Kommentar

Berlin zeigt den Weg

Dietmar Wenck über das Finalturnier der Volleyballer

Die BR Volleys und Stelian Moculescu, das ist sicher kein freundschaftliches Verhältnis. Eher eines, das man als angespannt bezeichnen kann, nicht nur, weil der Trainer des deutschen Rekordmeisters VfB Friedrichshafen und der aktuelle Titelträger aus der Hauptstadt seit Langem sportliche Rivalen sind. Doch der gebürtige Rumäne ist ganz gewiss ein ausgewiesener Volleyball-Experte. Fünf Mal war er als Trainer einer beteiligten Mannschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten beim wichtigsten Klubturnier der Welt dabei. Bei den übrigen Endrunden der Champions League war er Zuschauer. Moculescu sagt: „Dieses war das am besten organisierte Final Four von allen.“ Mehr Lob geht nicht.

Auf der anderen Seite überrascht es aber auch nicht. Berlin kann eben Sportveranstaltungen, das wurde in der Vergangenheit ja schon oft genug bewiesen. Egal, ob im Fußball, in der Leichtathletik, im Schwimmen, im Behindertensport oder wo auch immer. Obwohl das beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) manche offenbar nicht zu glauben scheinen: Diese Stadt hätte auch Olympische Spiele sehr gut gekonnt. Schwamm drüber.

Aber Volleyball ist per se eben kein Großereignis in Deutschland. Nur in Berlin und beim Pokalfinale im Tennisstadion von Halle/Westfallen ist es das seit ein paar Jahren. Weil die Macher sich trauten, ihre Spiele als Event aufzuziehen, mit viel Beiprogramm und unter Beteiligung der Zuschauer. Beim europäischen Verband CEV hat man das erkannt. Auch dort will man inzwischen weg vom Sportfest-Charakter. „Es war eine weise Entscheidung, die Veranstaltung hierher zu geben“, findet CEV-Präsident Andre Meyer.

Denn auch auf dem gesamten Kontinent gilt: Wenn Volleyball im Wettkampf der Sportarten bestehen will, muss es sich weiterentwickeln. Die einzelnen Sätze eines Spiels sind immer noch zu lang, zu viele Auszeiten ziehen das Spiel über Gebühr in die Länge und erschweren TV-Sendern die Planung. Die Vereine, die schließlich die Spieler ausbilden, beklagen, dass ihre Saison viel zu kurz ist, die Nationalteams können sich dagegen vor Terminen kaum retten. Und auch bei der Präsentation von Top-Veranstaltungen wie dem Final Four gibt es noch großes Potenzial. Berlin hat da Nachhilfe gegeben.

Das Turnier in der Schmeling-Halle begeisterte nicht nur gut 18.000 Zuschauer der Finaltage. In fast 100 Länder wurde das Endspiel übertragen. Aber hier zeigt sich zugleich, wo Volleyball in Deutschland nach wie vor angesehen ist. Ausgerechnet im Land des Gastgebers war das Zuschauen am Sonntag nur im Bezahlfernsehen (und als Internet-Livestream) möglich. Schade für Berlin, schade für den Weltklasse-Sport, der geboten wurde. Schade für den Volleyball.