Perspektive

„Köhler bleibt so lange bei Union, bis er gesund ist“

Der Zweitligist reagiert auf die Nachricht von der Krebserkrankung mit Vertragsverlängerung

Über Nacht ist viel passiert beim 1. FC Union. Zum einen füllten sich die Postkästen – mit der Bitte, die Nachrichten mit guten Wünschen an Benjamin Köhler weiterzuleiten. Der Mittelfeldspieler ist, wie der Berliner Zweitliga-Fußballklub am Mittwochabend mitteilte, schwer erkrankt. Die Mannschaft war noch vor der Öffentlichkeit informiert worden. „Fassungslos“ reagierten die Kollegen, erzählte Trainer Norbert Düwel am Donnerstagmittag und stellte fest, dass die Gefühlslage des Teams „in eine Reaktion umgeschlagen ist, die am besten als Trotzreaktion darzustellen wäre“.

So kurz vor dem Start des Spielbetriebs nach der Winterpause kann so eine niederschmetternde Nachricht wie die von Köhlers Krebserkrankung einiges durcheinander bringen, menschlich wie sportlich. „Das sind Dinge, die jeder anders verarbeitet“, sagte der Trainer vor dem Heimspiel der Berliner gegen den Tabellennachbarn VfL Bochum am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei): „Aber ich habe das Gefühl, dass alle sehr gut mit der Situation umgehen.“ Als Klub zeigte Union jedenfalls ein gutes Gespür. Der im Sommer auslaufende Vertrag mit Köhler wurde am Mittwoch kurzerhand verlängert. Zunächst um ein Jahr, aber mit hoffnungsvoller Perspektive. „Benjamin Köhler bleibt so lange Spieler bei Union, bis er gesund ist“, so Düwel.

Im Trainingslager habe sich die Verlängerung ohnehin abgezeichnet, sie wäre auch so gekommen. Die Umstände forcierten sie nur. „Er ist Teil der Mannschaft und soll es auch bleiben“, sagte der Trainer, der nun sehen muss, wie er mit Köhlers Fehlen umgeht. Im Mittelfeld nahm der 34-Jährige eine feste Rolle ein. „Jetzt müssen wir es über einen längeren Zeitraum kompensieren, dass er nicht spielt. Dazu haben wir den entsprechenden Kader, da mache ich mir keine Sorgen“, erzählte Düwel. Auf dem Platz ist das eine, aber auch daneben wird Köhler vermisst werden. Er gehörte nicht zu denen, die in der Kabine große Ansagen machten, „aber er hat durch seine Art und wie er Fußball gespielt hat, durch seine Erfahrung gerade den jungen Spielern unheimlich viel mitgegeben“, so Düwel. Auch hier seien nun andere erfahrene Kollegen gefragt, für Köhler einzuspringen.

Dass sich die Erkrankung des Spielers auf die Leistung der Mannschaft auswirkt, denkt Düwel nicht. Man werde alles ganz normal angehen: „Weil wir die Hoffnung und den Glauben haben, dass Benni zu uns in die Kabine zurückkommt und wieder für uns auflaufen wird.“ In seinem Bemühen darum erhält der Profi nicht nur aus dem Klub und dessen Umfeld Zuspruch. „Ich wünsche Unions Mittelfeldspieler Benjamin Köhler viel Energie und Mut im Kampf gegen seine Erkrankung“, schrieb der Weltverbands-Präsident Joseph Blatter via Twitter.