Wintersport

Maze stiehlt Vonn die Show in den Rocky Mountains

Slowenin hat bei WM in Vail fünf Einzel-Medaillen im Blick

Lindsey Vonn weinte. Zunächst hatte sie noch versucht, die Tränen der Enttäuschung zu verbergen, dann aber verlor sie die Kontrolle über ihre Gefühle. „Es ist meine Heim-WM, das ist enttäuschend, für mich, meine Familie und die Fans“, sagte der Ski-Superstar der USA. „Ich habe viele Erwartungen, und ich habe mein Bestes versucht, sie zu erfüllen. Aber ich habe es nicht getan.“ Dann ging Vonn. Ihr Knie schmerzte. Ihre Schritte waren schwer.

Zweimal Gold bei der alpinen Ski-WM in Vail und Beaver Creek, das war ihr Anspruch. Im Super-G wurde es Bronze, immerhin, aber trotzdem zu wenig für sie. In der Abfahrt belegte sie Rang fünf. In einem Akt der Verzweiflung startete sie in der Super-Kombination, sie wollte ein „Wunder“ vollbringen, wie sie angekündigt hatte. Es wurde ein Desaster: In der Abfahrt fuhr die Amerikanerin miserabel, im Slalom schied sie aus. Vonn, 30, war mit den Nerven am Ende. „Ich dachte“, sagte sie schluchzend, „ich hätte eine Chance auf eine Medaille.“

Zweimal Gold, einmal Silber

Die Tränen nach der nächsten verpassten WM-Medaille konnte auch Tina Maze als Doppel-Weltmeisterin nachvollziehen. „Ich weiß genau, wie das Gefühl ist, wenn die Dinge nicht laufen, wie du willst. Das ist mir auch schon passiert, und das ist nicht einfach“, sagte die Slowenin nach ihrer Siegfahrt in der Super-Kombination. „Man braucht einfach viel Vertrauen zu sich selbst. Ich bin mir sicher, dass sie schon in den nächsten Rennen wieder eine gute Konkurrentin sein wird“, betonte die mit 31 Jahren und 283 Tagen älteste Weltmeisterin der Geschichte.

Die für US-Star Vonn angedachte Rolle, Nummer eins der WM in den Rocky Mountains zu sein – Maze übernimmt sie scheinbar mühelos. Nur im Super-G musste sie sich im Auftaktrennen geschlagen geben. Und holte Silber. „Was sie bei dieser WM leistet, da kann ich nur diesen machen“, sagte die Kombinations-Zweite, Nicole Hosp aus Österreich, und nahm als Zeichen des Respekts ihre Mütze vom Kopf. 0,22 Sekunden Vorsprung auf Hosp; 0,35 Sekunden Vorsprung auf deren Teamkollegin und Bronzemedaillengewinnerin Michaela Kirchgasser: Maze schlug vor Freude sogar ihr altbekanntes, aber lange nicht mehr gezeigtes Rad im Zielraum. „Ich war immer eine der Favoriten und habe es nie geschafft“, sagte sie über die zahlreichen zuvor verpassten Kombinations-Medaillen bei Großereignissen. „Wenn ich das heute nicht geschafft hätte, das hätte sich nicht gut angefühlt. Ich war sehr nervös vor dem Slalom.“ Mit nun neun WM-Medaillen steht Maze auf Rang vier der ewigen Frauen-Bestenliste. Und die Slowenin ist seit dem Rückritt von Maria Höfl-Riesch (Kombinations-Weltmeisterin 2010 und 2014) die beste Allrounderin.

Das rechte Knie schmerzt

Wie viel Kraft die Gesamtweltcupsiegerin der Saison 2013 ihr Mammutprogramm mit fünf WM-Starts in den Rocky Mountains dennoch kostet, konnte man Maze ansehen. Mit glasigen Augen und schmerzendem rechten Knie saß sie in der Pressekonferenz der besten Drei und musste sich offensichtlich dazu zwingen, vor Erschöpfung nicht zu weinen. „Ich mache jetzt eine Pause“, kündigte sie an.

Das Team-Event am Dienstag sollte allerdings der einzige Wettbewerb sein, den Maze auslassen will. Im Riesenslalom am Donnerstag geht es schon wieder um die nächste Plakette, das Ziel von fünf Podestplätzen bei einer WM hat sie vor Augen. Als letzter Wettbewerb steht dann noch der Slalom an, in beiden Disziplinen hat sie in diesem Winter schon im Weltcup gewonnen. „Es wäre großartig, das hier zu schaffen.“ Fünf Einzel-Medaillen bei einer WM hat vorher noch keine Frau geschafft. „Ich weiß, ich kann es schaffen“, sagte Maze selbstbewusst, „auch wenn es nicht einfach ist.“