Volleyball

Nur eine SMS macht Mut

BR Volleys sind krasser Außenseiter gegen Kasan. Doch zunächst warten die Netzhoppers

Die Reaktionen der Verantwortlichen waren eindeutig. Und zwar eindeutig negativ. „Das ist die beste Mannschaft der Welt. Wir haben einfach kein Glück“, sagte Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys. Trainer Mark Lebedew ergänzte: „Das musste ja so kommen. Vielleicht ist das ein bisschen unser Schicksal.“ Zenit Kasan heißt die Aufgabe im Halbfinale des Final Four in der Champions League, und auch wenn dieses Turnier am 28. und 29. März in der Schmeling-Halle stattfindet: Krasser könnte die Außenseiterrolle der Gastgeber nicht sein.

Denn man kennt sich ja schon. In den vergangenen beiden Jahren endete der Versuch der BR Volleys, in der Champions League nach der Gruppenphase auch die Play-off-Runde erfolgreich zu gestalten, gegen die Russen. Im ersten Jahr mit zwei 2:3-Niederlagen, 2014 waren die Verhältnisse klarer, beide Male hieß es 0:3. Da es anders nicht zu gehen schien, holten die Berliner das Final Four in ihre Stadt. Und bekommen nun wieder die Star-Truppe aus Tatarstan vor die Nase gesetzt. Es wird zum Running Gag, über den bei den BR Volleys niemand lachen kann. Ähnlich ist es jahrelang im deutschen Pokal gelaufen: Da scheiterte die Mannschaft zunächst in unschöner Regelmäßigkeit an Generali Haching. Und seitdem steht ihnen stets der VfB Friedrichshafen im Weg. Losglück geht anders.

Sieg und Niederlage in Italien

Doch was bleibt, als die Herausforderung anzunehmen und so gut wie möglich vorbereitet in die Partie zu gehen? Genau das versucht der Deutsche Meister. Zuletzt war Lebedew mit seinem Team zum kurzen Trainingslager in Italien. Beim Tabellenführer Parmareggio Modena gewannen die Berliner 3:1, gegen den -vierten Calzedonia Verona setzte es eine 2:3-Niederlage – aber da hatten die Spieler auch noch das anstrengende Krafttraining vom Morgen in den Knochen. Das Resultat ist auch letztlich nicht wichtig. Sondern nur die Einstimmung auf die wichtigen Partien, die jetzt anstehen.

Zunächst muss das Play-off-Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen die Netzhoppers KW-Bestensee überstanden werden. Am Sonnabend (18.30 Uhr, Schmeling-Halle) sind die BR Volleys Gastgeber, am folgenden Mittwoch soll die Serie nach dem Modus „Best of three“ aus Sicht des Favoriten mit dem zweiten Sieg beim Lokalrivalen eigentlich abgeschlossen sein. Aber Überheblichkeit? Oder mangelnde Konzentration wegen Kasan? Daran glaubt Lebedew nicht: „Meine Mannschaft ist erfahren genug. Sie weiß, dass sie sich konzentrieren muss und hat diese Qualität schon in den letzten Spielen der Hauptrunde bewiesen.“

Dass sie nicht aufgibt, hat sie auch des Öfteren gezeigt. So hat Niroomand sich bereits ein Szenario zurechtgelegt, wie Kasan doch zu knacken sein könnte. Wie die Fans der polnischen Halbfinalisten Skra Belchatow und Resovia Rzeszow alle auf Seiten der BR Volleys stehen, weil sie sich nicht Kasan als Finalgegner wünschen. Wie sich die Berliner in einen Rausch spielen, getragen vom begeisterungsfähigen Publikum. Einer, der vergangene Saison noch in Lebedews Team stand und nun sein Geld in Belchatow verdient, scheint jedenfalls sehr optimistisch zu sein. Als die Halbfinal-Duelle feststanden, schickte Srecko Lisinac eine SMS an seinen ehemaligen Chef Niroomand. Inhalt: „Wir sehen uns im Finale, Boss!“