Kriminalität

Mafia-Expertin Paoli kämpft um Aufklärung in Doping-Skandal

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Die 60 Aktenordner, um die sich am Dienstag alles dreht, sind möglicherweise der Schlüssel zur Aufklärung der dunkelsten Kapitel westdeutscher Dopinggeschichte.

Letizia Paoli ist sich jedenfalls sicher, dass sie Material von „dopinghistorisch einzigartiger Bedeutung“ enthalten. Am Dienstag kämpft die Kriminologie-Professorin und Mafia-Expertin in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende der Evaluierungskommission, die Licht ins Dunkel der Dopingvergangenheit der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität bringen soll, um die Freigabe zur Untersuchung der Ordner. Ihre Auftraggeber von der Uni wollen dies offenbar mit aller Macht verhindern.

Paoli jedenfalls hat vor ihrem Treffen mit der Uni-Leitung und der baden-württembergischen Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Bündnis 90/Die Grünen) in Stuttgart alle diplomatische Zurückhaltung aufgegeben. „Leider mussten wir in der Vergangenheit den Eindruck gewinnen, dass die Universität nicht an einer umfassenden Aufklärung interessiert ist“, sagte Paoli. Ihre Forderung, die Posten von drei ausgeschiedenen Kommissionsmitgliedern mit den Doping-Experten Perikles Simon (Mainz), Fritz Sörgel (Nürnberg) und Hans Hoppeler (Bern) neu zu besetzen, um die Arbeit fertigstellen zu können, lehnen die Uni-Bosse ab. Sie wollen ihre eigene, nicht unabhängige Kommission einsetzen. Es brodelt vor dem Treffen.

2009 deckte eine andere Freiburger Kommission das systematische Doping im Team Telekom auf, organisiert von den Uni-Ärzten Lothar Heinrich und Andreas Schmid. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, was noch alles ans Licht gelangen könnte. Und wer ein Interesse daran haben könnte, genau dies zu verhindern.

Schlüsselfiguren der Freiburger Geschichte sind Joseph Keul und Armin Klümper, jene Mediziner, die vom Breisgau aus als Verbands- und Olympiaärzte jahrzehntelang gewaltigen Einfluss auf den deutschen Sport ausübten. Ihre Verstrickung in zahlreiche Dopingfälle ist längst verbrieft. Tiefere Recherchen gestalten sich für Paoli und Co. aber schwierig. Dennoch schwappte schon viel Schmutz an die Oberfläche. Spitzen-Diskuswerfer Alwin Wagner, selbst geständiger Dopingsünder, belastete im vergangenen Jahrtausend, aber auch noch kürzlich die Freiburger Top-Mediziner schwer. „Ich habe acht Jahre lang Dopingmittel bekommen, verschrieben von Armin Klümper. Häufig sogar auf Blanko-Rezepten“, sagte Wagner dem SWR. Weder Klümper noch Keul hätten ihn vor den gesundheitlichen Risiken gewarnt.