Champions League

Tevez beendet Dortmunds Traum

Der BVB verliert 0:3 gegen Juventus Turin und scheidet aus der Champions League aus

Das Schönste an diesem unansehnlichen Dortmunder Abend war die Erinnerung. Vor dem Anpfiff des Achtelfinal-Rückspiels in der Champion League gegen Juventus Turin am Mittwoch führten die BVB-Anhänger eine Choreografie auf. „97“ war dort groß zu lesen, und unter jener Zahl, die auf das gewonnene Finale der Borussia in der Königsklasse gegen Juve 1997 verwies, prangten die einstigen Endspielhelden: Lars Ricken, der damals das 3:1 erzielte, stemmte den Henkelpott in die Luft. Karl-Heinz Riedle, Doppeltorschütze, jubelte. Und Trainer Ottmar Hitzfeld rauchte Zigarre.

Doch der Geist der Vergangenheit ließ sich nicht hervorlocken. Kaum hatte der Fan-Block die Vorführung beendet, begann auch der Traum von der dritten Viertelfinal-Teilnahme in Folge in der Gegenwart zu platzen. Das Team von Trainer Jürgen Klopp verabschiedet sich aus der Champions League, weil es die ordentliche Ausgangslage nach dem 1:2 aus dem Hinspiel schon nach nur drei Minuten herschenkte.

Nur eine einzige Torchance

Da hatte Juves Angreifer Carlos Tevez 25 Meter vor dem Borussen-Tor aus dem Stand einen Schuss in den Winkel gedroschen (3.). Klopp zuckte an der Seitenlinie zusammen, die meisten der 65.000 im Stadion verstummten, und der BVB erholte sich von diesem frühen Nackenschlag nicht mehr. Am Ende war maßgeblich Tevez dafür verantwortlich, dass die Anzeigetafel ein 0:3 (0:1) anzeigte. Der Argentinier bereitet das zweite Tor für Alvaro Morata (70.) vor und traf selbst zum Endstand (79.). Es war die höchste Heimniederlage des BVB in der Champions League seit dem 0:3 gegen Rosenborg Trondheim 1999.

„Das frühe Tor war zweifellos ein Schock“, sagte BVB-Innenverteidiger Mats Hummels. „In der zweiten Halbzeit hatten wir einen totalen Leistungsausfall. Man kann nicht sagen, dass wir heute auf gleicher Höhe mit Juve gespielt haben. Wir haben verdient in dieser Höhe verloren.“ Und auch Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller sagte: „Wir sind alle sehr enttäuscht. Wir hatten uns mehr vorgenommen, kamen aber nicht in Schwung.“

Schon zur Halbzeitpause verabschiedete das Dortmunder Publikum ihre Mannschaft mit Pfiffen. „Dafür haben ich kein Verständnis. Nach dem Spiel könnte ich das verstehen. Aber zur Halbzeit nicht“, sagte Hummels. Doch sein Team verpasste es auch, die Stimme des eigenen Anhangs mit einer engagierten Leistung aufzuhellen. Keine echte Torchance konnte sich der BVB in den ersten 45 Minuten erspielen. Im zweiten Durchgang kam einzig der eingewechselte Ex-Berliner Adrian Ramos mit einem Kopfball gefährlich vor das Tor der Italiener (75.). „Das war ein Spiel zum Vergessen, das fing in der 3. Minute an und wurde nicht viel besser“, sagte Klopp.

Nach dem Aus der Dortmunder ist Rekordmeister FC Bayern München der einzige deutsche Vertreter in der Runde der letzten Acht. Für Dortmund könnte es zudem für eine längere Zeit der letzte Auftritt im Europapokal gewesen sein. Der BVB steht in der Bundesliga nur auf Platz zehn und hat sich aus dem Abstiegskampf noch nicht verabschiedet. Aus der erhofften Sternstunde wurde gegen Juve eine Lehrstunde. „Wir waren viel zu harmlos. Uns fehlte jegliche Durchschlagskraft“, sagte Klopp. Mit Jakub Blaszczykowski und Ramos hatte Klopp auch noch seine letzten Offensivtrümpfe gezogen. Doch auch mit den beiden wurde das Angriffsspiel nicht effektiver. „Dieses Spiel ist für uns ein Rückschlag“, sagte Hummels. Und Klopp wies darauf hin, dass nun alle Kraft auf den Klassenerhalt gerichtet werde. „Da sind wir gefragt.“ Am Sonnabend tritt der BVB in der Bundesliga in Hannover an.

Guardiola klatscht für Barcelona

Knapp 1.500 Kilometer südlich von Dortmund saß Pep Guardiola in Barcelona auf der Tribüne neben seinem Vater sowie seinem Berater und klatschte in die Hände. Ivan Rakitic hatte soeben für den FC Barcelona gegen Manchester City im anderen Achtelfinale der Königsklasse getroffen (31.). Das Tor des ehemaligen Schalkers bedeutete, dass Guardiolas Ex-Klub Barca nach dem 2:1-Hinspielerfolg in England ins Viertelfinale einzog. Lionel Messi hatte den Treffer mit einem feinen Sololauf vorbereitet. Barcelonas Schlussmann Marc-André Ter Stegen, der bis zum vergangenen Sommer noch für Mönchengladbach spielte, parierte zudem einen Elfmeter von Sergio Aguero (78.). Ob Guardiola dabei auch jubelte, war nicht zu erkennen. Allein sein Dasein dürfte aber Spekulationen anheizen. Der FC Bayern würde mit dem Spanier nämlich gern verlängern.