Justiz

Lance Armstrong kommt Doping immer teurer zu stehen

Auf Lance Armstrong rollt eine Prozesslawine zu, der nahezu das gesamte Vermögen des gefallenen Radsport-Stars zum Opfer fallen könnte.

Ein dreiköpfiges Schiedsgericht in Dallas hat den 43-Jährigen und die frühere Teambetreiberfirma Tailwind Sports mit 2:1 Stimmen gerade zu einer Rückzahlung von Prämien der Versicherungsgesellschaft SCA in Höhe von zehn Millionen Dollar (8,824 Millionen Euro) verurteilt. Armstrong hatte im Jahr 2006 von SCA 7,5 Millionen Dollar für seine (inzwischen aberkannten) sieben Siege bei der Tour de France zwischen 1999 und 2005 erhalten. 2013 hatte er nach langem Leugnen umfassendes Doping gestanden, alle Gelben Trikots verloren und wurde lebenslang für jeglichen Wettkampf gesperrt.

Dem geächteten Dopingsünder droht in diesem Jahr aber noch ein weit größerer finanzieller Aderlass. Im Megaprozess der US-Regierung gegen ihn geht es um zehnmal so viel. In einer Klage hatte sich sein ehemaliger Teamkollege Floyd Landis 2010 auf den sogenannten False Claims Act (Gesetz gegen Betrug zulasten der öffentlichen Hand) berufen. Sein Vorwurf: Armstrong und die Teamleitung seiner ehemaligen US-Postal-Mannschaft sollen die Regierung betrogen und sich der arglistigen Täuschung schuldig gemacht haben. Unter Umgehung der Antidopingrichtlinien hätte Armstrong, der im US-Postal-Trikot sechs der sieben Toursiege herausgefahren hatte, zu Unrecht 32 Millionen Dollar Steuergelder als Sponsorenleistung erhalten.

Zum Sozialfall wird der Texaner wohl aber auch nicht im ungünstigsten Fall – die Agentur Net Worth errechnete kürzlich ein Armstrong-Vermögen von 125 Millionen Dollar. Davon waren allerdings bereits nach ersten verlorenen Schadensersatzprozessen im Anschluss an seine öffentliche Dopingbeichte 2013 einige Millionen abgeschmolzen.

Kläger Landis winken 30 Prozent

Das US-Justizministerium schloss sich später der Landis-Klage an, was Armstrongs Chancen nicht gerade erhöht haben dürfte. Dessen Anwälte behaupten, US-Postal hätte über die ausgefeilten Dopingpraktiken bescheid gewusst. Ex-profi Landis, 2006 selbst des Dopings überführt, später als Toursieger abgesetzt und erst spät geständig, könnte in diesem Fall bis zu 30 Prozent der Prozess-Summe als „Whistleblower“ winken.