Niederlage

Bas Dost schlägt Hertha

Beim 1:2 in Wolfsburg trifft der Stürmer doppelt. Die Berliner zeigen sich aber verbessert

Die Mannschaft sammelte sich nach dem Schlusspfiff, um sich bei den mitgereisten Hertha-Fans zu bedanken. Nur Thomas Kraft stapfte Richtung Kabine, ehe er von Torwarttrainer Richard Golz zurückbeordert wurde. Hertha BSC wird versuchen, sich an den weichen Faktoren aus diesem Spiel aufzurichten. Die blanken Fakten hingegen weisen eine Dienstreise aus, von der die Berliner mit der 13. Saisonpleite zurückkehren.

Mit 1:2 (1:1) unterlag der Hauptstadtklub beim Tabellenzweiten VfL Wolfsburg durch zwei Tore von Bas Dost (10. und 74. Minute). Julian Schieber hatte ausgeglichen (30.). Die Lage bleibt bedrohlich. Hertha rangiert auf Abstiegsplatz 17, der Relegationsplatz ist einen Zähler entfernt (Freiburg/22 Punkte), Rang 15 zwei Zähler (Paderborn/23).

Schieber köpft den Ausgleich

Die Hertha-Fans empfingen das Team nach dem Schlusspfiff mit „Wir wollen euch kämpfen sehen“-Sprechchören. Das war insofern erstaunlich, weil die Mannschaft um Kapitän Fabian Lustenberger zwar bei weitem nicht geglänzt hatte, aber vor 27.683 Zuschauern und Bundestrainer Joachim Löw zumindest eine durchgehend leidenschaftliche Leistung geboten hatte.

„Die Mannschaft hat eine gute Moral gezeigt. Laufbereitschaft und Kampfgeist waren da. Da muss ich der Mannschaft ein Kompliment machen“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai. Wolfsburg habe zwar verdient gewonnen, „aber das ist auch die Mannschaft, die aktuell den schönsten Fußball der Liga spielt“. Lustenberger ärgerte sich über die Gegentreffer: „Dost hat nur zwei Chancen im ganzen Spiel. Im Moment ist er nicht zu stoppen“, sagte der Schweizer.

Dardai hatte sein Team auf zwei Positionen umgebaut: Marvin Plattenhardt fiel erkältet aus, dafür war Marcel Ndjeng dabei. Anstelle von Ronny spielte der zuletzt Gelb-Rot-gesperrte Lustenberger. Die Ausfälle hatten taktische Verschiebungen zur Folge. Nico Schulz übernahm den Posten als linker Verteidiger, Lustenberger spielte mit Per Skjelbred auf der Doppel-Sechs.

Eine weitere Umstellung war nicht von Erfolg gekrönt: Schieber, eigentlich Stoßstürmer, musste links im Mittelfeld ran. Und gleich beim ersten ernsthaften Angriff der Hausherren ließ der 26-Jährige Vierinha ziehen. Der chippte den Ball in den Hertha-Strafraum, wo André Schürrle auf Dost verlängerte, und der VfL-Torjäger nutzte die Chance: 0:1 (10.). Dost baute später seine Serie auf nun elf Treffer aus den letzten sieben Pflichtspielen aus.

Die Berliner waren beeindruckt. Wolfsburg kontrollierte das Spiel, Hertha rannte hinter Ball und Gegner her. Dass Hertha ins Spiel zurück kam, verdankte sie Valentin Stocker. Mit einer Energieleistung eroberte der Schweizer Nationalspieler den Ball von VfL-Verteidiger Sebastian Jung, schlug eine scharfe Flanke fast von der Grundlinie vors Tor. Schieber, der mittlerweile wieder seine etatmäßige Position im Sturmzentrum bezogen hatte, vollbrachte das Kunststück eines Flugkopfballs 50 Zentimeter über dem Rasen, der Ausgleich (30.). Es war Schiebers siebtes Saisontor.

Hertha gelang es nun, die Räume enger zu halten und verwickelte den VfL in viele, viele Zweikämpfe. Das war zwar nicht schön anzuschauen, verhinderte jedoch, dass Wolfsburg sein gefürchtetes Tempospiel aufziehen konnte. Im zweiten Durchgang ging Herthas Zermürbungstaktik zunächst weiter auf. Die Niedersachsen hatten zwar klar mehr Ballanteile (am Ende 67 Prozent). Doch mehr als eine Art Breitwand-Fußball sprang nicht heraus. Mit Blick auf die englischen Wochen, die der VfL derzeit spielt, war es das Ziel der Berliner, den Stars die Lust zu nehmen. Und in der Tat war wenig zu sehen von Kevin De Bruyne und Schürrle. Dafür konnten sich die Wolfsburger auf Dost verlassen: Als Luiz Gustavo aus 35 Metern abzog, lag Torwart Kraft waagerecht in der Luft. Der Schuss sprang vom Pfosten ins Feld, Dost genau vor die Füße. Und der nutzte das: 1:2 (74.).

Der Einsatz stimmt immerhin

Das Stadion feierte den Torschützen, während Kraft seine Mitspieler antrieb: Weitermachen, Gas geben. Dardai hatte von seiner Mannschaft Charakter gefordert. Und die Blau-Weißen ließen sich nicht hängen. Aber vor dem Tor waren sie wieder zu ungefährlich – nur eine echte Gelegenheit sprang in 90 Minuten heraus. Und so blieb es beim 1:2.

„Die Gegentore kommen wie vom lieben Gott. Irgendwie wollte der nicht, dass wir hier was mitnehmen“, sagte Dardai. Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking fand: „Unser Spiel war nicht so gut wie unsere letzten Spiele. Das hat auch mit Hertha zu tun, die sehr unbequem waren.“ Herthas nächster Gegner am Sonnabend ist Augsburg im Olympiastadion. Nicht dabei sein wird Stocker. Er fehlt nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. „Ich hoffe, dass die Woche schnell vorüber ist, damit wir das geradebiegen können“, sagte Schieber. Dardai dagegen wurde viel deutlicher. „Jetzt haben wir die Pflicht, zu Hause zu gewinnen.“