1. FC Union Berlin

Drei auf einen Streich

Dank der effektiven Vorarbeit von Verteidiger Fabian Schönheim gewinnt Union die Partie gegen Heidenheim

Das ließ sich Sebastian Polter nicht nehmen. Nach Schlusspfiff herzte der Gelb-gesperrte Angreifer des 1. FC Union jeden seiner Mitspieler auf dem Platz, später führte er sogar die Interviews für das klubeigene Fernsehen. Zum Beispiel mit Sturmpartner Sören Brandy. Und der ließ nach der Partie gegen den 1. FC Heidenheim wissen: „Unsere Taktik ist zu hundert Prozent aufgegangen.“ Union gewinnt mit 3:1 (2:1) und verhindert damit die dritte Niederlage gegen die Westfalen in dieser Saison.

„Am Ende war der Sieg vielleicht ein bisschen zu hoch, aber er war nicht unverdient“, bilanzierte Trainer Norbert Düwel. Weil sein Team in einer ansehnlichen Zweitliga-Partie eine „außerordentliche Leidenschaft“ gezeigt hat, so der Coach. Mit Toren zum richtigen Zeitpunkt. Es waren gut 90 Minuten, in denen der Berliner Fußball-Zweitligist mit gleich einigen Klischees aufräumte, die in den vergangenen Wochen und Monaten so eisern gepflegt worden sind. Zum Beispiel, dass es ohne Torjäger Polter nicht geht. „Das ist ein positiver Aspekt, dass dann andere Spieler in die Bresche springen. Dass es gleich drei sind, um so besser“, erklärte Düwel.

Damir Kreilach, Brandy und Christopher Quiring heißt das Trio, das Union auf Rang neun schoss. Kapitän Kreilach vollendete eine Flanke von Fabian Schönheim von der linken Seite aus sieben Metern volley ins Netz (7.). Brandy (28.) und auch Quiring (56.) waren ebenfalls nach Vorarbeit von Schönheim zur Stelle. Wobei der Treffer von Brandy ohne Zweifel als Blaupause für den Spielstil stehen kann, den Düwel bei Union seit Sommer eingeführt hat. Und der – zumindest in den Heimspielen – immer besser zu sehen ist.

Nach einem Ballgewinn in der eigenen Hälfte machte sich Schönheim mit raumgreifendem Schritt auf den Weg in Richtung Heidenheimer Tor. Es folgten ein herrlicher Doppelpass mit Kreilach, der den Ball Schönheim vom Mittelkreis aus wieder mustergültig in den Lauf spielte, und ein Pass des Abwehrmannes ohne großes Zögern in die Mitte, wo sich Brandy im richtigen Moment von seinem Gegenspieler gelöst hatte. Mit der Innenseite wurde Gäste-Torwart Rouven Sattelmaier verladen. Auch Quirings Tor ging ein Doppelpass zwischen Schönheim und Brandy voraus. Fußball, einfach wie effektiv, der mehr Zuschauer verdient hatte als jene 16.512, die am Sonntag in die Alte Försterei gekommen waren. Drei Vorlagen in einem Spiel, da brauchte Schönheim nicht lange zu überlegen, „sind mir noch nie gelungen“.

Nicht zuletzt ihm war es zu verdanken, dass Union mit Klischee Nummer zwei aufräumen konnte: Tore werden vornehmlich in der zweiten Halbzeit erzielt. Gegen Heidenheim schraubte Union seine Ausbeute vor der Pause auf sieben von 28 Treffern. Zwei eigene Tore vor der Pause hatte es zuvor nur im November 2014 in Ingolstadt (3:3) gegeben.

Die Tore entsprangen der Systemänderung, die Düwel durch den Polter-Ausfall vornahm. Mit einem 4-1-4-1 ließ der Coach agieren, brachte dabei Brandy als einzige Spitze und Skrzybski, dessen lädierter Knöchel erst fitgespritzt werden musste, sowie Björn Jopek, Kreilach und Quiring im Mittelfeld. Michael Parensen war alleiniger Sechser. „Dadurch haben wir Heidenheim nicht viel Raum gegeben“, sagte Brandy. Die Taktik kam auch Kreilach zugute. Der Kapitän war stets präsent, als Vorkämpfer im Mittelfeld und Passgeber. Kritiker, die ihm fehlende Führungsqualitäten bescheinigen (Klischee Nummer drei), wurden am Sonntag eines besseren belehrt.

Bleibt der Wermutstropfen: Der erneut frühe Rückstand durch Marc Schnatterer (5.). „Ein Schock“, wie Düwel zugab, „denn eigentlich wollten wir die Mannschaft sein, die mal in Führung geht.“ Dass Schönheim den Weg auch zu diesem Treffer durch einen Ballverlust ebnete, bleibt dank seiner dreifachen Wiedergutmachung nicht mehr als eine Randnotiz.