Erfolgsgeschichte

Volleyball wie noch nie

Warum das Final Four der Champions League für die BR Volleys kein Einzelfall bleiben muss

Hundertprozentig kann sich der Mann, der diese Erfolgsgeschichte zu großen Teilen geschrieben hat, einfach nicht auf unser Gespräch konzentrieren. Nebenher wandert sein Blick immer wieder zu der Gruppe zumeist riesiger Kerle, die in der Schmeling-Halle ein Trainingsmatch bestreiten. Aber es sind ja nicht irgendwelche Kerle, es ist nicht irgendein Training, und es ist nicht irgendein Sport. Es sind die BR Volleys, die sich auf das Final Four der Volleyball-Champions-League an diesem Wochenende vorbereiten. Seine Spieler, sein Verein, sein Sport. Kaweh Niroomand sagt: „Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich mir das nicht träumen lassen.“ Da stand er vor der Frage: „Wie geht es weiter? Geht es weiter?“

Der 62-Jährige ist Geschäftsführer eines Vereins, der eine erstaunliche Entwicklung genommen hat. Parallel mit ihm, wenn man so will. Als Student ist Niroomand einst aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Hat beim Bundesligisten Verein der Saunafreunde erst mittrainiert, dann gespielt, dann das Training übernommen. Hat später mit der Mannschaft beim SC Charlottenburg eine neue Heimat gefunden, Deutsche Meisterschaften gewonnen und nebenher als Software-Unternehmer eine steile Karriere hingelegt. Doch irgendwann wurde er mit der Entwicklung des Volleyballs immer unzufriedener. Das war 2007.

Die Tristesse, vor ein paar Hundert Zuschauern in der Sömmering-Sporthalle anzutreten, konnte Niroomand nicht mehr ertragen. „Ich erzähle jetzt nicht: Ich habe da gesessen und den Plan gehabt, das Final Four nach Berlin zu holen.“ So ein Quatsch, diese Sorte Visionär ist er nicht. An so etwas glaubt er auch nicht. Er glaubt viel mehr an etwas anderes. „Das Leben gibt immer Chancen“, sagt er. Man muss sie sehen und daran arbeiten. „Viele haben Angst. Dann bleiben sie stehen.“

Zuschauerrekorde aufgestellt

Er hatte keine Angst, sondern entschied sich für einen professionellen Neustart. Umzug in die Max-Schmeling-Halle, wie einst Alba Berlin. Berlin Recycling als Namenssponsor ins Boot nehmen. Mit orangenen Trikots statt schwarz-weißen Farbe ins Spiel bringen. Dazu Cheerleader, tschingderassabum! Mehr Event als biederer Sport. Und die klare Absprache, in drei Säulen zu investieren: ins Management, in die Sportstätte und in die Mannschaft. So entsteht Nachhaltigkeit. Nur so.

Der Umzug geschah vorsichtiger als bei Alba. Drei Spiele pro Saison sollten es erst mal sein. Bei der Premiere im November 2008 gegen Düren kamen: fast 5000 Volleyball-Fans. Die BR Volleys waren so überwältigt und erschrocken zugleich, dass sie prompt verloren. Geglückt war das Experiment dennoch. Seit der Saison 2011/2012 spielt die Mannschaft nur noch in der Arena am Prenzlauer Berg. Mit einer Ausnahme, im Herbst 2011 gab es eine letzte Partie in der Euro Challenge gegen das zypriotische Team Anorthosis Famagusta in Charlottenburg. Nichts belegt die Entwicklung seither drastischer als die Aufgabe, die am Sonnabend (17 Uhr, Sport1) auf die BR Volleys wartet: Zenit Kasan, die beste, zumindest teuerste Klubmannschaft der Welt. Anschließend spielen die polnischen Teams Skra Belchatow und Resovia Rzeszow den zweiten Finalisten aus.

Natürlich ist auch die Berliner Mannschaft inzwischen verbessert worden, mit deutschen und internationalen Nationalspielern. Dreimal in Folge wurde sie zuletzt Deutscher Meister. Gleichzeitig blieb der Klub seiner Vorgabe treu, in die Infrastruktur zu investieren. Als zweiter fester Mitarbeiter wurde bereits vor acht Jahren Matthias Klee als Geschäftsstellenleiter angestellt. Ein Glücksgriff, wie sich zeigen sollte, Klee organisiert jetzt das Final Four. Heute gibt es sieben feste Stellen bei den BR Volleys. In der Bundesliga, selbst in Europa wurden Zuschauerrekorde aufgestellt. Rund 4700 Fans im Schnitt kamen in dieser Saison zu den Partien auf nationalem Parkett, noch ein paar mehr auf internationalem.

Volleyball hat es geschafft, sich seinen Platz im gehobenen Segment auf dem umkämpften Berliner Markt zu sichern, hinter Fußball, neben Basketball, Handball und Eishockey, aber weit vor Hockey, Wasserball oder Tischtennis. Die BR Volleys wurden 2013 Berlins „Mannschaft des Jahres“, Niroomand 2014 „Manager des Jahres“. International gab es Preise vom europäischen Verband CEV, den „Best Organizer Award“ und den „Press Award“.

Niroomand hätte sich zurücklehnen können. Doch mit den Erfolgen wuchsen die Ansprüche – an sich selbst. „Vor zwei Jahren habe ich mir gedacht, das Final Four ist eine Geschichte, die man jetzt angehen könnte.“ Die beste Gelegenheit, die Marke BR Volleys noch bekannter zu machen. Als Berlin Anfang des Jahres den Zuschlag bekam, war kurz die Sorge da, ob es in der Kürze der Zeit gelingt, den Etat von fast 600.000 Euro zu stemmen. Die Tickets waren jedoch so begehrt, dass sogar eine Zusatztribüne aufgebaut wurde. Die Schmeling-Halle wird an beiden Tagen mit rund 10.000 Zuschauern ausverkauft sein. Die Besucher aus Polen, Russland und ganz Deutschland erwartet ein Volleyball-Fest. Thomas Krone, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes, spricht aus, warum: „Die BR Volleys haben Volleyball mit der Eventisierung ihrer Heimspiele auf eine neue Stufe gehoben.“

Und dann wieder Meister werden

Und dann? Was soll nach diesem Höhepunkt noch kommen? Niroomand antwortet vergnügt: „Ich bin jetzt schon heiß auf unsere vierte Meisterschaft in Folge!“ Er kann sich auch etwas anderes vorstellen: „Vielleicht ergibt sich eine neue Chance.“ Es könnte ja zu einem festen Rhythmus werden, „dass wir uns da alle paar Jahre ums Final Four bewerben. Und auch die Mannschaft entsprechend weiterentwickeln“. Denn bei aller Begeisterung über die Gastgeberrolle sagt Niroomand: „Wir sind nicht nur hier, um dabei zu sein.“ Etwas mehr würde einfach zu schön passen zu der Erfolgsgeschichte der BR Volleys.