Radsport

Wenn Konkurrenten an einem Strang ziehen

Die Berliner Levy und Förstemann stellen bei der Bahnrad-WM eigene Interessen zurück

Robert Förstemann drehte sich einmal um sich selbst. Auf der 250-m-Bahn im Velodrom ging gerade Maximilian Levy auf Zeitenjagd. 12,441 Sekunden ist die bislang beste Zeit, die jemals ein Bahnradprofi auf dem Berliner Lattenoval für eine Runde benötigte. Sie hat Bestand, denn beim 104. Berliner Sechstagerennen war Levy unter den sechs Sprintern zwar das Maß der Dinge, verpasste eine neue Bestmarke Ende Januar aber knapp. Rekordhalter Förstemann atmete als unfreiwilliger Zuschauer, gehandicapt durch einen Bandscheibenvorfall, erleichtert auf. Er hatte wegen der bevorstehenden Bahnrad-WM in der Nähe von Paris auf das Sechstagerennen verzichtet.

Levy, gebürtiger Berliner, und Förstemann, Wahl-Berliner, sind Konkurrenten, die aber auch an einem Strang ziehen können. Für die Männer steht bei der WM gleich am Mittwoch der Teamsprint an. Bei Olympia 2012 in London gewannen der Erfurter Rene Enders, 27, Förstemann und Levy die Bronzemedaille. Eine Erfolg versprechende Aufstellung auch für die Titelkämpfe in Saint-Quentin-en-Yvelines. Der Teamsprint ist eine Art deutsche Medaillenbank. „Wir sind keine Freunde, aber wir wissen, wann wir miteinander arbeiten müssen, um Erfolg zu haben. Und der überdeckt alles“, sieht Förstemann, 28, die Dinge pragmatisch. Auch deswegen, weil nicht nur seine lädierte Bandscheibe die Vorbereitung auf die Titelkämpfe empfindlich gestört hatte.

Maximilian Levy, 27, warfen ein kompliziert gebrochenes Schlüsselbein und drei daraus resultierende Operationen lange zurück, den 23-jährigen Stefan Bötticher (Chemnitz) quälten Muskelschmerzen. Im Trainingslager in Frankfurt/Oder gaben die drei Top-Sprinter Bundestrainer Detlef Uibel aber zu verstehen, dass sie sich fit fühlen. Was den 55-Jährigen so zufrieden stimmte, dass er seinen Schützlingen attestiert: „So wie wir uns jetzt im Training präsentiert haben, haben sie realistische Chancen auf eine Medaille.“ Möglicherweise muss sich Levy aber in den Dienst der Mannschaft stellen, indem er nicht im Teamsprint, sondern im Keirin-Wettbewerb, wo die Medaillen ein wenig höher hängen, seine WM-Chance erhält. Dann könnte die Teamsprint-Aufstellung heißen: Enders, Förstemann und Joachim Eilers (Köln, 24). Alles geschieht mit Blick auf Olympia 2016 in Brasilien. Uibel: „Nichts von dem, was in Paris abläuft ist endgültig. Der Konkurrenzkampf bleibt hoch, alle wissen um ihre reale Chance.“ Und, als sollte es nötig sein, fügt er hinzu: „Wir bauen bei Levy aber keinen Druck auf.“

Fortschritte beim Bahn-Vierer

Sieben WM-Podestplätze, darunter vier Mal Gold – geholt von Kristina Vogel (Teamsprint, Sprint, Keirin) und Miriam Welte (Teamsprint, 500-m-Zeitfahren) – aus dem Jahr 2014 sind Ansporn und Hypothek zugleich. Verhaltener Optimismus herrscht mit Blick auf die Mannschafts-Verfolgung. Nach langer Durststrecke sorgte der Bahn-Vierer (mit den Berlinern Henning Bommel und Theo Reinhardt) zuletzt für gute Resultate. Nur Australien und Großbritannien scheinen noch unerreichbar.