Bundesliga

Mehr als ein Transfer

Rückkehrer Ivica Olic wird beim HSV als Heilsbringer gefeiert – weil er für Tore und die richtige Einstellung steht

Als Ivica Olic nach zähem Ringen endlich die Freigabe für seinen Herzensklub hatte, gab es kein Halten mehr. „Ich habe meine Fußballschuhe genommen, meine Frau angerufen und bin losgefahren“, sagte der 35 Jahre alte Kroate während seiner Vorstellung beim Hamburger SV am Freitag: „Es war der Traum meiner Familie, nach Hamburg zurückzukehren.“ Schon am Sonnabend zum Rückrundenauftakt gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr, Sky) soll Olic im HSV-Kader stehen.

„Es ist mehr als ein Transfer“, sagte Sportchef Peter Knäbel, „das ist ein wichtiges Signal für die Fans und an unsere Konkurrenz.“ Weshalb die leidgeprüften Hanseaten den nimmermüden Kämpfer trotz seines fortgeschrittenen Alters noch einmal bis 2016 unter Vertrag genommen haben? „Er kann laufen, Tore machen, kennt die Liga und den HSV“, sagte sein neuer Trainer Josef Zinnbauer. Knäbel geht sogar noch einen Schritt weiter. Mehr Professionalität könne man in der Bundesliga kaum finden, sagte der Ex-Profi. „Ivica ist einer, an dem sich die jungen Spieler orientieren können.“ Die Hamburger Fans haben Olic ohnehin schon lange ins Herz geschlossen. Von 2007 bis 2009 hatte er 48 Tore für den HSV erzielt.

Auch Lasogga soll profitieren

Von den Qualitäten des 1,5-Millionen-Euro-Zugangs soll möglichst auch Sorgenkind Pierre-Michel Lasogga profitieren. Dem früheren Herthaner waren in der ersten Saisonhälfte lediglich zwei Treffer gelungen, dem ganzen Team des Tabellen-14. nur magere neun. Weniger schossen in der Bundesligageschichte nur zwei Teams: Eintracht Frankfurt (in der Saison 1988/89) und Tasmania Berlin (1965/66). Beide waren auf magere acht Tore gekommen.

Dass die Hamburger trotz dieser historischen Quote noch immer auf einem Nichtabstiegsplatz stehen, muss fast schon als Kunststück gewürdigt werden. Tatsächlich scheint das Glück der Hanseaten fast unverbrauchbar. Schon in der vergangenen Spielzeit unterboten sie sich beständig – und stiegen doch nicht ab. Lasogga galt damals noch als Klassenerhaltsheld. Mit 13 Saisontoren hatte die Leihgabe aus Berlin den HSV zunächst in die Relegation geschossen, ehe ihm dort gegen Greuther Fürth der eine entscheidende Treffer gelang, der den Bundesliga-Dino vor dem Gang in die Zweitklassigkeit bewahrte.

Die Gegenwart sieht anders aus. Weil er im Trainingslager in Dubai von muskulären Problemen geplagt wurde, konnte Lasogga in der Wintervorbereitung kaum mittrainieren. Ein Grund mehr, weshalb die Hoffnungen nun vor allem auf Olic ruhen.

Für den HSV bleibt zu hoffen, dass der Altmeister besser einschlägt als die Sturmhoffnungen der jüngeren Vergangenheit. Jacques Zoua, Ola John, Artjoms Rudnevs, Marcus Berg – sie alle verkamen an der Elbe zu Flops.

Olics Knochen mögen zwar schon bedenklich knacken, wenn er zum Sprint ansetzt, das Toreschießen aber beherrscht er immer noch. Im Wolfsburg-Trikot erzielte er in der Hinserie fünf Treffer – mehr als jeder andere im prominent besetzten Kader des VfL.

Seine Rückkehr an alte Wirkungsstätte dürfte sich für den 100-maligen-Nationalspieler wie eine kleine Zeitreise anfühlen. Einerseits, weil er genau acht Jahre zuvor zum ersten Mal an die Elbe gewechselt war. Zum anderen, weil er in seinem bislang letzten Heimspiel für den HSV ebenfalls gegen Köln auflief.

Damals verlor der HSV 0:1. Diesmal soll es besser laufen.