Duell

Die Bullen kommen Union gerade recht

Köpenicker wollen gegen strauchelnden Werksklub RB Leipzig ein Zeichen setzen

RB Leipzig gegen den 1. FC Union – ein Spiel wie jedes andere? Sicherlich nicht bei dieser äußerst unterschiedlichen Historie beider Vereine, bei diesem besonderen ersten Duell beider Zweitligisten in der Hinrunde und bei dieser Ausgangslage vor dem zweiten Aufeinandertreffen am Sonntag (13.30 Uhr, Sky). „RB ist ja aus bestimmten Gesichtspunkten zusammengestellt worden“, sagte Union-Trainer Norbert Düwel mit Blick auf den geplanten Durchmarsch der Leipziger in die Bundesliga. Doch die Köpenicker werden „darauf vorbereitet sein“, wohl wissend, wie wenig die Leipziger bislang in der Rückrunde angeboten haben.

Das war, bei allem Respekt, eher Hausmannskost statt hochklassiger, temporeicher und erfolgreicher Fußball. Nur drei Punkte aus fünf Spielen sind wahrlich nicht der Anspruch des von einem österreichischen Brausehersteller alimentierten Klub. Wie tief der Stachel sitzt, ließ Ralf Rangnick durchblicken. Der RB-Sportdirektor hat den Aufstieg gerade abgehakt, bereits zwölf Spieltage vor Saisonschluss.

Acht Punkte Rückstand zu den Aufstiegsplätzen sind so gar nicht nach dem Geschmack Rangnicks, der sich gern als Perfektionist bezeichnet. Auch weil die hochkarätigen Wintereinkäufe Omer Damari (kam für sieben Millionen Euro von Austria Wien) und Emil Forsberg (für 3,7 Millionen Euro von Malmö FF verpflichtet) hinter den Erwartungen zurückblieben. Das sind 10,7 Millionen Euro, die bislang nicht den gewünschten Ertrag gebracht haben. Zum Vergleich: Nur die Bundesligisten VfL Wolfsburg (35 Millionen Euro) und Borussia Dortmund (zwölf Millionen Euro) haben in der Winterpause mehr Geld ausgegeben.

Zu allem Überfluss sind am Sonntag auch noch Torjäger Yussuf Poulsen (acht Treffer) gesperrt und Mittelfeldspieler Rani Khedira am Knöchel verletzt. Bei RB Leipzig scheint die Luft raus zu sein.

Das ist die Chance für Union, seine Auswärtsmisere zu beenden. Zumal Goalgetter Sebastian Polter (acht Tore) bei Union nach abgesessener Gelbsperre wieder zurückkehrt. „Er kann auch in diesem Spiel ein wichtiger Faktor für uns sein“, sagte Düwel. Polter ist jemand, der den Unterschied ausmachen kann, gerade in so einer brisanten Partie wie am Sonntag. Es wäre geradezu fahrlässig, sollte der Union-Coach auf den Stürmer in der Startelf verzichten.

Denn es waren die Leipziger, gegen die Polter seine ersten beiden Tore für Union schoss. Das 2:1 im September 2014 war der erste Sieg in dieser Saison. Und das erste Mal, dass die Düwel-Schützlinge zumindest in Ansätzen zeigt, wohin die Reise der Köpenicker in Zukunft gehen soll. Der Gegner hat da „schon eine Rolle gespielt. Wir haben damals ein großes Zeichen an die Liga setzen können. Nämlich nicht vor der vermeintlichen Übermacht zu kapitulieren“, erinnert sich Düwel nur zu gern an das erste Duell. Daran soll am Sonntag nun angeknüpft werden.