Niederlage

Alles Kopfsache

Hertha verkrampft im ersten Heimspiel des neuen Trainers Dardai und verliert gegen Freiburg

Diesmal blieb der Kreis aus. Rund lief es ja auch in der Partie zuvor nicht. Hatte Hertha BSC nach dem Sieg zum Einstand des neuen Trainers Pal Dardai gegen Mainz vor einer Woche noch auf dem Feld einen symbolischen Zirkel – Schulter an Schulter – gebildet, schlurften die Spieler am Sonntag nach dem 0:2 (0:1) gegen den SC Freiburg mit hängenden Köpfen vom Platz und mussten sich Pfiffe von den Rängen gefallen lassen. Hertha verlor die Partie verdient nach einem erschreckend schwachen Auftritt und rutschte erneut auf den vorletzten Platz.

„In Mainz haben wir mentale Stärke gezeigt. Heute haben wir dagegen mentale Schwäche gezeigt“, sagte Dardai nach der Partie, wendete aber ein: „Es kann sein, dass ich unter der Woche zu hart trainiert habe. Dann nehme ich das auf meine Kappe“, sagte der Ungar. Es war der Versuch, den noch einmal gestiegenen Druck vom Team zu nehmen, aber Gründe für jenes Argument gab es nicht: Denn Hertha verlor gegen ersatzgeschwächte Freiburger nicht aufgrund fehlender Kraft, sondern aufgrund fehlender Ideen.

Es hätte für Dardai ein schöner Tag werden sollen. Das bis Sonntag letzte Mal, das er als Beteiligter im Olympiastadion auftrat, lag fast vier Jahre zurück. Am 34. Spieltag der Saison 2010/11 verabschiedete Dardai sich von der Ostkurve und seiner Profikarriere. Damals feierte der Anhang den Rekordspieler mit einem Transparent und stehenden Ovationen. Ein Plakat gab es zwar nicht, als Dardai am Sonntag als Herthas Cheftrainer in die Arena zurückkehrte. Dafür zeigte die Stadionleinwand die schönsten Bilder aus seiner Karriere, als die Blau-Weißen dem Oben noch näher waren als dem Unten. Mit solch einem Trainer lässt sich ja prima Aufbruchstimmung verbreiten. Ein schönes Hertha-wie-früher-Gefühl, und Dardai tat alles dafür, es zu bedienen. Die Fans fanden das gut und begrüßten ihn frenetisch.

Kalou und Ronny von Beginn an

Doch Dardai wollte nicht nur als Figur an das Gestern erinnern. Der 38-Jährige hatte angekündigt, wie früher offensiver in Heimspielen aufzutreten. Aber nur bei der Wahl seiner Anfangself hielt Dardai Wort: Den gesperrten Kapitän Fabian Lustenberger ersetzte Ronny. Der Brasilianer spielte überraschend auf der für ihn ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld. „Mit Ronny wollte ich mehr Stabilität, weil er der beste Fußballer im Team ist. Leider war auch seine Fitness nicht gut“, erklärte Dardai. Für Roy Beerens begann Salomon Kalou auf der rechten Seite, der erst am Donnerstag vom Afrika-Cup heimgekehrt war. Eine derart offensive Aufstellung hatte es lange nicht mehr gegeben.

Doch durch dieses Manöver ging die Balance im Team verloren. Hertha hatte von Beginn weg zwar mehr Ballbesitz (65 Prozent nach 30 Minuten). Was die Berliner aber mit dem Spielgerät anfangen sollten, wussten sie nicht. Zur Ratlosigkeit vorn gesellte sich hinten Schläfrigkeit: Beim ersten Angriff der Freiburger ließ John Brooks Freiburgs Stürmer Karim Guedé laufen, der passte in die Strafraummitte, Marvin Plattenhardt kam zu spät, und Felix Klaus schob zum 0:1 ein (14.). Auf den Fehler von Brooks angesprochen, sagte Dardai: „Man kann sagen, dass er da zu unerfahren war. Aber wegen einem Fehler werde ich ihn nicht rund machen.“

Dardai korrigierte seine Aufstellung und baute schon nach 25 Minuten vom 4-2-3-1-System auf 4-4-2 um mit Kalou und Julian Schieber als Doppelspitze. Besser wurde es aber nicht. Zur Pause musste der schwache Nico Schulz runter, für ihn kam Beerens. Und nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff hatte Hertha die beste Gelegenheit zum Ausgleich: Schieber spielte scharf in den Fünfmeterraum, doch Kalou rutschte vorbei (46.). Es hätte ein Zeichen zur Aufholjagd sein können, stattdessen lag der Ball wenig später im Berliner Tornetz. Nach einer Ecke döste Plattenhardt, Maximilian Philipp warf sich in die Flanke und köpfte das 0:2 (52.). Ausgerechnet Philipp, der 20-Jährige hatte in der Jugend acht Jahre für Hertha und TeBe in Berlin gespielt.

Auf jenen Tiefschlag hätte Hertha gern eine Antwort gefunden, aber den Fernschuss von Valentin Stocker parierte Freiburgs Keeper Roman Bürki und wehrte auch den Nachschuss von Kalou ab (57.). Dardai nahm alsbald Ronny vom Feld und brachte mit Hajime Hosogai einen reinen Abräumer. Nach Schlussspurt sah das nicht aus, und viele der 37.617 Zuschauer im Rund pfiffen ihren Frust darüber hinaus. Die letzte Chance vergab Stocker im Fünfmeterraum (87.).

„Wenn man keine Torchancen hat, kann man auch keine Punkte holen“, analysierte Per Skjelbred trocken. „Wir haben heute vieles verkehrt gemacht. Das war viel zu wenig“, sagte Schieber. Sie waren die einzigen Spieler, die sich den Fragen stellten. „Was ich meiner Mannschaft vorwerfe, ist die schlechte Körpersprache“, sagte Dardai. „Es gab einige Dinge, die kann ich nicht akzeptieren, wir müssen am Montag ehrlich reden.“

Die schöne Aufbruchstimmung ist jedenfalls dahin. Hertha ist wieder auf dem Boden der Realität gelandet. Am Sonntag geht es beim VfL Wolfsburg weiter. Danach kommt Augsburg. Zwei Teams also, die aktuell nicht allzu schlecht aufgelegt sind.