Gruppenphase

Füchse haben leichte Beute

Zweiter Sieg im zweiten Spiel: Handballer überzeugen im EHF-Pokal gegen Novi Sad

Den Schlusspunkt setzte Evgeni Pevnov. Mit einem Heber überwand der Kreisläufer Sekunden vor der Schlusssirene den serbischen Torhüter und erzielte den 37:22 (18:11)-Endstand für die Füchse Berlin gegen HC Vojvodina Novi Sad. Zwei Spiele, zwei Siege, der Start in die Gruppenphase im EHF-Cup ist den Berliner Handballern optimal gelungen.

„Es war schön, endlich mal 60 Minuten lang hohe Qualität zu zeigen“, sagte Rückraumspieler Pavel Horak, mit acht Treffern bester Werfer. Es habe vielleicht von außen leicht ausgesehen, meinte Paul Drux. „Aber es war ein hartes Stück Arbeit.“ Allerdings stellte sich Novi Sad als schwaches Team vor. „Wir haben schrecklich gespielt“, gab Danimir Curkovic ehrlich zu.

Probleme hatten die Füchse nur in den ersten vier Minuten. Erst vergab Jesper Nielsen freistehend, danach verschoss Fredrik Petersen einen Siebenmeter, anschließend gingen die Serben 1:0 in Führung. Doch danach waren die Berliner haushoch überlegen. Den Grundstein legten sie mit einer konzentrierten Abwehrarbeit. Die Gäste ließen zwar den Ball vor der Berliner Deckung zirkulieren, aber es gab für sie selten ein Durchkommen. Entweder standen die Berliner im Weg, wenn aber mal Schüsse in Richtung Tor kamen, war es immer wieder Petr Stochl, der gute Paraden zeigte.

In der Offensive waren die Füchse meistens einen Schritt schneller als die Serben, die völlig überfordert waren. Vor allem Horak, dem innerhalb von vier Minuten drei Treffer hintereinander zum 5:1 (8. Minute) gelangen, war nicht zu stoppen. Tor um Tor setzten sich die Berliner ab. Der höchste Vorsprung vor der Pause betrug acht Treffer (15:7, 18:10). Die Frage nach dem Sieger war zur Halbzeit beantwortet.

Die Konzentration bei den Füchsen (jetzt mit Silvio Heinevetter im Kasten) ließ kaum nach, für die Berliner Fans unter den 6453 Zuschauern in der Schmeling-Halle war es ein unterhaltsamer Spätnachmittag. Nachwuchsmann Tom Skroblien gelang erstmals eine zweistellige Führung (21:11/35.). Stammkräfte wie Mattias Zachrisson und Bartlomiej Jaszka mussten während der kompletten Partie gar nicht eingreifen und wurden für schwierigere Aufgaben geschont.

Geschäftsführer Bob Hanning hatte den richtigen Riecher gehabt: Er war mit der A-Jugend zum Spiel bei der SG Flensburg-Handewitt gereist, die allerdings 28:30 verlor. In Berlin ging es auch ohne ihn.

Nach WM-Pause im Aufwind

Überrascht haben ihn die guten Nachrichten nicht unbedingt. Denn er hat bei den Spielern allein durch die Tatsache, dass das Final Four des europäischen Cups erneut in der Schmeling-Halle (16./17. Mai) stattfinden wird, eine zusätzliche Motivation ausgemacht. „Es lohnt sich, für eine Teilnahme an diesem Highlight alles in die Waagschale zu werfen“, meinte er.

Überhaupt können die Füchse mit der Erfolgsserie mit vier Siegen in vier Spielen nach der WM-Pause sehr zufrieden sein. Im EHF-Cup liegt man im Plan, in der Bundesliga wurde eine Aufholjagd von Platz zehn in Richtung Rang fünf oder sechs gestartet. Nun ist Hanning aber niemand, der vorschnell zu Euphorie neigt, daher sagte er auch: „Eine positive Gesamttendenz ist da, aber ein abschließendes Urteil will ich mir noch nicht erlauben.“

Dafür fehlt es dem Spiel der Berliner noch an Stabilität, immer wieder wurde, abgesehen vom Vojvodina-Spiel, bei klaren Führungen unkonzentriert agiert. Doch zumindest hätten die Profis wohl verstanden, „dass sie den Hunger, der nach Hamburg verloren ging, wiederfinden müssen“. Soll heißen: Nach dem Pokalsieg in Hamburg im Frühjahr 2014 hat es sich mancher in seiner Komfortzone etwas bequem gemacht und nicht mehr alles gegeben.

„Die Maßnahmen und die Gespräche scheinen aufzugehen“, meinte Hanning. Den Spielern ist nach dem wenig befriedigenden Abschneiden in der Bundesliga bis zum Jahresende 2014 ordentlich ins Gewissen geredet worden. Auf dem Personalsektor wurden die Neuen für das kommende Jahr vorgestellt, offiziell wurde auch, dass Konstantin Igropulo (am Sonntag sechs Tore) und Petar Nenadic (vier) in der kommenden Saison nicht mehr in Berlin sein werden, Iker Romero (zwei) hört sowieso auf.

Unter „Maßnahme“ versteht Hanning auch die überraschende Verpflichtung von Pevnov, der vor anderthalb Jahren die Füchse in Richtung Göppingen verlassen hatte, dort aber nicht glücklich wurde. Da die Berliner eine Vakanz am Kreis hatten, kamen die beiden Parteien vor Kurzem wieder zusammen. Hanning hat festgestellt: „Es ist ein richtiger Gewinn, dass er bei uns ist.“ Gegen Vojvodina Novi Sad traf Pevnov fünf Mal.