Artistik

Pokal oder Spital

Spanier Maikel Melero gewinnt vor 17.000 Zuschauern in Berlin den Weltmeisterschafts-Auftakt im Freestyle-Motocross

Es gibt ja immer zwei Seiten einer Medaille. Das gilt auch für die Night of the Jumps. Flapsig ausgedrückt lautet das Motto: Pokal oder Spital. Ein wenig differenzierter ausgedrückt geht es um schiere Artistik auf dem Motorrad. Maikel Melero, am Freitag und Sonnabend in der O2 World der überragende Fahrer vor gut 17.000 Zuschauern, neigt der zweiten Betrachtungsweise zu. „Klar vermitteln wir den Fans auch ein lockeres, cooles Lebensgefühl. Aber es ist jeden Tag eine ziemlich harte Arbeit, die auf uns wartet“, sagte der 27 Jahre alte Spanier nach der atemberaubenden Show. Mit seinen zwei Tagessiegen in Berlin übernahm der amtierende Weltmeister auch gleich die Tabellenspitze im Freestyle-Motocross-Titelkampf 2015 vor David Rinaldo. Für den Franzosen hat sich in den letzten Jahren vieles verändert: „Das Tempo, mit dem die Jungs sich immer neue Tricks ausdenken, wird immer schneller. Und sie werden immer jünger.“

Rinaldo, selbst auch erst 25, spielte damit auf den 17 Jahre alten Deutschen Luc Ackermann und den nur ein Jahr älteren Tschechen Filip Podmol an. Ackermann, der es bei seinem ersten WM-Einsatz sogar einmal ins Finale der besten Sechs schaffte – sein ebenfalls für die Titelkämpfe qualifizierter älterer Bruder Hannes musste wegen einer Grippe zuschauen – wechselt ebenfalls problemlos aus der Rolle des Showman in die des Profisportlers. „Der Vorteil für uns ist sicher, dass wir das, was wir am liebsten machen, auch als Job machen können. Da fällt es leichter sich zu motivieren“, so der WM-Debütant. Und das Risiko einer Verletzung bei den extremen Schwierigkeitsgraden der Sprünge?

„Wir sind nicht leichtsinnig, auch wenn es manchmal so aussieht. Keiner kann eine Verletzung gebrauchen, aber ein Risiko besteht schon. Das muss jeder für sich entscheiden.“ Noch kann er nicht vom Sport leben, aber es ist sein Ziel. Die Aussichten scheinen gut. Im Synchronwettbewerb – vergleichbar mit dem Wasserspringen – war Luc Ackermann an der Seite des Berliners Kai Haase , 23, nicht einmal von den Spaniern Maikel Melero und Julian Miralles zu bezwingen. Apropos Risiko: Haase, ausgebildeter Motorrad-Mechaniker, bestritt den ersten Wettbewerb nach einem Kreuzbandriss im linken Knie.

Seiner absoluten Favoritenrolle im Hochsprung-Contest wurde der Italiener Massimo Bianconcini gerecht. Der Night-of-the-Jumps-Opa („Ich bin 35!“) war mit jeweils übersprungenen 9,50 Metern an beiden Abenden der Star. Auch im Öffnen des Siegerchampagners war der Mann aus Bologna eine Klasse für sich. Zum Leidwesen der Grid-Girls.

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