Borussia Dortmund

Mit einem Nervenspiel in die Wochen der Wahrheit

Der abstiegsgefährdete BVB ist in Freiburg zum Siegen verdammt, doch Trainer Jürgen Klopp bleibt unantastbar

Es ist gar nicht allzu lang her, da wurden in Freiburg ganz andere Fragen geklärt. Damals, nach zwölf Spieltagen der Saison 2010/11, stand Borussia Dortmund überraschend an der Spitze der Tabelle, nur den Nachweis der Eignung für die höchste Weihe des deutschen Fußballs wollten auch die Skeptiker noch erbracht sehen. In Freiburg lag die Mannschaft von Jürgen Klopp nach einer desaströsen ersten Halbzeit mit 0:1 zurück, spielte den Gegner danach aber an die Wand. „Spielerisch fast schon irreal stark“ und „nah am perfekten Spiel“ sei der BVB bei diesem 2:1 gewesen, diagnostizierten überregionale Zeitungen und hielten dies für den belastbaren Beleg, dass der Emporkömmling tatsächlich die Meisterschaft würde erringen können. Die Erfolgsgeschichte begann.

Bei der Rückkehr in den Breisgau am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) könnte für Schwarz-Gelb die Antwort auf eine ganz andere Frage deutliche Konturen annehmen: Kann eine für die Champions League teuer hochgerüstete Mannschaft wie die des BVB mit all ihren Stars tatsächlich absteigen? Die jüngsten Eindrücke legen den Verdacht nahe: sie kann. Zumindest wenn die Verunsicherung sie weiterhin so befällt wie zuletzt. „Natürlich spielt die Psyche eine Rolle“, sagt Mittelfeldspieler Nuri Sahin. „Das baut sich auf. Und mit jeder Aktion, die nicht gelingt, wird es mehr und mehr.“ Misslungen ist zuletzt genug. Selbst Sahins kämpferische Parole in Richtung des Freiburgspiels: „Wir müssen weitermachen und alles dagegen tun, dass man nicht absteigt.“ Dortmund ist durcheinander, schwer angeschlagen – und das vor dem Nervenspiel in Freiburg.

Hintereinander verbrachten die beiden Klubs die Winterpause, Dortmund als Vorletzter der Tabelle, Freiburg als Letzter. Doch Freiburg punktet seither nicht nur, sondern spielt sogar sehr gefällig. Beides gelingt der Borussia bislang nicht. Zusammen mit den nahenden Partien gegen Mainz und die ebenfalls abstiegsgefährdeten Stuttgarter könnte in Freiburg schon ein beträchtlicher Betonklotz für die kommenden BVB-Wochen im Sorgenstrudel der Liga gegossen werden. Die Gefahr ist real. Das sind die Situationen, in denen die Schuhe schwer werden können.

Jürgen Klopp gibt sich trüben Gedanken nicht hin. Der Trainer müht sich um Zuversicht – oder so etwas Ähnliches: „Wir sollten die Möglichkeit eines Sieges in Freiburg nicht außer Acht lassen“, sagt er. Ein bemerkenswerter Satz, bedenkend, dass der aktuelle Vize-Meister beim Ausbildungsbetrieb der Liga antritt. Dort kauften die Dortmunder im Sommer Matthias Ginter für zehn Millionen Euro weg. Im Breisgau war er einer der Besten, in Westfalen ist er davon weit entfernt. Nur eine von bisher vielen Unplanmäßigkeiten einer erst nur skurril, mittlerweile aber gefährlich missratenen Saison.

„Wir haben nicht so viel verkehrt gemacht, als dass wir jetzt Tabellenletzter sein müssten“, sagt Klopp. Er sucht seit Monaten nach den Fehlern, nur bei sich nicht so sehr, wie er sagt. „Wahnsinnig viel suche ich nicht danach. Es geht nicht darum, dass ich mich durch übermäßige Selbstkritik auch noch selbst schwäche.“ Schwächen hat der BVB seiner Ansicht nach auch so schon ausreichend. Die Defensivschwäche, die immer groteskere Abschlussschwäche, die immer wieder aufflackernde Nervenschwäche. Rückschläge im Spiel kann diese Mannschaft kaum kompensieren. Sie sackt in sich zusammen, wird fahrig. Kein einziges Spiel gewann sie nach einem Rückstand. Aber nicht nur das unterscheidet sie von der Mannschaft, die vor vier Jahren nahe der Perfektion spielte.

Jobgarantie von Watzke

Freiburg ist der Auftakt für die Wochen der Wahrheit beim BVB. Danach folgen Spiele gegen Stuttgart, Mainz und das Derby gegen Schalke. Auf Medienberichte, wonach in diesem Zeitraum über die Zukunft von Trainer Klopp entschieden wird, reagierte der Klub mit einer Jobgarantie für den Trainer. „Natürlich, das steht außer jeder Frage. Ich bin überhaupt nicht bereit, jede Woche diese Frage aufs Neue zu beantworten. Das hier ist das letzte Mal, dass ich darüber offiziell sprechen werde“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.