Finanzierung

Wettbieten der Fernsehsender macht Englands Klubs immer reicher

Neuer Milliardenvertrag lässt Abstand zur Bundesliga trotz des WM-Titels anwachsen

Englands Premier League steht kurz vor dem Abschluss eines neuen TV-Vertrages, die Unterzeichnung soll Mittwoch erfolgen. Für die drei Spielzeiten von 2016 bis 2019 sollen dann über 5,4 Milliarden Euro in die Kassen der Klubs fließen – und das nur für die nationale Übertragung. Für die Auslandsvermarktung werden zusätzlich 2,6 Milliarden Euro erwartet. Der Acht-Milliarden-Deal würde wohl bedeuten, dass alle 20 Premier-League-Vereine zu den 40 reichsten Klubs Europas gehören.

Zum Vergleich: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) erhält derzeit 690 Millionen Euro pro Jahr und will beim nächsten Vertrag ab 2017/18 auf eine Milliarde Euro (inklusive Ausland) kommen.

Möglich macht den Anstieg ein Bieter-Wettstreit zwischen Sky und British Telecom. Derzeit besitzt Sky die Live-Rechte an 116 der 156 Live-Partien von Manchester United, Chelsea und Co. – BT zeigte die restlichen 38 Spiele. Die BBC zahlt für die englische „Sportschau“ im Free-TV 274 Millionen Euro. Auch für neue Bieterrunde legte die Premier League taktisch fest, dass kein einzelner Sender über 75 Prozent der dieses Mal 168 (von insgesamt 380) Saisonspiele ausstrahlen darf. Aus Angst vor leeren Stadien werden in England die Samstagsnachmittags-Spiele nie live gezeigt. Demnächst soll aber auch Freitagabend gespielt werden – bislang ein „No-Go“ im Mutterland des Fußballs. Sollte sich demnächst noch ein dritter TV-Riese, beispielsweise das Discovery Network (USA) oder Katars beIN Sports einschalten, fällt wohl die nächste Schallmauer.

Der enorme Vorsprung der Premier League, die damit hinter der US-Footballliga NFL die zweitteuerste Liga der Welt werden würde, stößt auch in der Bundesliga immer wieder auf Kritik. Auf der Insel ist es längst Gewohnheit geworden, für Mittelklasse-Profis Unsummen zu bezahlen. In Deutschland wurde hingegen über die 32 Millionen Euro, die Wolfsburg an Chelsea für Weltmeister André Schürrle zahlte, heftig diskutiert – in England ist inzwischen Kleingeld.