Tischtennis

Erst im Finale der German Open findet Solja ihre Meisterin

Petrissa Solja war fix und fertig. Geschafft nach dem wohl härtesten Tischtennisturnier ihres Lebens.

Zumindest dem erfolgreichsten. Die Spielerin des TTC Eastside Berlin verlor das Finale der German Open in Bremen mit 2:4 (11:9, 11:13, 11:7, 7:11, 12:14, 10:12) gegen die Japanerin Mima Ito. Aber sonst hatte sich die 21-Jährige in der Hansestadt keine Blöße gegeben. Sie hatte zunächst das U21-Turnier für sich entschieden. Danach an der Seite ihrer Berliner Teamkollegin Shan Xiaona das Doppel. Insgesamt trat sie in diesen vier Tagen fünfzehn Mal an die Platte der ÖVB-Arena und verließ sie vierzehn Mal als Gewinnerin. Nur der finale Auftritt war nicht von Erfolg gekrönt.

Trotzdem waren es Festspiele für die Linkshänderin, die seit Jahren als großes Talent gepriesen wird. Aber auch als eine, die fleißig arbeitet, weil sie hohe Ziele hat. Bei den Olympischen Spielen will sie dabei sein, in die Top 20 der Weltrangliste vordringen. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die Erwartungen berechtigt sind. In Chemnitz wurde sie zum ersten Mal Deutsche Einzelmeisterin und damit Nachfolgerin der zehn Jahre älteren Shan. Nun schaffte sie erstmals den Einzug ins Endspiel bei einem großen internationalen Turnier.

13.400 US-Dollar kassiert sie dafür, natürlich die höchste Gage ihrer Karriere. Es hätten durchaus 26.000 werden können. Denn beim Stand von 2:2 gegen Ito hatte Solja im fünften Satz einen Satzball, den sie vergab. Im sechsten waren es gar deren drei, doch wieder drehte die erst 14-jährige Japanerin das Geschehen zu ihren Gunsten. „Das ist sehr ärgerlich“, sagte Solja, „zum Schluss haben wohl etwas Kraft und die Konzentration gefehlt.“ Kein Wunder nach den Strapazen der vergangenen Tage, schon gar keine Schande. Und einschließlich U21 sowie Doppel kam für sie die Summe von 21.400 Dollar zusammen.

Besser als Boll und Ovtcharov

Vor allem jedoch hat sie viel Selbstvertrauen sammeln können für das nächste, noch viel größere Turnier, das bevorsteht: die Weltmeisterschaften in Suzhou/China. Solja reist Ende April mit dem Gefühl dorthin, etwas Besonderes schaffen zu können, das zeigte ihr vor allem ihr Sieg gegen die Weltranglistenfünfte Kasumi Ishikawa aus Japan im Viertelfinale. Die Berlinerin belegt in diesem Ranking noch Platz 45. „Dieses Spiel gegen Ishikawa“, sagte sie, „hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ich sehe, dass alles möglich ist.“

Damit hat Solja in Bremen für das beste Ergebnis für das Team des Deutschen Tischtennis-Bundes gesorgt. Bei den Männern unterlag Titelverteidiger Dmitrij Ovtcharov im Halbfinale dem Weltranglistenersten Ma Long. Der Chinese gewann auch das Finale gegen seinen Landsmann und Olympiasieger Zhang Jike und hatte zuvor im Viertelfinale Timo Boll aus dem Weg geräumt.

Solja dagegen schaltete auf dem Weg ins Finale zwei Chinesinnen aus – die allerdings nicht zur ersten Garnitur zählen. Egal, ebenso wie der verpasste Turniersieg: „Auch wenn ich das letzte Spiel verloren habe, ist alles fast surreal und irre. Ich habe einfach einen tierischen Lauf.“ Den sie gern noch ein bisschen fortsetzen möchte. Am liebsten in Suzhou.