Kommentar

Neuer Trainer, alte Probleme

Uwe Bremer über Dardais erstes Heimspiel

Vielleicht war es ja gut, dass der SC Paderborn in Hannover mit 2:1 gewonnen hat. Somit ist die Lage der Liga auch im unteren Bereich übersichtlich: Hertha BSC steht nach zwei Spielen unter Pal Dardai exakt dort, wo die Mission Klassenerhalt vor einer Woche begonnen hatte: auf Rang 17, einem Abstiegsrang.

Es waren reichlich Erwartungen geschürt worden unter der Woche: Von Valentin Stocker, der im Gespräch mit der Morgenpost betont hatte, wie froh er sei, nun einen neuen Trainer zu haben. Von Pal Dardai selbst natürlich, der über sein Arbeitsethos gesprochen hat und darüber, dass die Qualität der Spieler viel besser sei als es die Tabelle zeige. Rund ums Olympiastadion wurde vor dem Anpfiff gegen Freiburg auch deswegen hoffnungsfroh hochgerechnet: „Ey Alter, mit ’nem 7:0 klettern wir auf Platz elf.“

Ganze 90 Minuten später gab es ernüchternde Erkenntnisse. Die bitterste: Hertha schafft es in dieser Saison partout nicht, ein Momentum zu erwischen. Es gelingt nicht, was Werder Bremen geschafft hat. Nachwuchstrainer Viktor Skribnik übernahm einen frustrierten Tabellenletzten und schaukelt auf einer Siegeswelle munter aufwärts in der Liga.

Der Zeitpunkt für einen Trainerwechsel bei Hertha war riskant. Nach nur zwei Rückrundenspielen und mitten in einer englischen Woche erhielt Jos Luhukay den Laufpass. Die Hoffnung von Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer: Dass Dardai einen Positivlauf hinlegen möge. Immerhin ging es mit Mainz und Freiburg gegen zwei Gegner, die wie Hertha mitten im Überlebenskampf stecken. Doch dem Sieg beim FSV folgte nun ein 0:2 gegen Freiburg, das als Tabellenletzter im (mäßig gefüllten) Olympiastadion angetreten war.

Offensichtlich wurde an diesem Sonntag: Der ehemalige Trainer ist zwar weg, geblieben sind die Probleme dennoch. Jung-Trainer Dardai hat sich zudem bei der Heimpremiere in der Taktik vertan. Die Balance zwischen Offensive und Defensive stimmte nicht. Warum der bekanntermaßen defensivschwache Ronny auf die Doppel-Sechs beordert wurde, erschließt sich jedenfalls nicht jedem. Und wieder einmal wusste Hertha nicht, wie bei eigenem Ballbesitz der Gegner unter Druck zu setzen ist. Zwei Chancen in 90 Minuten sind einfach zu wenig.

Ebenso nachdenklich stimmt, dass sich niemand zeigt in der Mannschaft, wenn es nicht läuft. Wo sind die Führungsspieler, an denen sich die Jungen wie John Brooks, Nico Schulz oder Marvin Plattenhardt orientieren können?

Es bleiben für Preetz und Dardai jetzt nur noch 13 Spiele, um Antworten zu finden. 39 Punkte werden noch vergeben. Die Flinte ins Korn werfen, ist keine Alternative. Und Paderborn hat nach zehn Spielen ohne Sieg in Hannover ja gezeigt, wie es gehen kann: Eine Mannschaft muss an sich glauben.