Hertha BSC

Nur den Torjubel muss Langkamp erst wieder lernen

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Jörn Meyn

Der Abwehrspieler trifft endlich und gibt Hertha Stabilität

Zur klassischen Pädagogik dürfte die Methode nicht zählen, aber manchmal hilft es eben doch, wenn man einem öfter mal seine Unzulänglichkeit vor die Nase hält. Sebastian Langkamp jedenfalls musste sich eine Weile lang damit abfinden: „Ich habe mir in den letzten Wochen oft Sprüche anhören müssen, wann ich denn endlich ein Tor schieße. Mein Kopf ist ja nicht der kleinste, dass man ihn andauernd verfehlt“, sagte Langkamp. Dabei verzog er keine Miene, blieb so euphorisch wie ein Verwaltungsangestellter am Montagmorgen. Aber irgendwann huschte Herthas Innenverteidiger dann doch ein kleines Lächeln über das Gesicht. Es war ja so, dass die Kollegen endlich seine Stirn gefunden hatten. Gegen Hamburg am Freitag gelang dem 27-Jährigen per Kopf sein erster Saisontreffer, der auch den Sieg bedeutete. Es war zudem sein allererster für Hertha BSC.

Das ist insofern erstaunlich, weil sie Langkamp in Berlin erstens als ihren besten Kopfballspieler ausgemacht haben, und weil dieser zweitens früher gar nicht so selten traf. Für Augsburg erzielte er 2011/12 vier Tore in einer Saison, für Karlsruhe sogar mal eines aus 50 Meter Entfernung. Aber Langkamps letzter Treffer lag fast drei Jahre zurück, und da kann man schon mal vergesslich werden: „Das Gefühl, ein Tor zu erzielen, hatte ich schon lange nicht mehr. Und deshalb wusste ich auch gar nicht, wie ich jubeln soll“, sagte Langkamp. Weil er „keine Spiderman-Maske dabei hatte“, wie Änis Ben-Hatira neulich, „habe ich meinen Gefühlen einfach freien Lauf gelassen“.

Langkamps Gefühlswelt war zuletzt nicht allzu heiter. Diese Spielzeit und er wollten nicht so recht Freunde werden. Erst verletzte sich Langkamp zu Saisonbeginn schwer und verpasste fast die komplette Hinrunde. Dann war er beim Debüt des neuen Trainers Pal Dardai in Mainz gesperrt. Der Ungar nominierte ihn danach gegen Freiburg nicht für den Kader, was bei seinem Vorgänger Jos Luhukay niemals vorgekommen wäre. „Das war unangenehm, aber ich konnte die Entscheidung nachvollziehen“, sagte Langkamp. Seit vier Spielen steht der Abwehrspieler wieder in der Startelf – seither hat Hertha nicht mehr verloren. „Ich bin froh, dass ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass wir wieder stabiler werden“, sagte er. In Hamburg war es ein großer: Denn er brachte Hertha per Kopf nicht nur den Sieg, sondern verhinderte Minuten zuvor, dass Pierre-Michel Lasogga zur HSV-Führung ins leere Tor einschieben konnte.

Langkamps Stellenwert benennen sie bei Hertha so: „Er ist unser Fixpunkt – unser Abwehrchef“, sagte Michael Preetz. Der Manager war im Übrigen auch einer, der Langkamp wegen der mangelnden Torgefahr aufzog. Pädagogisch wertvoll oder nicht: Am Ende hat es geholfen.