Eishockey

Wachsen auf die harte Tour

Eisbären besiegen Nürnberg im Penaltyschießen. Foy bügelt dabei Haases Fehler wieder aus

Er sah es kommen, Henry Haase wusste, warum er vor die Kabine gebeten wurde. Also war er auch vorbereitet, er holte tief Luft und dann ging es los. „Wir haben gut gekämpft und uns von einem individuellen Fehler nicht unterkriegen lassen“, sagte der Verteidiger des EHC Eisbären nach dem 3:2 (0:0, 1:0, 1:2, 0:0, 1:0) gegen die Nürnberg Ice Tigers mit fester Stimme. Der Fehler hätte fast dazu geführt, dass die Berliner die Partie verloren, zumindest kostete er einen Punkt, denn erst nach Penaltyschießen setzten sich die Eisbären durch.

Unterlaufen war dieser Patzer zwei Minuten vor Schluss dem 21-jährigen Haase. „Ein Scheißgefühl“ habe er danach gehabt, erzählte dieser. Fast 57 Minuten lang lief die Partie, wie sich die Berliner das wünschten: hinten stark, vorne kreativ. Dann kommt ein Unterzahl-Gegentor. Gut, das passiert im Eishockey. Aber 57 Sekunden später steht Haase hinter dem eigenen Tor, ganz allein auf seiner Seite. Mit der Rückhand will er an der Bande entlang auf die andere Seite zu Jim Sharrow spielen, doch der Nürnberger Yasin Ehliz geht dazwischen, bedient Steven Reinprecht – und der gleich aus (58.). „Alle kamen zu mir und haben gesagt, dass wir ein Team sind und trotzdem gewinnen. Das haben wir auch gemacht“, so Haase. Es war sehr wichtig.

Kein Vorwurf an Youngster Haase

Nürnberg rangiert unmittelbar hinter den Eisbären in der Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), beide Mannschaften wollen am besten noch direkt ins Play-off und müssen dazu Sechster werden. „Ich bin froh, dass wir von den letzten sechs Punkten fünf geholt haben“, sagte Trainer Uwe Krupp zur Bilanz des doppelten Heimspiel-Wochenendes vor zweimal 14.200 Zuschauern in der ausverkauften O2 World. Das hält die Ambitionen der Berliner am Leben.

Dem verlorenen Punkt, so fühlte es sich für manche bei den Eisbären an, wollte Krupp nicht nachtrauern. Er mochte auch niemanden verantwortlich machen. „Bei Torhütern und Verteidigern passieren solche Sachen. Damit wächst du, das gehört dazu“, sagte der Trainer, der selbst mal der beste deutsche Verteidiger war. Außerdem ist Haase noch sehr jung, da können immer mal Dinge vorkommen, die Lernprozesse auslösen.

Fürs Erste erlebte Henry Haase, wie kontrastreich ein Wochenende in der DEL sein kann. Zwar gewannen die Berliner am Freitag nach der Länderspielpause gegen die Augsburger Panther (6:4), offenbarten aber deutliche Defizite in der Defensive und auch im Taktischen. Sie hatten Glück, dass sie zwei Zwei-Tore-Rückstände aus dem ersten Drittel umbiegen konnten. Kein hoffnungsvoller Auftritt gegen den Zwölften der Tabelle.

Gegen Nürnberg nun liefen die Berliner völlig anders auf. Dabei sind die Franken eine Mannschaft, die es in sich hat. Von den zehn Spielen zuvor gewannen sie neun. Wer ihnen die eine Niederlage beigebracht hatte, wussten die Berliner aber sicher ganz genau. Sie selbst waren es vor einem Monat (3:0). Vielleicht brauchten die Eisbären ja genau so einen Gegner wie Augsburg, um wieder in den Rhythmus zu finden. Gegen Nürnberg jedenfalls zeigten sich die Berliner abgeklärt, ganz ruhig. „Wir hatten mehr Scheibenbesitz und waren besser organisiert“, sagte Krupp. Seine Mannschaft war fast immer Herr der Lage in diesem Spiel, das sie weitgehend überzeugend abspulte.

Natürlich kamen auch die Franken zu ein paar Chancen, das bleibt nie aus. Doch nur selten ließen es die Eisbären zu, dass Torhüter Petri Vehanen ernsthaft eingreifen musste. Ganz sachlich wurde in der Abwehr gearbeitet, energisch und nah am Mann. Wenn es in der Defensive gut laufe, sagte Krupp am Freitag, ergebe sich vorn alles von allein. Am Sonntag erbrachten die Berliner den Beweis für diese These. Aus ihrer sicheren Verteidigung heraus überbrückten die Eisbären viele Male schnell die Mittelzone und zogen mit viel Tempo in das Angriffsdrittel. „Dass wir nur 0:2 hinten lagen, war ein bisschen Glück“, sagte Nürnbergs Trainer Martin Jiranek. Frank Hördler (6.), Darin Olver (8./23./28.) und Barry Tallackson (8.) hatten große Chancen. Immerhin trafen Antti Miettinen (24.) und Travis Mulock in Überzahl (51.). „Bis dahin war es ein richtig gutes Eishockeyspiel von uns“, sagte Haase. Doch fast wäre der Ideenreichtum eben nutzlos gewesen. Weil Nürnberg am Ende stärker wurde, und der Fehler nach dem Überzahltor von Patrick Reimer zum Anschluss (57.) die Berliner in Verlegenheit brachte.

Psychische Probleme abgehakt

Nach der Verlängerung konnten sich sogar die Gäste etwas ärgern. Denn da wirkten sie frischer, während die Berliner sich noch von ihrem Fauxpas erholen mussten. Im Penaltyschießen war das dann gelungen. Matt Foy erzielte den entscheidenden Treffer. Der hatte zuletzt noch zwei Wochen wegen gesundheitlicher Probleme gefehlt. Psychischer Natur sollen die gewesen sein, aber genau äußerte sich niemand beim EHC dazu. Für Krupp war das unbedeutend: „Er hat ein wichtiges Tor geschossen.“ Und dafür gesorgt, dass Henry Haase sich nicht zu sehr grämen muss wegen seines Fehlers.