Niederlage

Arm dran und ohne Ideen

1. FC Union kassiert in Nürnberg seine achte Saisonpleite. Trainer Düwel ist „sehr angefressen“

Nur wenige Minuten nach Abpfiff der Partie durch Schiedsrichter Robert Kempter gab er den reuigen Sünder. „Ich könnte mir gerade selber in den Arsch treten, dass ich da die Hand gehoben habe“, nahm Sebastian Polter in gewohnter Manier kein Blatt vor den Mund. Der Stürmer des 1. FC Union wusste, bei wem er sich zu entschuldigen hatte: „Es tut mir leid für die Mannschaft, weil solche Tore spielentscheidend sein können.“ Der Treffer, den der Berliner Fußball-Zweitligist nach 54 Minuten kassierte, sollte sich im Gastspiel beim 1. FC Nürnberg in der Tat als Knackpunkt herausstellen. Es war die Szene, die Unions 1:3 (1:1)-Niederlage beim Bundesliga-Absteiger einleitete.

Zyniker werden sagen, Polters Spiel hatte vor 29.166 Zuschauern hatte Hand und Fuß. Denn es war der 23-Jährige, der die Gäste in Halbzeit eins erst wieder zurück ins Spiel brachte. Zielstrebig wie immer machte er sich auf den Weg zum Tor, flankiert von drei Nürnbergern als Begleitschutz. Sein Schuss mit links schlug im langen Eck zum 1:1 ein (17.). Es war der Moment, der Union wieder Zuversicht gab, dass es im vierten Ligaduell gegen Nürnberg endlich einmal etwas Zählbares geben würde. Weil er den frühen Rückstand durch Peniel Mlapa wettmachte. Der Stürmer hatte einen Befreiungsschlag von Christopher Trimmel im Strafraum mit seinem Fuß abgeblockt, von wo der Ball ins Tor sprang (4.).

Und dann jener Moment, jener Blackout kurz nach der Pause. „Ich hätte den Ball gehabt. Ich war in der richtigen Ecke“, ärgerte sich Union-Keeper Daniel Haas über Polters Handspiel. Tatsächlich flog der Freistoß von Niclas Füllkrug direkt auf den Torwart zu. Ein Umstand, der Polter offenbar vor einem Platzverweis wegen Verhinderung einer hundertprozentigen Torchance bewahrte und ihm nur die Gelbe Karte einbrachte.

Trainer Norbert Düwel war „sehr angefressen. Wir hatten einen guten Plan und waren gut vorbereitet. Davon haben wir leider sehr wenig auf dem Feld gezeigt. Wir sind durch einen katastrophalen Fehler in Rückstand geraten“. Das trifft sowohl auf die Tiefschlafphase vor dem 0:1 zu, das nach einem Eckball fiel, als auch auf Polters Aktion.

Nebihi ersetzt verletzten Brandy

Auf drei Positionen hatte der Coach seine Elf im Vergleich zum 2:1 vor einer Woche gegen Bochum umgestellt. Toni Leistner kehrte nach abgesessener Sperre in die Innenverteidigung zurück, Fabian Schönheim rückte dafür nach links und Björn Kopplin auf die Bank. Offensiv musste kurzfristig Sören Brandy (Oberschenkelzerrung) ersetzt werden. Bajram Nebihi kam so zu seinem Startelfdebüt, ohne groß Eindruck zu hinterlassen. Zudem ersetzte Martin Kobylanski auf der rechten Außenbahn Christopher Quiring.

Doch Union fand überhaupt nicht ins Spiel. In einer von vielen harten, aber fairen Zweikämpfen geführten Begegnung kamen die Berliner mit den aggressiveren Nürnbergern nicht zurecht. Erst Polters Ausgleich brachte Union auf jene Augenhöhe zurück, auf der Düwel beide Teams vor dem Duell gesehen hatte.

Mit dem erneuten Rückstand gingen den Berliner allerdings die ohnehin schon wenigen Ideen aus. Wirklich Gefahr konnten sie vor dem Tor von Patrick Rakovsky nicht erzeugen. Oder wie Düwel es analysierte: „Auch nach der Pause waren wir unaufmerksam. Wir müssen uns heute an der eigenen Nase packen. Diese Partie haben wir leichtfertig hergeschenkt.“

Die Nürnberger wiederum, die sich nach der erneuten Führung geschickt zurückzogen, warteten auf die Situation, um den Sieg endgültig perfekt zu machen. Es war Jakub Sylvestr vorbehalten, Unions achte Saisonniederlage zu besiegeln. Nach dem Niklas Stark im Strafraum Union-Kapitän Damir Kreilach vernascht hatte und in den Fünfmeterraum passte, ließ Roberto Puncec den Ball passieren, den hinter ihm Sylvestr problemlos einschob (87.). Eine Minute zuvor hatte der Slowake bereits das Außennetz getroffen.

„In der zweiten Hälfte war mit uns nicht mehr viel los. Wir haben zu Recht verloren. Von uns ging zu wenig Torgefahr aus“, fasste Michael Parensen, der neben Kreilach erneut im defensiven Mittelfeld spielte, die Partie zusammen. Union geht damit am Sonntag als Tabellenelfter ins Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim.