Interview

„Ich hoffe, dass Hertha und der HSV in der Liga bleiben“

Per Skjelbred über den Berliner Aufschwung und das Abstiegsduell gegen seinen Ex-Klub

Am Freitag tritt Hertha BSC beim Tabellennachbarn Hamburger SV an, der Norweger Per Skjelbred, 27, hat für beide Klubs schon gespielt.

Berliner Morgenpost:

Haben Sie ein schlechtes Gefühl, wenn Sie an den HSV zurückdenken, Herr Skjelbred? Sie gehörten dort in zwei Jahren selten zur ersten Wahl.

Per Skjelbred:

Überhaupt nicht. Schwamm drüber. Das Geschäft läuft nun einmal so. Ich habe immer noch viele Freunde im Team – wie zum Beispiel Dennis Diekmeier. Wir treffen uns manchmal mit unseren Familien. Unsere Frauen sind befreundet.

Gab es im Sommer Bemühungen des HSV, Sie zu behalten, nachdem Sie in Berlin als Leihspieler eine gute Saison gespielt hatten?

Nein. Dort war nach der überstandenen Relegation alles im Umbruch. Ich habe gefragt: ‚Was ist euer Plan mit mir?’ Aber keiner hatte einen. Außerdem wollte ich unbedingt bei Hertha bleiben.

Der HSV spielt erneut gegen den Abstieg. Haben Sie damit gerechnet?

Keiner hat damit gerechnet. Ich kann nicht sagen, woran das liegt: Sie haben eigentlich gute Spieler, eine tolle Stadt. Der HSV müsste normalerweise zu den besten fünf Teams in der Liga gehören.

Heiko Westermann hat gerade gesagt, dass der HSV besser sei als ein Abstiegskandidat.

Tja, aber es gibt eine andere Realität. Bei Hertha haben wir ja auch Probleme gehabt. Zu meiner Zeit in Hamburg gab es immer sehr viel Druck aus dem Umfeld – von den Nachbarn, und selbst wenn ich einkaufen ging. Das gibt es zwar auch in Berlin, aber hier kommt mir das weniger aggressiv vor. Vielleicht, weil die Stadt größer ist, man Anonymität behält.

Wie würden Sie Herthas Entwicklung unter Pal Dardai beschreiben?

Pal Dardai ist ein richtig tougher Typ. Er hat uns als Team wieder mehr zusammengeführt. In der Kabine waren wir auch vorher eine Einheit, aber auf dem Platz manchmal nicht. Das haben wir nun geschafft. Vorher hatten wir längere Zeit Probleme in unserem Spiel. Da war es sehr schwer, wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden. Ich glaube aber, wir haben ihn nun gefunden, auch wenn noch nicht alles funktioniert.

Das Team läuft pro Spiel fünf Kilometer mehr als unter Jos Luhukay und hat viel bessere Zweikampfwerte. Wie ist das zu erklären?

Schwer zu sagen. Das Potenzial war immer da, wir haben es nur nicht geschafft, es dauerhaft rauszukitzeln. Wir sind ein Team, das erst einmal defensiv stabil stehen will. Dafür muss man viel rennen.

Das ist ja Ihre Qualität. Sie und Valentin Stocker laufen am meisten. Man könnte sagen, Sie seien der perfekte Abstiegskämpfer.

Das klingt natürlich nicht so schön, stimmt aber ein bisschen. Ich passe zu Teams, die einen hohen Aufwand betreiben. Ich habe von zu Hause mitgekriegt, immer alles rauszuhauen, was ich habe. Danke, Mama (lacht).

Ihre Rolle im Team hat sich geändert. Sie sind nun Kapitän der norwegischen Nationalelf und bei Hertha waren sie auch schon Vizekapitän.

Eine riesige Ehre. Ich bin gereift. Das hat auch mit der schwierigen Zeit in Hamburg zu tun. Ich habe mir den Respekt erarbeitet. Ich weiß nun, worauf es ankommt und kann das weitergeben.

Hertha hat weiter Probleme in der Offensive. Wie lässt sich das lösen?

Das ist schwer. Wir könnten defensiv noch besser stehen und offensiv mehr probieren. Aber wir müssen einen Schritt nach dem anderen gehen. Im Moment müssen wir alle defensiv denken. Erst wenn das klappt, können wir vorn die Hunde von der Leine lassen.

Ein weiteres Problem war, dass das Team keine Konstanz hatte. Jetzt haben Sie drei Spiele nicht verloren ...

... das ist schön, reicht aber nicht. Wir denken in kleinen Schritten. Wir schauen, was wir im letzten Spiel falsch gemacht haben und wollen das beim nächsten verbessern. Nur so kommt irgendwann die gewünschte Konstanz.

Sie haben bisher zweimal gegen den HSV gespielt, zweimal hat Hertha 3:0 gewonnen.

Das darf gern so weitergehen (lacht). Auch wenn es schade wäre für den HSV. Ich hoffe, dass Hertha und der HSV in der Liga bleiben. Wir werden das schaffen. Hoffentlich auch der HSV. Aber ich bin jetzt halt Herthaner.