Champions-League

Es geht um Geld und die Ehre

Viertelfinaleinzug in der Königsklasse soll für Borussia Dortmund noch die Saison retten

Nein, über das Leid anderer sollte sich niemand freuen. Doch die Nachricht, die am Montagabend durch die Kanäle rauschte, ließ in Dortmund so manches Herz höherschlagen. Andrea Pirlo muss für das Champions-League-Spiel gegen den BVB passen. Der Superstar von Juventus Turin wird die Partie am Mittwoch (20.45 Uhr, Sky) nur im TV verfolgen können. Er ist nach einer Wadenzerrung nicht rechtzeitig fit geworden für das Rückspiel des Achtelfinales.

Der 35-Jährige ist trotz seines fortgeschrittenen Alters noch immer der Spiritus Rector des italienischen Meisters, und sein Ausfall trifft Trainer Massimiliano Allegri hart. Der Tabellenführer der Serie A reist mit einem dünnen 2:1-Vorsprung aus dem Hinspiel nach Dortmund.

Die Italiener fürchten die Dortmunder Heimstärke. Die „Gazzetta dello Sport“ warnt: „Nicht nur Klopp oder Reus – in Dortmund spielt man auch gegen eine gelbe Wand.“ Der BVB fürchtet die Defensivkraft der Italiener. 14 Gegentore in 27 Spielen haben sie in der Meisterschaft kassiert. Auch darum führen sie die Tabelle mit 14 Punkten Vorsprung auf den AS Rom an. Zum Vergleich: Der FC Bayern hat nur elf Zähler zwischen sich und den Zweiten gebracht. Doch im Hinspiel traf Juve auf einen Gegner auf Augenhöhe. Marco Reus erzielte das wichtige Auswärtstor für den BVB.

Ein 1:0-Erfolg würde also ausreichen, um das für die Dortmunder so wichtige Viertelfinale zu erreichen. Es ist eine Frage der Ehre: Schaffen es die Dortmunder unter die besten acht Mannschaften in Europa, mildert es den Eindruck einer ansonsten enttäuschenden Saison ab. Zwar hat der BVB durch eine Energieleistung den drohenden Abstieg so gut wie abgewendet. Doch der Sturm auf die Europapokalplätze erhielt zuletzt zwei Dämpfer: Das 0:0 gegen den HSV und ein weiteres torloses Remis gegen den 1. FC Köln erdete die aufstrebende Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp: „Wir brauchen gegen Juventus eine deutliche Leistungssteigerung und müssen als Mannschaft viel präsenter sein“, sagt Manager Michael Zorc.

Es ist aber auch eine Frage des Geldes, die Dortmund heute antreiben wird. Derzeit liegt der BVB acht Punkte hinter dem FC Augsburg, der auf Rang sechs und damit auf dem ersten Europa-League-Platz steht. Noch haben die Borussen eine Chance, zumindest im „kleinen“ Europapokal zu starten. Doch bei nur noch neun verbleibenden Ligaspielen ist die Wahrscheinlichkeit nicht mehr sonderlich groß, dass der Husarenritt vom vorletzten Tabellenplatz nach Europa gelingt.

Start in Europa ist wichtig

In der Europa League könnte der BVB immerhin bis zu 20 Millionen Euro verdienen. Spielt die Klopp-Elf nicht international, gibt es ein Problem: Zwar reicht das Ersparte aus, um eine Saison ohne internationalen Wettbewerb zu überstehen. Aber ohne Dreifachbelastung ist der Kader zu groß und mit zu vielen Spielern ausgestattet, die einen Stammplatz fordern. Ärger wäre programmiert. Zudem wären bedeutende Neuerwerbungen im Sommer nicht drin.

Das Spiel gegen Juventus ist die große Chance der Dortmunder, aus der schlechtesten Saison seit Jahren noch etwas herauszuholen. 3,9 Millionen Euro Prämie gibt es allein für das Erreichen der nächsten Runde.