Kommentar

Idealer Anführer

Rainer Grünberg über Bundestrainer Dagur Sigurdsson

Nun soll man ein Handballspiel nie vor dem letzten Wurf loben, und eine Weltmeisterschaft schon gar nicht vor dem Finale, dennoch nötig es bereits jetzt höchsten Respekt ab, was die zuletzt oft geschmähte deutsche Nationalmannschaft in Katar leistet. Auferstanden aus Ruinen möchte man angesichts der Resultate in den vergangenen beiden Jahren meinen, und selbst das Viertelfinale gegen die Gastgeber sollte nicht das Ende für dieses Team bedeuten.

Wer nach Erklärungen für das jähe Ende der Ergebniskrise sucht, stößt zwangsläufig auf Dagur Sigurdsson. Der 41 Jahre alte Bundestrainer aus Island, zugleich Trainer der Füchse Berlin, ist der Gegenentwurf zu Vorgänger Martin Heuberger. Der ist zwar ein exzellenter Handballfachmann, als Coach aber schien er in kritischen Situationen oft überfordert. Das zeigte sich vor allem in den verlorenen WM-Qualifikationsspielen gegen Polen im vergangenen Juni. Sigurdsson dagegen geht an der Seitenlinie jegliche Hektik ab, er strahlt nordische Ruhe aus, seine Anweisungen sind kurz und präzise. Einer wie er genießt Vertrauen bei den Spielern, weil sie glauben, dass er ihnen helfen kann. Das gibt der Mannschaft Sicherheit.