Handball

Warum ist erlaubt, dass Katar sich eine Weltauswahl kauft?

Weltverband verhinderte neue Regeln vor der Wüsten-WM

Als Deutschland 2007 Handball-Weltmeister wurde, reichte es für die Katarer nur zum 23. und vorletzten Platz. Vor zwei Jahren waren sie 20., am Mittwoch stehen sie aber als Gastgeber im Viertelfinale gegen Deutschland (16.30 Uhr, Sky) und wollen als drittes nicht-europäisches Team nach Ägypten 2001 und Tunesien 2005 in die Medaillenrunde einziehen. Wie geht so etwas eigentlich?

Mit Geld: Per Einbürgerungskampagne wurden Spieler aus Spanien, Frankreich, Montenegro, Bosnien und Ägypten rekrutiert, dazu in Valero Rivera der spanische Trainer verpflichtet, der 2013 seine Landsleute zum WM-Titel geführt hatte. „Sie sind eine gute Mannschaft mit guten Spielern, auch wenn die vielleicht nicht so bekannt sind“, sagte der in Kiel spielende Spanier Joan Canellas zu Katars Internationalmannschaft. Schlussmann Goran Stojanovic kommt aus Montenegro, sein Torhüterkollege Danijel Saric aus Bosnien, die Wurzeln von Borja Vidal liegen in Spanien, Hassan Mabrouk war Ägypter und Rafael Capote stammt aus Kuba. Rivera brachte zudem sein gesamtes Funktionsteam mit. „Er ist einer der besten Trainer der Welt und hat ein tolles Team aufgebaut, taktische Disziplin eingeführt und die individuellen Stärken der Spieler verbessert“, sagte Frankreichs Olympiasieger-Trainer Claude Onesta. Die Mannschaft trainiert bereits seit August zusammen – ein Vorteil, den es für die Turnierfavoriten aus Europa nicht gibt. „Sie haben sich fast acht Monate vorbereiten können“, sagte Weltmeister Canellas. „Wenn sie das machen können, warum nicht?“

100.000 Euro Prämie pro Sieg

Es gibt aber auch schon länger Stimmen, die eine Änderung des Reglements fordern. „Wenn man ein A-Länderspiel für eine Nation absolviert hat, sollte man den Verband nicht mehr wechseln dürfen“, sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan, „da wäre der Fußball ein gutes Vorbild.“ Die Statuten des Weltverbandes IHF, nach denen jeder Spieler nach drei Jahren ohne Länderspiel den Verband wechseln kann, bezeichnet der Europameister von 2004 als „grenzwertig“. Im Gegensatz zum Europaverband EHF verlangt die IHF nicht mal, dass der Spieler zwölf Monate im Land gelebt hat. Diesbezüglich 2013 eingebrachte Änderungsvorschläge wurden bisher einfach nicht bearbeitet. So sind in Katar gerade mal vier der 16 Spieler im Kader Katars echte Einheimische. „Es tut mir im Handballherzen weh, dass so etwas möglich ist“, sagte Schwedens Kapitän Tobias Karlsson.

Die Deutschen hielten sich mit Stellungnahmen zum Thema vor dem Spiel lieber zurück. Anders als die Katarer selbst. „Ich bin wirklich stolz darauf. Wir haben Geschichte in Katars Handball geschrieben“, sagte der frühere Hamburger Zarko Markovic. Nebenbei freut er sich über 30.000 Euro Monatsgehalt und nun auch noch 100.000 Euro für jeden WM-Erfolg. Pro Mann, versteht sich.