Vertragsverlängerung

Unions letzter Aufstiegsheld steht am Scheideweg

| Lesedauer: 4 Minuten
Michael Färber

Nie musste Verteidiger Michael Parensen mehr um einen neuen Vertrag beim Zweitligisten kämpfen. Sonntag in Nürnberg

Er zählt sicherlich zu jenen Fußballern, über die sich sagen lässt: Der ist doch schon seit Vereinsgründung dabei. Auch wenn es bei Michael Parensen nicht ganz so lange ist, sind die sechs Jahre, die der Defensivmann nun bereits für den 1. FC Union spielt, eine lange Zeit im Profigeschäft. Wie lang, das umschrieb er mit den Erinnerungen an den Aufstieg 2009, die er in losen Abständen mit seinen Mitspielern auffrischt. „Doch dann stellt man fest, dass die Gesprächspartner immer weniger werden“, sagt Parensen.

Inzwischen ist er der letzte verbliebene Aufstiegsheld im Kader. Und noch nie musste er so hart um einen neuen Vertrag bei Union kämpfen wie in diesen Wochen. „Ich setze mich da nicht zu sehr unter Druck, dafür bin ich schon zu lange dabei“, sagt Parensen, der im Winter bislang immer die Gewissheit hatte, dass es für ihn bei Union weitergeht. „Für mich geht es darum, jeden Tag gut auf dem Platz zu arbeiten. Wenn ich das gut mache, dann wird das sicherlich honoriert. Wenn ich es nicht so gut mache, dann werde ich mich halt irgendwo umschauen müssen.“

Am Sonntag könnte er im Gastspiel beim 1. FC Nürnberg (13.30 Uhr, Sky) weitere Pluspunkte sammeln. So wie vor einer Woche schon gegen Bochum (2:1), als er für den an Krebs erkrankten Benjamin Köhler auf der Sechser-Position neben Damir Kreilach aufgestellt wurde. Trainer Norbert Düwel hatte dies mit „Leistungsgründen“ im Training erklärt. Parensen rechtfertigte dieses Vertrauen nicht zuletzt mit der besten Laufleistung des gesamten Spiels (12,25 Kilometer): „Hat mir richtig Spaß gemacht, die Aufgaben mal wieder auszufüllen. Aber ich sehe darin keinen Wink für die Zukunft.“

Es sind diese Aussagen, die zeigen, wie nachdenklich Parensen in der derzeitigen Situation tatsächlich ist. Selten hat man ihn derart in sich gekehrt erlebt wie in diesen Wochen. Aus gutem Grund, befindet er sich doch am Scheideweg. Ihn zum alten Eisen zu zählen, täte ihm unrecht. Andererseits passt Parensen mit 28 Jahren nicht mehr wirklich zum Jugendstil, den Union im Sommer mit Düwel ausgerufen hat.

Grundsätzlich sieht er die Entwicklung positiv: „Wir hatten schon über viele Jahre eine recht erfahrene Truppe.“ Manche würden an dieser Stelle auch das Attribut alt verwenden. „Es ist ein wichtiger und richtiger Umbruch, den der Verein gemacht hat. Aber nur mit ganz jungen Spielern wird es schwierig. Man braucht auch ein paar Leute, an denen sich die Jüngeren orientieren können, die schon ein bisschen was erlebt haben und nicht gleich beim ersten Gegenwind die Ruhe verlieren.“

Dies ist genau das, was den BWL-Studenten der Fernuni Riedlingen stets ausgezeichnet hat. Ruhe und seine flexible Einsetzbarkeit in der Defensive. Dass Union seit Monaten nach einem Linksverteidiger – Parensens Lieblingsposition – sucht, „macht mich nicht nervös. Wenn man einen guten Spieler auf meiner Position findet, dann ist es auch absolut richtig, dass der Verein sich um ihn bemüht.“

Den Traum von der Bundesliga mit Union hat der sympathische Linksfuß jedoch nie aufgegeben. „Union ist inzwischen ein Name im deutschen Fußball. Auf diesem Niveau sollte man versuchen, sich zu steigern“, erzählt er.

Was bleibt, ist die Erinnerung an jenen Aufstieg im Jahr 2009. Wenn auch mit einem Wermutstropfen. In der ersten Auflage des Aufstiegsshirts war es ausgerechnet sein Name, der fehlte. Vielleicht auch deshalb, weil er erst in der Winterpause 2008/09 vom 1. FC Köln zu Union gewechselt war. Erst beim zweiten Druck war er dabei. Ob er sich auf dem nächsten T-Shirt wiederfinden wird, hängt nicht zuletzt von Parensen selbst ab.