Wandlung

Griesgram außer Dienst

Stürmer Bas Dost verbreitete lange schlechte Stimmung. Jetzt zeigt Wolfsburgs Niederländer, wie wertvoll er sein kann

Maulfaul, griesgrämig und zynisch: Der Bundesliga ist ein Profi verloren gegangen, der lange kein guter Mittelstürmer, sondern ein großes Missverständnis war. Zweieinhalb Jahre lang wusste Bas Dost die Rolle des unzufriedenen Reservisten perfekt auszufüllen. Dass der 25-Jährige sich beim VfL Wolfsburg chronisch missverstanden gefühlt hat und jetzt Tore in Serie schießt, ist keiner wundersamen Wandlung, sondern neuen Vorzeichen zu verdanken.

Wann immer Dost versucht hatte, sich gegen teaminterne Rivalen wie Srdjan Lakic, Patrick Helmes oder Ivica Olic durchzusetzen, fehlten entweder Glück, Fitness oder das Vertrauen des Trainers. In den vier Spielen der Rückrunde erzielte Dost sieben Tore, vier davon beim 5:4 in Leverkusen. Gesprächig, optimistisch und charmant: Der neue Dost löst den mäkeligen Dost in Windeseile ab.

An den letzten Trainingstagen während der Winterpause war es schon offensichtlich. Dost alberte herum, als sei er der mit Abstand zufriedenste Mann im VfL-Kader. Seit Routinier Olic an den Hamburger SV verkauft ist und Dost dauerhaft den Vorzug vor Nicklas Bendtner erhält, wirkt der Niederländer wie durch Glück gedopt. „Es hat bei ihm ein bisschen Klick gemacht“, findet VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs.

Geholt hat ihn noch Magath

Und natürlich: Für ihn war es nur eine Frage der Zeit, bis der 25-Jährige den Durchbruch schafft. Über Monate war in Wolfsburg diskutiert worden, warum Felix Magath im Sommer 2012 ausgerechnet den 1,92-Meter-Hünen vom SC Heerenveen gekauft hatte, für sieben Millionen Euro. „Das Gerede hat mich gestört. Das waren Mistdebatten“, sagt Dost über eine düstere Zeit, während der er selten bis gar nicht gelacht hat.

Das Beste an diesem Typen ist: Er bewahrt sich mitten in dem Trubel, der gerade um ihn entsteht, eine gewisse Distanz zum Geschehen. Er gibt zu, dass vieles an seiner Spielweise komisch aussieht. Der Mann mit den Plattfüßen (und entsprechenden Einlagen im Schuh) läuft nicht viel, wenn er als einzige Sturmspitze aufgeboten wird. Sein Körperhaltung signalisiert oft: Selber schuld, Jungs, wenn ich von euch den Ball nicht bekomme, kann ich kein Tor schießen. Die Botschaft ist bei Kevin de Bruyne, Andre Schürrle und Co. angekommen. Sie versorgen ihn mit scharfen Hereingaben am Fließband und können danach im Grunde gleich zum Gratulieren weiterlaufen. Dost hat sein Selbstvertrauen zurück. Er bringt sich mit einem kurzen Antritt in Position, zeigt sich am kurzen Pfosten, um dann direkt zu vollstrecken.

Die Nostalgiker in Wolfsburg erinnern sich wehmütig. In dieser wundersamen Saison 2008/2009, als ihr Verein Meister wurde, war alles einfach. Wo auch immer der Ball hingerollt war: Der Bosnier Edin Dzeko oder der Brasilianer Grafite standen schon da und beförderten ihn ins Tor. Lässt sich so etwas wiederholen? Dost sind in den vergangenen zehn Pflichtspielen neun Treffer gelungen. „Wenn ich fit bin, bin ich gut genug für den VfL Wolfsburg“, findet Dost, der für Heerenveen sogar schon einmal fünf Tore in einem Spiel erzielt hat. Wohl auch deshalb glaubt er bis heute, dass ein Spiel nicht gut sein kann, in dem er nicht mitspielt. Jede Minute auf der Ersatzbank oder macht ihn zu einem Stinkstiefel.