Zweite Bundesliga

Doppelter Stresstest für Union

Sowohl die Fans als auch die Mannschaft stehen gegen St. Pauli unter strenger Beobachtung

Wenn es eine Partie gibt, die Norbert Düwel, der Trainer des 1. FC Union, als Wendepunkt für seine Mannschaft in dieser Saison ansieht, dann ist es das Hinspiel beim FC St. Pauli. Die Partie ging zwar 0:3 verloren, dennoch hätten seine Profis erstmals in Ansätzen gezeigt, was er von ihnen verlangt. Das Rückspiel am Freitag (18.30 Uhr, Alte Försterei) steht nun erst recht unter strenger Beobachtung, wenn auch nicht nur aus sportlichen Gründen.

Stichwort Fans. Nach den Ausschreitungen am vergangenen Sonntag beim Regionalligaspiel zwischen Union II und dem BFC Dynamo steht der Klub mehr denn je wegen seiner Anhängerschaft im Blickpunkt. Am Freitag gegen St. Pauli wird die Alte Försterei mit 21.717 Zuschauern ausverkauft sein. Und das Verhältnis zwischen beiden Fanlagern darf spätestens nach den Vorkommnissen im Hinspiel als angespannt bezeichnet werden. An jenem 4. Oktober waren vor dem Millerntorstadion Union-Anhänger, die wegen Stadionverbots draußen bleiben mussten, von Hamburger Chaoten angegriffen worden. Unioner, die zur Unterstützung eilen wollten, wurden am Verlassen des Gästeblocks gehindert, um größere Ausschreitungen zu verhindern. Angesichts dieser Vorgeschichte und der neuesten Vorkommnisse werden Polizei und Ordnungskräfte am Freitag in höchster Alarmbereitschaft sein.

Stichwort Mannschaft. Der desaströse Auftritt von Darmstadt (0:5) hat das Selbstvertrauen der Profis angeknackst. Die Aufarbeitung war kurz, aber hochintensiv. „Es war ja klar, dass wir danach nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen konnten. Das wäre doch eine Farce gewesen“, sagte Düwel. Statt normale Regeneration gab es eine „läuferische Aufarbeitung“, so der Coach. Und in der Videoanalyse wurden die Fehler noch einmal schonungslos angesprochen. Danach ging Düwel dennoch zur Tagesordnung, sprich normalem Training, über. Die Gefahr, dass die Profis die Situation durch das Acht-Punkte-Polster auf die Abstiegszone unterbewusst als nicht mehr bedrohlich ansehen, ist aber definitiv vorhanden.

Legt man die Äußerungen in den vergangenen Tagen zu Grunde, dann weiß man bei Union um die prekäre Lage, sollte auch gegen den Vorletzten aus Hamburg verloren werden. „Ich sage schon seit Wochen, dass wir eine bestimmte Anzahl an Punkten brauchen, um sicher aus dem Abstiegskampf raus zu sein“, sagte Düwel. Seit Wiederaufnahme der Relegation 2009 reichten 31 bis 37 Punkte. Union hat 31 Zähler. Abwehrspieler Fabian Schönheim machte deutlich, dass die Luft noch nicht raus sei, „so lange rechnerisch etwas möglich ist. Wir sitzen nicht herum und sagen uns, ach, es passiert schon nichts mehr.“

Ob auf dem Platz oder auf den Rängen, Union erwartet am Freitagabend gegen die Hamburger ein doppelter Stresstest. „Spiele gegen St. Pauli sind immer besonders. Genau das richtige Spiel, um die passende Antwort zu geben“, hofft Mittelfeldspieler Christopher Quiring.