Fußball

Das ganze Nation freut sich auf „Prince Harry“

England fiebert dem Länderspiel-Debüt von Harry Kane entgegen. Spanien steht in der EM-Qualifikation unter Druck

Titelverteidiger Spanien steht zur Halbzeit der EM-Qualifikation unter Druck – England hingegen will mit Hilfe des neuen Hoffnungsträgers Harry Kane für eine Vorentscheidung sorgen. Vor dessen erstem Pflichtspiel gegen Litauen am Freitag (20.45 Uhr) in London haben die Three Lions in Gruppe E bereits sechs Punkte Vorsprung auf die Schweiz, die gegen Estland antritt.

Beherrschendes Thema auf der Insel ist aber nicht die bislang starke Ausbeute von vier Siegen in vier Spielen, sondern das bevorstehende Nationalmannschafts-Debüt von Tottenhams Angreifer Kane. Nach zahlreichen Ausleihen zu unterklassigen Vereinen hat der 21-Jährige in dieser Saison den Durchbruch geschafft und wettbewerbsübergreifend 29 Tore erzielt. Mit 19 Treffern führt Kane gemeinsam mit dem Spanier Diego Costa vom FC Chelsea die Torjägerliste der Premier League an.

Englands Coach Roy Hodgson hatte nach eigenem Bekunden keine andere Wahl, als den von den Fans liebevoll „Prince Harry“ getauften Kane zu nominieren: „Er hat alles, was man sich von einem Mittelstürmer wünscht“, sagte Hodgson. „Das ganze Land freut sich über Harry. Es wäre eine Überraschung gewesen, wenn ich ihn nicht nominiert hätte.“ Kane gilt bei seinen Landsleuten, die angesichts der britischen Nachwuchs-Flaute oft neidvoll nach Deutschland blicken, als Hoffnungsträger.

Russland und Capello wackeln

Eine Einsatzgarantie wollte Hodgson jedoch nicht aussprechen. „Spieler, die neu im Team sind, müssen immer erst beweisen, dass sie ihren Platz verdient haben“, betonte der 67-Jährige. Im Training ließ er Kane allerdings schon an der Seite von Superstar Wayne Rooney üben.

Die Nominierung sei „eine Ehre, etwas von dem ich geträumt habe, seit ich ein Kind war“, sagte der Nationalmannschafts-Neuling. Im Spiel eins nach Hodgsons Anruf erzielte er gegen Leicester prompt einen Hattrick, die Spurs siegten 4:3.

Spanien um Bayerns Juan Bernat hat am Freitag (20.45 Uhr) gegen die Ukraine keinen Mann mit vergleichbarer Torausbeute im Kader – Diego Costa wird verletzt fehlen. Der Europameister von 2008 und 2012 ist in Gruppe C auf ein Erfolgserlebnis angewiesen, einen weiteren Patzer darf sich das Team von Trainer Vicente del Bosque nach der Niederlage gegen die Slowakei nicht erlauben. Mit drei Punkten Rückstand liegt Spanien derzeit nur auf Rang zwei. Mit einem Sieg würden die punktgleichen Ukrainer auch noch vorbeiziehen. „Das wird eine enge Gruppe, die Ukraine müssen wir daher wirklich schlagen“, betonte del Bosque.

Auch Russland zittert bislang um die EM-Teilnahme. Die Nationalmannschaft des kommenden WM-Gastgebers tritt am Freitag (20.45 Uhr) gegen Verfolger Montenegro an. Nach vier Qualifikationsspielen liegen die beiden Kontrahenten in der Gruppe G mit je fünf Punkten gleichauf und kämpfen mit Schweden (6 Punkte) um Tabellenplatz zwei.

Das Vertrauen in Nationaltrainer Fabio Capello hat seit dem Vorrunden-Aus bei der WM in Brasilien stark gelitten. Zudem bekam der hochbezahlte Italiener acht Monate lang kein Gehalt. Beobachter vermuteten dahinter eine Kampagne, um ihn loszuwerden – der Verband nannte stattdessen ein „Haushaltsdefizit“ als Grund für den Zahlungsrückstand. „Wenn mir mein Gehalt so wichtig wäre, hätte ich mich an die Fifa wenden können“, sagte Capello, „aber das habe ich nicht getan.“ Im Februar sprang der Milliardär Alischer Usmanow ein und beglich die Schulden des Verbandes.

Komfortabler stellt sich die Situation für den Gruppenersten Österreich dar. Das mit sieben Bundesliga-Profis gespickte Team um Bayern-Star David Alaba kann seine gute Ausgangsposition gegen Liechtenstein verteidigen.