Formel 1

Vettel startet besser als Schumacher

Silberpfeile dominieren beim Auftakt der neuen Formel-1-Saison in Australien weiter nach Belieben. Immerhin meldet sich Ferrari zurück

Zumindest auf dem Siegerpodium beim Großen Preis von Australien lachten alle. Melbourne-Gewinner Lewis Hamilton allen voran. Und der 30 Jahre alte Engländer, der in seinem Silberpfeil zuvor locker und lässig 58 fehlerfreie Runden im Albert Park absolviert hatte, ließ sich nicht einmal von Arnold Schwarzenegger überraschen. Der „Terminator“ führte die Siegerinterviews, aber der amtierende Weltmeister führte ihn fast ein bisschen vor. Breit grinsend erfreute Hamilton die australischen Fans mit einem flapsigen: „Hey! Ich bin fast so groß wie der Terminator.“

Danach ließ Hamilton ausgelassen den Champagner für seinen 34. Grand-Prix-Sieg und einen perfekten Start in die Mission Titelverteidigung spritzen. „Jetzt steht es 1:0 für ihn“, meinte der zweitplatzierte Mercedes-Teamkollege Rosberg. Dass auch der 29-Jährige und der Drittplatzierte Sebastian Vettel, 27, die australische Vier-Millionen-Stadt zufrieden verlassen konnten, lag am gerade absolvierten stressfreien Arbeitstag. Der Gang der Dinge hatte sich im Prinzip schon am Start entschieden.

Als es drauf ankam, war der Titelverteidiger da. Schnellster im letzten Training vor der Qualifikation, beste Startposition fürs Rennen und dann der Sieg. Fast schon Routine, genau wie die Streicheleinheit am Ende des Rennens für den Silberpfeil mit der Startnummer 44. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, einfach weiter zu gewinnen.“ Saisonübergreifend war es Hamiltons siebter Sieg in den vergangenen acht Rennen. „Es war ein absolut fehlerfreies Rennen. 100 Prozent Trefferquote, das gibt es nicht oft“, urteilte Mercedes-Motorsportchef Christian Wolff.

1,3 Sekunden fehlten Rosberg, 34,5 Sekunden nach Hamilton wurde Vettel abgewunken. Ausschlaggebend für den Podestplatz des Neu-Ferraristi war ein zeitlich besser gesetzter Reifenwechsel im Vergleich zu Felipe Massa. Ob Vettel den brasilianischen Williams-Fahrer auch auf der Strecke bezwingen kann, wird man frühestens beim nächsten Rennen in Malaysia am 29. März sehen.

Ein Tag voller Emotionen

Unabhängig davon war Vettel mit seinem Debütrennen für die Roten aus Maranello zufrieden: „Natürlich ist es kein Sieg, aber für uns fühlt es sich so an.“ Bemerkenswert neben der ausgesprochen soliden Leistung Vettels ist, wie schnell sich der Vierfach-Weltmeister auf die italienische Mentalität eingestellt hat. „Michael war ein Held in Rot“, sagte Vettel: „Es ist sehr schade, dass er nicht hier sein kann.“ Der Heppenheimer bedauerte, dass er diesen besonderen Moment in Melbourne nicht mit seinem Idol Schumacher teilen konnte. „Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen“, so Vettel – es war der emotionale Höhepunkt eines sehr emotionalen Tages. Teamchef Maurizio Arrivabene drückte ihn immer wieder an seine breite Brust, der zweite Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen war mit Technikproblemen ausgefallen. „Ich war im Geheimen ein Ferrari-Fan, jetzt kann ich auch offiziell ein Ferrari-Fan sein“, sagte Vettel: „Seit meinem ersten Tag ist da etwas Magisches.“ Das war dann doch etwas arg dick aufgetragen.

Die Emotionen sollten die Ferrari-Anhänger nicht überbewerten. Der Weg an die Spitze ist noch lang. Hamilton und Rosberg fahren in einer eigenen Liga. „Es liegt an uns, so hart weiter zu arbeiten, dass wir den Mercedes-Jungs früher oder später das Leben schwer machen können“, sagte Vettel dazu: „Ich bin sicher, dass uns das gelingen wird.“ Schumacher war in seinem ersten Rennen für Ferrari sogar ausgefallen.

Rosbergs Versuch, den Team-Kollegen unter Druck zu setzen, wurden von interessanten Funksprüchen aus seiner Box nicht wirklich gefördert. So erfuhr er im letzten Renndrittel, er möge Sprit sparen, um am Ende angreifen zu können. Kurze Zeit später, ohne dass es zu einer relevanten Beeinflussung des Tankinhaltes gekommen sein konnte, hieß es, er sei plötzlich im Spritplus. Dass Rosberg letztlich näher an Hamilton heranrückte, war Kosmetik. Die zwei kurz hintereinander über die Ziellinie fliegenden Silberpfeile machten sich auf dem Siegerfoto jedenfalls ausnehmend gut.

Schlecht machte sich das Starterfeld. Insgesamt kamen nur elf Autos ins Ziel, von denen lediglich McLaren-Pilot Jenson Button als Letzter ohne Zähler blieb. Eine Schmach auch für Motorenlieferant Honda. Gestartet waren 15 Fahrer. Weniger gab es zuletzt 1963 in Monaco. Dass sich beim Skandalrennen in Indianapolis 2005 nur sechs Fahrer dem Starter stellten, lag nicht an Teilnehmermangel, sondern an Reifenproblemen. Michelin als Hersteller wollte nicht für die Haltbarkeit garantieren.

Trügerische Ruhe bei Sauber

Unter den in Australien glücklos Gestarteten war auch Max Verstappen. Seinen Toro Rosso musste der Niederländer in Runde 34 abstellen. Für den Eintrag in die Rekordbücher als jüngster Grand-Prix-Starter – 17 Jahre und 166 Tage – reichte es dennoch.

Seinen Einstand krönte dagegen der fünf Jahre ältere Felipe Nasr. Der Brasilianer kam im Sauber auf den fünften Rang, Teamkollege Marcus Ericsson auf Rang acht. Und das, nachdem die Teilnahme des Teams wegen eines Rechtsstreits mit dem ehemaligen Reservefahrer Giedo van der Garde und drohender Beschlagnahmungen auf der Kippe gestanden hatte. Eine Lösung in dem Konflikt soll in dieser Woche präsentiert werden. Van der Garde hat wie Nasr und der Norweger Ericsson einen gültigen Vertrag. Der juristische Teil ist noch nicht beendet. Denn auch der Gräfelfinger Adrian Sutil, 32, wie van der Garde trotz eines gültigen Sauber-Vertrags gefeuert, denkt über den Gang zum Anwalt nach.