Duell

Das Überraschungsteam überraschen

Mit einem neuen System will Union Darmstadts Höhenflug stoppen

Die Rückfahrt mit dem Fan-Sonderzug werden sie sich schenken. „Unsere Spielerdecke ist ja schon sehr dünn, deshalb raten wir unseren Spielern angesichts der immer noch grassierenden Grippewelle, größere Menschenmengen zu meiden“, sagte Norbert Düwel. Der Trainer des 1. FC Union will seinen Kader nach dem Zweitliga-Spiel am Freitag bei Darmstadt 98 (18.30 Uhr, Sky) nicht noch mehr ausgedünnt wissen.

Schon vor dem Duell mit dem Tabellenzweiten gibt es wenig Spielraum. Sören Brandy, Benjamin Köhler, Maximilian Thiel, Mario Eggimann und Oliver Oschkenat fehlen verletzt oder erkrankt länger, Kapitän Damir Kreilach ist Gelb-gesperrt, und dann stehen auch noch hinter den Einsätzen von Steven Skrzybski (Sprunggelenk) und Björn Kopplin (Oberschenkel) Fragezeichen. Düwel spricht von einer „gut organisierten Aufstellung“, die er am Böllenfalltor ins Rennen schicken will. Und kündigte einen Systemwechsel an.

So wird Michael Parensen im defensiven Mittelfeld wohl einen zweiten Mann neben sich bekommen, Björn Jopek und Eroll Zejnullahu sind die aussichtsreichsten Kandidaten dafür. Es gilt in erster Linie, wie schon zuletzt gegen Kaiserslautern (0:0) ohne Gegentor zu bleiben.

Das wird angesichts der bisherigen Defensivschwächen bei den Köpenickern kein leichtes Unterfangen. Zumal mit Darmstadt nicht irgendein Gegner wartet. Völlig überraschend sind es die Lilien, die als Aufsteiger vom Durchmarsch in die Bundesliga träumen dürfen, und nicht das hochgelobte RB Leipzig. Dass die Darmstädter erst zweimal verloren haben – zuletzt am 5. Oktober 2014 gegen Fortuna Düsseldorf (1:4) – und mit nur 17 Gegentreffern die beste Abwehr der Liga stellen, sieht Düwel in der Relegation im vergangenen Sommer gegen Arminia Bielefeld begründet. Dort wurde erst im letzten Moment der nicht mehr für möglich gehaltene Sprung in die Zweite Liga geschafft.

„Das setzt unglaubliche Kräfte frei, die man mit Geld nicht aufwiegen kann. In Darmstadt ist eine sehr eingeschworene Gemeinschaft entstanden“, sagte der Union-Coach. 98-Trainer Dirk Schuster beschrieb den Aufschwung in Darmstadt unlängst als „Trotzreaktion auf die schlechten Bedingungen“. Tatsächlich genügen Stadion und Trainingsplätze nur mit viel Wohlwollen Zweitliga-Ansprüchen. Dass dennoch die Lizenz für die Bundesliga beantragt wird, liegt am unerwarteten Erfolg, der „den Verein überrannt hat“, so Schuster. Geht es nach Union, bekommt dieser Erfolg am Freitag einen Dämpfer.