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Der etwas andere Baseball-Star lebt auf einem Parkplatz

Daniel Norris ist Millionär, wohnt aber in einem alten Bus

Daniel Norris verdient als Baseball-Profi Millionen Dollar und lebt auf einem Parkplatz neben einer Müllkippe. Der Pitcher der Toronto Blue Jays brät seine Rühreier über einem Gaskocher, obwohl er Stammgast jedes Sterne-Restaurants sein könnte. Vor dem Training parkt er seinen klapprigen VW-Bus neben den Bentleys und Ferraris seiner Kollegen – weil der 21-Jährige es so will.

„Ich brauche das Abenteuer, um glücklich zu sein“, sagt der Jungstar, der bei seiner Vertragsunterschrift 2011 in Toronto bereits einen Zwei-Millionen-Dollar-Bonus kassierte – es folgte ein Megadeal mit Nike. Aber wohin mit dem Geld? Es interessiert ihn nicht: Monatlich lässt er sich gerade einmal 800 Dollar auszahlen – der Rest kommt auf die hohe Kante. Seine Kollegen aus der Major League Baseball (MLB) kaufen teure Uhren, er aus der Mode gekommene T-Shirts im Schlussverkauf. „Wieso verdiene ich so etwas? Was habe ich für all das getan?“, fragt Norris, den Bekannte vom Parkplatz nur „Van-Man“ nennen: „Ich fühle mich wohler, wenn ich das Gefühl habe, kein Geld zu haben.“ Gerade in der Saisonpause kultiviert er seinen minimalistischen Lebensstil.

Minimalistischer Lebensstil

Wenn die Leute den Mann in seinem Wohnmobil (Baujahr 1978) sehen, denken sie, er sei ein Surfer im Exil oder ein weggelaufener Teenie. Manche haben Mitleid mit dem in Wirklichkeit reichen Riesentalent, das im Herbst 2014 sein Profidebüt in der weltbesten Liga feierte. „Mein Bruder war auch mal obdachlos“, meinte jüngst ein Mann zu Norris und warf ihm ein paar Cents vor die Füße.

„Er war schon immer bodenständig“, sagt ein Prediger aus seiner Heimatstadt Johnson City in Tennessee. Während der spielfreien Zeit jobbt Norris dort 40 Stunden die Woche in einem Outdoor-Geschäft. Der Jungstar lebt gegen die „Regeln“ des Profigeschäft. Manch ein Mannschaftskollege hält ihn deshalb für verrückt: „Werd’ endlich ein Profi“, soll ein Mitspieler gesagt haben.

Doch Norris will sich nicht verstellen. „Ich kann nur eine gute Saison spielen, wenn ich glücklich bin“, sagt er und bekommt Rückendeckung vom Trainerstab. „Er achtet sehr auf seinen Körper. Wenn das nicht der Fall wäre, dann müssten wir uns sorgen“, meint Tony LaCava, einer der Coaches. Der Klub akzeptiert das außergewöhnliche Lebensmodell des Pitchers, der in der kommenden Saison so richtig durchstarten will – und sich dafür sogar ein Zimmer bei einem Kumpel nimmt.