblocker Rob Bontje ins „Dream Team“. Niroomand freute sich darüber ebenso wie über die spezielle Atmosphäre in der mit 9300 Zuschauern gefüllten Schmeling-Halle: „Wir haben einer breiten Öffentlichkeit gezeigt, wie man Volleyball zelebrieren kann.“ Seine Mannschaft zelebrierte vor allem sich selbst. Am Ende mit der ersehnten Medaille um den Hals. „Das ist ein unglaublicher Tag für die Mannschaft, eine Belohnung für jahrelange Arbeit“, sagte Trainer Mark Lebedew. „Vielleicht ist der dritte Platz besser als der zweite“, philosophierte gar der überragende Paul Carroll (23 Punkte). Weil so der Abschluss mit einem Sieg gelang. An seiner Seite überzeugten wie gewohnt Kapitän Scott Touzinsky (13), aber anders als sonst der Italiener Francesco de Marchi (13) und das Berliner Urgestein Felix Fischer (12). Letzterer führte die tanzenden Berliner bei ihrer Ehrenrunde an.

Bestes Spiel von de Marchi

Kaum vorstellbar, wie die Feierlichkeiten erst ausgefallen wären, hätten die Volleys den ganz großen Coup geschafft. Enttäuscht von Platz drei war jedenfalls niemand. Niroomand sagte: „Wir müssen auch realistisch bleiben. Gegen Kasan haben wir sehr gut mitgehalten.“ Die beste Mannschaft aus dem Land des Olympiasiegers. „Und den polnischen Meister sogar geschlagen.“ Die beste Mannschaft aus dem Land des Weltmeisters. Der Australier Carroll gab danach zu: „Ich hatte eine Gänsehaut.“

Also von wegen Spiel um die goldene Ananas: Zweieinhalb Stunden beherzten Kampf hatten die Berliner zuvor abgeliefert. Waren die ersten drei Sätze noch relativ klar ausgegangen, wurde es ab Durchgang vier dramatisch. Lebedew hatte die an diesem Tag nicht überzeugenden Tomas Kmet und Robert Kromm vom Feld genommen und durch Fischer und de Marchi ersetzt. Eine gute Entscheidung, denn sie machte die BR Volleys stärker. So stark, dass beinahe schon im vierten Durchgang die Entscheidung gefallen wäre. Da hatte zunächst Belchatow drei Satzbälle, die Gastgeber wehrten sie ab und hatten beim Stand von 26:25 ihren ersten Matchball. Weil die Polen dann jedoch dreimal in Folge punkteten, ging der Durchgang an sie.

Im Tiebreak sah es nach einer frühen Weichenstellung aus, als der immer wieder in der Mitte punktende Fischer und de Marchi ihr Team mit 9:4 in Front brachten. Aber die Polen gaben nie auf, wehrten sogar sechs Matchbälle ab. Nun hatte Belchatow selber dreimal Matchball. Alle vergeben. Wie der siebte Berliner. Erst der achte zum 23:21 saß. Ausgerechnet durch Francesco de Marchi, der eine so enttäuschende Saison in Berlin erlebt hatte, nun aber mit einem Aufschlag-Ass brillierte.

Kasan im Finale klar überlegen

Anders als dieses Spiel war das Finale eine einseitige Angelegenheit – zu überlegen war der nun dreimalige Champions-League-Sieger Zenit Kasan. Mit ihrem erst 21-jährigen Kubaner Wilfredo Leon, der zum besten Turnierspieler gewählt wurde, den russischen Olympiasiegern Nikolai Apalikow und Maxim Michailow, dem US-Amerikaner Matthew Anderson, dem bulgarischen Libero Teodor Solparow sowie dem iranischen Zuspieler Mir Saeid Marouflakrani wurde dort eine Weltauswahl zusammengestellt, die momentan unschlagbar erscheint. Der Etat dieser Mannschaft soll bei fast zehn Millionen Euro liegen, aber eigentlich ist die Höhe egal, der Konzern Gaszprom finanziert ohnehin jede Verstärkung, welche sich die sportliche Leitung um Trainer Vladimir Alekno wünscht, der 2012 Russland schon zum Olympiasieg geführt hatte.

Die Mannschaft Zenits flog am Sonntag mit dem Privatjet des Hauptsponsors zurück nach Tatarstan, denn nach dem Gewinn der kontinentalen Trophäe wartet nun noch der Titel des nationalen Meisters. Die BR Volleys verfolgen das gleiche Ziel. Auftakt im Halbfinale ist am Donnerstag (19.30 Uhr) die erste Partie gegen Düren.