Fußball

Am Umbruch gescheitert

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Marcel Stein

Trainer Mario Block wollte bei Viktoria 1889 einige Veränderungen vornehmen, wurde stattdessen aber beurlaubt

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Null, drei, fünf – das macht zusammen in acht Spielen keinen Sieg für Mario Block als Trainer des FC Viktoria 1889. Bei so einer Bilanz geht irgendwann das große Nachdenken los, meistens wird schließlich auch gehandelt im Fußball. Das tat der Berliner Viertligist dann in dieser Woche und stellte Block frei. „Ich habe mit den Jungs nicht gewonnen, da ist eine Entlassung legitim“, sagt er. Die Umstände liegen dennoch so, dass der 43- Jährige sich nicht fair behandelt fühlt.

Als „Fehler“ bezeichnet er es jetzt, im November beim Regionalligisten angeheuert zu haben. Als Junge spielte er schon dort, deshalb war es ihm eine Herzensangelegenheit zu helfen. Zwei Jahre lang ging es für Viktoria immer nach oben mit dem Aufstieg in die Vierte Liga 2013, dem Berliner Pokalsieg 2014, dem starken achten Platz als Neuling in der Liga, dem Auftritt in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt (0:2) vergangenen Sommer. Danach aber zeigte die Leistungskurve der Mannschaft unter Trainer Thomas Herbst steil nach unten. Auf Platz 15 liegend übernahm Block, inzwischen ist Viktoria 16. und Letzter.

Den Grund für die rasante Umkehr, den erkannte Block recht schnell. „Man hat keinen Umbruch vollzogen nach der vergangenen Saison“, sagt der entlassene Trainer. Seine Ansichten teilte er der Klubführung mit. „Ich habe alles offen und ehrlich gesagt“, so Block. Und er sagte auch vorher, dass es schwierig werden würde, mit diesem Team die Klasse zu halten. Zwar gab es Veränderungen im Winter mit neuen Spielern, nach Blocks Meinung aber ging der Umbruch nicht weit genug.

Fußballerisch sieht Block sogar Potenzial im Team. „Aber der Tabellenstand spiegelt den Charakter einiger Spieler wider“, erzählt der Trainer, der jetzt durch die Doppelspitze Hasan Keskin, 49, bisheriger U19-Coach, und Simon Rösner, 39, zuvor U23-Trainer, ersetzt wurde. Es gebe einige Akteure, die schon länger im Klub sind und enge Verbindungen zum Vorstand hätten. Denen es mehr um sich selbst gehe, weniger um die Mannschaft. Diese sei in zwei Lager gespalten. „Deshalb ist auch nicht mehr möglich. Ich wollte gegen diese Zerrissenheit vorgehen“, sagt Mario Block. Das grüne Licht dafür hatte er sich wohl schon geholt.

Am Dienstagabend traf sich Block noch mit dem Vorstand, besprach dort, dass er diese Gruppe altgedienter und tonangebender Spieler nicht mehr einsetzen könne, wenn das Team sportlich vorankommen soll. Um 22 Uhr verabschiedete er sich in dem Glauben, die Erlaubnis für die Umsetzung seiner Vorstellungen zu haben. Am Mittwoch um 10 Uhr kam der Anruf von Präsident Christoph Schulte-Kaubrügger mit der Nachricht der Beurlaubung. „Das ist schon sehr eigenartig“, sagt Block. Anscheinend gab es einen Austausch zwischen Vorstands- und Teammitgliedern. „Wir geben zur Trainerentlassung keinen Kommentar ab“, hieß es bei Viktoria nur. Man wolle sich auf die kommenden Aufgaben konzentrieren.

Eigentlich bestehen die darin, in den restlichen neun Spielen die vier Punkte auf den Nichtabstiegsplatz 14 aufzuholen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht nötig. Plauen, der 14., hat Insolvenz beantragt, was eigentlich den Abstieg bedeutet. Doch Plauen klagt dagegen. Zudem hält sich das Gerücht, dass der 1. FC Union seine zweite Mannschaft, bei der Viktoria am Sonntag antritt, aus der Regionalliga zurückziehen könnte. Die zwei Abstiegsplätze wären damit vergeben. Ein paar Spiele zu gewinnen, könnte allerdings eher helfen.