Euroleague

Die serbischen Fans feiern Alba-Trainer Obradovic

Die Berliner Basketballer besiegen Roter Stern Belgrad mit einem starken Schlussspurt

Sie sangen, sie waren laut, sie zeigten ein politisches Plakat gegen die Nato. Aber am Ende blieben die Fans von Roter Stern Belgrad friedlich. Die Gäste-Fans sahen mit den insgesamt 10.867 Fans in der O2 World einen 73:68 (39:22)-Sieg von Alba Berlin in der Basketball-Euroleague, der dem deutschen Vizemeister alle Chancen auf das Erreichen des Viertelfinales lässt. Schon jetzt hat Alba bei sechs Siegen und sechs Niederlagen in der Top 16 mehr erreicht als je ein deutsches Team zuvor. Und Roter Stern kehrte auch nach dem sechsten Europapokalspiel in Deutschland mit einer Niederlage heim.

Eine Woche nach den Ausschreitungen türkischer Hooligans beim Spiel gegen Galatasaray Istanbul waren die Gastgeber diesmal besser vorbereitet. Schon vor der Halle hatte eine Hundertschaft Berliner Polizei Stellung bezogen; in der riesigen Arena war das Sicherheitspersonal verstärkt worden. Mehr Personal, mehr Kontrollen, mehr Präsenz war die Marschrichtung. Servicekräfte besetzten die Niedergänge, um die bedrohlich wirkenden und mehrheitlich in Schwarz gekleideten Fans in den Blöcken 218 bis 220 zu halten.

Rund 50 Belgrader Fans hatten knapp zwei Stunden vor dem Spiel am Kudamm Böller und Bengalos gezündet und sich dort grölend auf die Partie eingestimmt. Am Görlitzer Bahnhof musste ein U-Bahn-Waggon aus dem Verkehr gezogen werden, weil betrunkene Red-Star-Anhänger sie so stark beschädigt hatten, dass sie nicht mehr fahrtüchtig war.

Alba war jedoch nicht beeindruckt. Während Belgrad schon im ersten Viertel sieben Ballverluste hatte und insgesamt in der ersten Halbzeit keinen seiner acht Distanzwürfe ins Ziel brachte, machten die Berliner ihre Sache besser. Bald betrug ihr Vorsprung beim Stand von 17:6 elf Punkte (7. Minute). Und er wuchs beständig bis zur großen Pause, weil Marko Banic und Leon Radosevic aus der Halbdistanz trafen. Niels Giffey, Jonathan Tabu und Alex Renfroe steuerten Dreier bei. Alba, das nach der Rückkehr von Cliff Hammonds erstmals seit Wochen in Bestbesetzung antrat, profitierte außerdem davon, dass die Gäste nach knapp fünf Minuten auf ihren verletzt ausgeschiedenen Spielmacher Julius Jenkins verzichten mussten.

So bleib den Serben als Hauptwaffe ihr 2,21 Meter riesiger Center Boban Marjanovic, der effektivste Spieler der Europaliga. Den ungeachtet seiner Länge erstaunlich beweglichen Mann bekam die Alba-Verteidigung nie ganz in den Griff (27 Punkte). Bei Alba war plötzlich ein Riss im Spiel, Roter Stern fand seinen Rhythmus. Beim 61:61 war der schöne Vorsprung tatsächlich aufgebraucht (34. Minute), ehe sich die Berliner wieder mehr konzentrierten und erneut auf 67:61 davonzogen.

Belgrad wehrte sich bis zum Schluss. Als aber Jamel McLean an der Freiwurflinie die Nerven behielt und ihm das 73:68 gelang, war der letzte Widerstand gebrochen. Die Belgrader Fans sangen trotzdem und feierten lautstark einen Mann: Sasa Obradovic, den serbischen Trainer von Alba.