WM-Triumph

Aufstieg einer neuen Generation

Nach der Olympia-Enttäuschung überzeugt das junge deutsche Biathlon-Team bei der WM

Was kann es in der Kälte Finnlands Schöneres geben, als mit Cocktails auf einen Triumph anzustoßen und dabei ein bisschen Sommer-Feeling zu verspüren? Pina Colada heißt dabei das Getränk der Wahl der deutschen Biathletinnen. Allerdings hat ihre Variante mit dem Original nicht viel gemein. „Es gibt ein Regenerationsgetränk mit Protein mit Pina-Colada-Geschmack“, erzählt Franziska Preuß am Freitagabend nach dem Sieg der deutschen Staffel bei den Weltmeisterschaften in Kontiolahti. „Wir benehmen uns dann aber einfach so, als wäre Alkohol drin.“

An Rückschlägen gewachsen

Ihren großen WM-Triumph konnten die deutschen Biathletinnen bisher nur kurz zelebrieren. Schließlich steht Sonntag noch der Massenstart auf dem Programm. „Wir haben aber noch mit einem Glas Sekt mit den Trainern und Betreuern angestoßen“, berichtete Laura Dahlmeier am Sonnabend. Und das Gläschen hatten sie sich verdient. Denn ein Jahr nach dem Desaster bei den Olympischen Winterspielen hatte mit dem überlegenen WM-Sieg des deutschen Quartetts niemand gerechnet. Dieser Titel in der Ära nach Biathlonkönigin Magdalena Neuner und Erfolgsträgern wie Andrea Henkel oder Kati Wilhelm markiert den Aufstieg einer neuen und vielversprechenden Generation. „Das haben uns nur wenige zugetraut. Jetzt ist es umso schöner“, sagte Franziska Preuß.

Bei der WM 2013 und bei den Winterspielen 2014 hatten die deutschen Biathleten vergeblich auf einen Titel gehofft, beide Male kehrten sie mit der kargen Ausbeute von zwei Medaillen heim. Die glorreichen Zeiten schienen Lichtjahre entfernt. Selbst im Jubel über WM-Gold kamen bei Dahlmeier, die in Finnland bereits Silber in der Verfolgung gewonnen hatte, die Erinnerungen an Sotschi zurück. „Olympia war eine ganz schwere Zeit“, sagte die 21-Jährige. „Aber wir sind daraus gestärkt hervorgegangen.“

Bei den Spielen in Russland liefen die deutschen Frauen hoffnungslos hinterher und erlebten am Staffeltag die wohl schwärzesten Stunden ihrer Karriere. Nach dem am selben Tag bekannt gewordenen Dopingfall um ihre Teamkollegin Evi Sachenbacher-Stehle gingen sie völlig verunsichert in das olympische Rennen. Startläuferin Franziska Preuß stürzte nach 600 Metern, ein Stock brach, am Schießstand musste sie erst mal ihre Waffe reinigen. Am Ende landete die Staffel auf Rang elf. In Kontiolahti gab Preuß denn auch zu: „Ich hatte großen Schiss, alles zu versauen.“

Da war sie nicht die Einzige. Vanessa Hinz hatte vor dem Staffelrennen arge Probleme bei dieser WM gehabt. Auch sie sagte: „Ich hatte deshalb ziemlichen Bammel.“ Dennoch gelang ihnen ein fast perfektes Rennen und eine Demontage der Konkurrenz, die mehr als eine Minute Rückstand hatte. Für das deutsche Team war es nach dem Verfolgungssieg von Erik Lesser der zweite Titel in Finnland.

Die Frauenstaffel ist nicht nur Gegenwart, sondern vor allem auch Zukunft des deutschen Biathlons. Dahlmeier und Preuß sind erst 21 Jahre alt, Hinz ist 22. Gemeinsam gewannen sie vor zwei Jahren schon Staffelgold bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Hildebrand ist mit 27 Jahren die Erfahrenste im Team, lief deshalb auch die Staffel an und gab den Jüngeren mit ihrer guten Leistung Sicherheit. Die große Siegesfeier wollen die Frauen am nächsten Sonntag nach dem Weltcupfinale im russischen Chanty-Mansijsk nachholen. „Spätestens dann“, verspricht Dahlmeier, „werden wir es ordentlich krachen lassen.“

Erfolg auch für Männer-Team

Am Sonnabend standen die Männer den Frauen dann um nichts nach: Erik Lesser (Frankenhain), Daniel Böhm (Buntenbock), Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) und Simon Schempp (Uhingen) triumphierten. Das DSV-Quartett brach damit eine schwarze Serie: Der letzte Sieg deutscher Skijäger in einer Staffel lag mehr als vier Jahre zurück. Zum ersten Mal seit 18 Jahren stehen damit beide deutschen Staffeln bei einer WM ganz oben auf dem Siegerpodest. Silber ging an Norwegen, Bronze holte Frankreich.