Fußball

„Düwel war zu Beginn zu forsch“

Union-Präsident Dirk Zingler über die Entwicklung des Trainers, neue Spieler und die Chancen auf die Bundesliga

Dirk Zingler hat eine wahre Europareise hinter sich. Von St. Petersburg, wo er aus beruflichen Gründen bis Donnerstag weilte, ging es über Berlin an die spanische Mittelmeerküste. Der Präsident des 1. FC Union wollte sich am Wochenende selbst ein Bild von der Arbeit der Mannschaft im Trainingslager in Sotogrande machen. Vor dem Testspiel am Sonntag gegen Bulgariens Meister Ludogorets Rasgrad (1:0, Torschütze Polter/18.) sprach Zingler über:

Die Mannschaft „Ich habe einen guten Eindruck von ihr. Man sieht hier im Trainingslager, dass sich die Entwicklung der vergangenen Wochen fortsetzt. Das ist eine gute Truppe, sehr ausgeglichen und kameradschaftlich. Auch eine solch hohe Leistungsbereitschaft habe ich lange nicht gespürt. Jeder einzelne will sich verbessern. Es ist sehr angenehm, das zu sehen.

Den Umbruch „Wenn wir von dem Schnitt nicht überzeugt gewesen wären, hätten wir ihn im Sommer auch nicht gemacht. Wir haben jetzt so viele junge Spieler, da ist es normal, dass es erst einmal ein bisschen rappelt und man sich finden muss, erst recht nach dem Abgang von Torsten Mattuschka. Aber diese Mannschaft hat eine gute Zukunft vor sich, davon bin ich überzeugt. Vor allem, wenn wir den Kader noch durch erfahrene Spieler ergänzen. Wir werden den Altersdurchschnitt sicherlich nicht auf 21 Jahre senken.“

Die Hinrunde „Die Halbzeitpause in Sandhausen war für mich persönlich der Tiefpunkt. Ich hatte Trainer Norbert Düwel und der Mannschaft den Sieg unbedingt gewünscht (3:1 nach 0:1 zur Pause, d.Red.), weil ich gesehen habe, dass die Jungs und er vernünftig arbeiten. Doch dann kam diese erste Halbzeit, noch dazu nach dem Kurz-Trainingslager in Kienbaum. Da habe ich ein bisschen gezweifelt und gedacht: Was willst du jetzt eigentlich noch machen? Wir waren schon darauf eingestellt, dass es am Anfang zunächst schwerer wird. Auch wenn die Intensität durch Mattuschkas Abgang stärker war, als wir erwartet haben.

Norbert Düwel „Ich glaube, dass er ein guter Trainer ist, was aber nicht heißt, dass jeder gute Trainer auch in jedem Verein Erfolg hat. Man sieht jetzt, was er von der Mannschaft erwartet. Und die Mannschaft hat Vertrauen in die Entscheidungen des Trainers. Natürlich war er zu Beginn zu forsch. Aber das ist auch verständlich. Er kam hierher und wollte Dinge unbedingt verändern. Dass er dann das eine oder andere korrigiert hat, erwarte ich auch von ihm. Wenn er stur wäre und seine Dinge nur durchziehen wollte, wäre er ein schlechter Trainer. Ich glaube, dass der Saisonanfang uns allen ein wenig zugesetzt hat. Wir haben aber auch in den sieben Jahren mit Uwe Neuhaus unterschiedliche Phasen gehabt, auch solche, in denen wir Veränderungen vornehmen mussten. Trotzdem haben wir weiter zusammengearbeitet. Wir werden unsere Handlungsweisen nicht verändern.“

Die Rückrunde „Ich würde lügen, wenn ich sage, ich wünsche mir keine Fortsetzung der vergangenen Wochen. Wir haben mit Bochum und Heidenheim zwei Heimspiele vor der Brust, in denen man die Grundlage für die Rückrunde legen kann. Dazwischen ist das Spiel in Nürnberg, und so schlecht haben wir auswärts auch nicht ausgesehen. Das Ziel bleibt aber Klassenerhalt. Wir haben wegen des Wechsels im Sommer ohnehin nur mit 41 Punkten geplant, auch im Lizenzantrag.“

Neue Spieler im Winter „Die Mannschaft entwickelt sich gerade nach dem starken Umbruch im Sommer. Diesen Prozess jetzt zu stören, indem man wieder neue Spieler in den Kader bringt, um neue Impulse zu setzen – das würden wir nur tun, wenn Bedarf bestünde. Aber das ist nicht der Fall. Dass noch ein linker Verteidiger kommen soll, haben wir ja schon seit Saisonbeginn auf dem Zettel. Das würde auch keine Unruhe erzeugen, weil diese Position mit Michael Parensen ohnehin nur einmal besetzt ist.“

Union und die Bundesliga „Durch unseren Neustart wird es wieder zwei, drei Jahre dauern, um sich an die Spitze der Zweiten Liga heranzuarbeiten. Das bleibt aber unser Ziel. Im Grunde sind wir zwei Schritte zurückgegangen, um einen neuen Anlauf zu nehmen. Der Profifußball hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Er ist insbesondere wesentlich schneller geworden. Und wenn man so spielt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, in die Bundesliga aufzusteigen.“

Sebastian Polter„Er verhält sich sehr professionell, uns gegenüber wie auch seinem vertraglichen Arbeitgeber Mainz 05, der ihn ja bis Saisonende an Union ausgeliehen hat. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, werden wir alles dafür tun, so einen Spieler zu halten. Ich bin der festen Überzeugung, dass dabei keine finanziellen Fragen eine Rolle spielen werden, sondern sportliche. Es wird an wirtschaftlichen Dingen nicht scheitern. Wir werden ihm und Mainz ein Angebot unterbreiten, dass wettbewerbsfähig sein wird.“

Investoren und Klubstrukturen „Wir werden alle Finanzierungsarten, die im Profifußball üblich sind, auch bei uns anwenden – wenn es für uns passt. Ob es Investoren sind, strategische Partner oder wie man sie sonst nennen will. Nur mit den reinen Einnahmen aus dem täglichen Geschäft ist man im Profifußball nicht wettbewerbsfähig. Wir werden aber zehn Mal überlegen, was wir tun und mit wem wir es tun. Eine Auslagerung der Profiabteilung steht bei uns jedoch nicht zur Debatte. Weil es aus unserer Sicht nicht notwendig ist, um Investitionsmittel zu bekommen. Wir glauben, mit Union einen Weg gehen zu können, der eine Auslagerung nicht nötig macht.“