Streit

Alba ärgert sich über die Bundesliga

Nach der Sperre gegen Obradovic und Renfroe: „Weit über das Ziel hinausgeschossen“

Marco Baldi war auch am Tag danach noch sehr verärgert. Kein Verständnis hatte der Geschäftsführer von Alba Berlin für die Bestrafung von Trainer Sasa Obradovic und Spieler Alex Renfroe durch die Basketball-Bundesliga (BBL). Die beiden hatten sich beim Spiel zwischen Alba und Oldenburg am 15. Februar in einer Auszeit eine kurze handgreifliche Auseinandersetzung geliefert. Obradovic stieß den Spieler an den Arm, der schubste seinen Coach. Nun sind beide von der BBL-Spielleitung für eine Partie gesperrt worden und müssen je 2000 Euro zahlen.

Freitagabend in der Europaliga gegen den FC Barcelona waren Obradovic und Renfroe noch dabei. Alba verlor erst nach bravourösem Kampf nach Verlängerung 82:92 (32:40, 77:77) und machte dabei einen 17-Punkte-Rückstand wett. Renfroe war mit 20 Punkten, sechs Rebounds und sieben Assists bester Mann in der Halle. Sonntag in der Bundesliga bei den Löwen Braunschweig fehlt er den ohnehin dezimierten Berlinern, die bereits in Barcelona auf die verletzten Clifford Hammonds und Jamel McLean verzichten müssen. Assistenztrainer Milenko Bogicevic vertritt Obradovic, für Renfroe wird vermutlich der 19-jährige Ismet Akpinar auflaufen.

Alba ist damit erheblich geschwächt. „Dieses Urteil ist ein massiver Eingriff in den Wettbewerb“, schimpft Baldi deshalb. Alba kämpft um seine Position unter den ersten Drei der Tabelle, Braunschweig um einen Play-off-Rang. Aber vor allem stört den Manager etwas anderes. „Die BBL macht hier eine komplett neue Tür auf. Wo fängt Emotion an, wo hört sie auf? Das ist ein Terrain, wo man sehr schnell den Überblick verlieren kann. Mit dem Urteil ist man weit über das Ziel hinausgeschossen.“

Konkret geht es um Paragraf 21.4 der BBL-Spielordnung. Inhalt sind „Verstöße gegen die Sportdisziplin“, die auch nachträglich geahndet werden können, wenn sie von den Schiedsrichtern übersehen wurden. Der Disput war im TV zu sehen. BBL-Geschäftsführer Jan Pommer hatte persönlich das Verfahren beantragt. „Die können sich anschreien, wie sie wollen“, begründet er dies, „Emotionen sollen sichtbar sein. Aber körperliche Angriffe müssen unterbleiben.“ Er wollte ein Zeichen setzen.

Die Aktion Obradovics diskreditiert den Trainer selbst, aber war das ein „körperlicher Angriff“? Und wieso muss Renfroe dafür, dass er sich nicht alles von seinem Chef gefallen lässt, bestraft werden? Pommer, das lässt er durchblicken, ging es wegen der rund 250.000 Klicks eines Videos bei Youtube von der Szene auch darum, das Image der Basketball-Bundesliga zu schützen. „Der Vorfall“, argumentiert er, „hatte enorme Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit.“

Zuletzt hatte die Liga in der Meisterschafts-Finalserie zwischen Alba und Bayern München derlei Aufmerksamkeit. Da hatte Pommer nach Vorwürfen aus München, die Liga sei korrupt, gewettert: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dafür keine Strafe gibt.“ Danach jedoch, sagt er heute, habe er in einem Gespräch festgestellt, „dass Bayern das ernsthaft bedauert hat“. Einsichtige Aussagen lagen jetzt auch von Alba, Obradovic und Renfroe vor. Nur blieb ihnen eine Bestrafung deshalb nicht erspart.