Kommentar

Schöne Bescherung

Raik Hannemann über eine Fußball-WM im Winter

Schon Konfuzius sagte: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“ Anders kann man nun auch das Treiben des Fußball-Weltverbandes Fifa unter seinem Präsidenten Joseph Blatter nicht beschreiben. Die Vergabe der Weltmeisterschafts-Endrunde 2022 nach Katar im Dezember 2010 war schon nicht nachzuvollziehen gewesen, und die Korruptionsvorwürfe in diesem Zusammenhang sind ja bis heute längst nicht abschließend aufgearbeitet und oder gar sanktioniert worden. Dass man nun also auch noch einen neuen und nicht weniger streitbaren WM-Termin finden musste, der nur zu weiteren Verwerfungen wie Schadenersatzforderungen von Beteiligten führt, darf da keinen überraschen.

Einem Firmenboss würden die Aktionäre das Vertauen entziehen, wenn er mit seinen Entscheidungen den Erfolg auf dem Kernmarkt gefährdet. Nichts anderes ist die Verlegung der WM in den Winter Europas, wo immer noch 75 Prozent der Umsätze generiert werden. Nun kann ein Sportdachverband sicher auch die weltweite Verbreitung seines Produkts bei seinen Entscheidungen im Fokus haben, aber im Fall Katars sind die Begleiterscheinungen einfach zu wenig glaubhaft für diesen Ansatz.

Dass das Land der Sommermärchen beim Public Freezing im Schneegestöber ähnliche Begeisterung erfasst wie bisher, scheint heute jedenfalls nicht vorstellbar. Denn Emotionen leben auch immer von ihrem Umfeld – und warum sonst wird Extrovertiertheit eher bei Südländern verortet? Mit Pudelmütze und kalten Füßen wird es in Berlin jedenfalls kaum so einen Massenauflauf geben wie bei der Ankunft der Helden aus Brasilien nach dem jüngsten Titelgewinn.

Doch das ist Blatter egal, seine alleinigen Währungen sind bekanntlich Geld und Macht. Und vor allem um letztere geht es gerade ganz besonders. Im Mai stehen nämlich Wahlen bei der Fifa an, und der 78-jährige Schweizer tut alles, um weiterhin und trotz aller berechtigten Zweifel im Chefsessel bleiben zu können. Ernsthafte Gegenkandidaten gibt es mit dem Niederländer Michael van Praag und Portugals früherem Weltfußballer Luis Figo ja nur aus Europa, doch die haben bis heute nicht genügend Aktionäre hinter sich zu scharen vermocht, um Blatter gefährden zu können. Eher ist dort nun sogar noch mit internen Zerwürfnissen zu rechnen, nachdem Premier-League-Chef Richard Scudamore sich beklagte, er fühle sich mit der Terminwahl „im Stich gelassen“ von Europas Dachverband Uefa, dessen Vertreter in der Fifa-Task-Force dem neuen WM-Termin offenbar zugestimmt haben. So gibt es mit der Advents-WM vor allem für einen eine schöne Bescherung: Blatter selbst. Dass er dem US-Sender Fox die TV-Rechte dafür gerade ohne öffentliche Ausschreibung zuschanzte – geschenkt.