Handball-WM

Die Zukunft ist jetzt

Paul Drux gehört zur neuen Generation im deutschen Handball, die heute im WM-Achtelfinale auf Ägypten trifft

Das Foto aus der Umkleidekabine in Doha (Katar) fand rasch Verbreitung. Weltmeister Michael Kraus ist darauf zu sehen, wie er ausgelassen über den Gruppensieg jubelt. Daneben schreien Silvio Heinevetter und Uwe Gensheimer, im Tor und auf Linksaußen zu den Weltbesten ihres Fachs gehörend, ihre Freude heraus. Inmitten dieser Gruppe steht auch Paul Drux, 19 Jahre alter Handballprofi der Füchse Berlin und der jüngste Spieler im deutschen WM-Kader. Wie selbstverständlich ergreift der Rückraumspieler vor dem WM-Achtelfinale am Montag gegen Ägypten (16.30 Uhr, Sky) das Wort. Er freue sich riesig auf die zweite Turnierphase, sagt er und streicht sich durch den zart sprießenden Bart, „denn K.o.-Spiele machen noch einen Ticken mehr Spaß“. Bei einem Sieg wartet bereits Gastgeber Katar im Viertelfinale.

Im September erst feierte Drux sein Debüt in der A-Nationalmannschaft, wenige Monate nachdem er mit den Junioren in Linz EM-Gold gewonnen und sein erstes Jahr als Profi bei den Füchsen begonnen hatte. Jetzt, nur ein paar Länderspiele weiter, ist Drux längst ein fester Bestandteil der deutschen Auswahl. Oder wie Teammanager Oliver Roggisch sagt: „Der Junge ist 19 Jahre alt und spielt ein beeindruckendes Turnier. Mit ihm werden wir noch viel Spaß haben.“ Der frühere Nationalspieler und HSV-Handball-Trainer Martin Schwalb sagt: „Was Paul spielt, ist einfach nur großartig.“

Extraschichten nach dem Training

Ein außergewöhnliches Talent, gepaart mit viel Fleiß und dazu noch beste körperliche Voraussetzungen sind die Faktoren, die Drux zu Höchstleistungen treiben und ihm das WM-Ticket eingebracht haben. Bundestrainer Dagur Sigurdsson, selbst erst seit August 2014 im Amt beim Deutschen Handballbund (DHB), kennt den Rückraumspieler aus vielen Jahren als Vereinstrainer der Füchse und weiß um die Qualitäten des Rechtshänders. „Die größte Stärke von Paul ist, dass er ein kompletter Spieler ist“, sagt Sigurdsson, „er agiert in der Abwehr und im Angriff sehr gut, und er ist ein intelligenter Junge.“

Drux selbst empfindet es als Vorteil, dass Sigurdsson auch Füchse-Trainer ist. „Denn er kennt mich gut, weiß auch, wie ich ticke“, sagt er. „Ich bin noch jung und genieße das alles. Ich bin noch lange nicht zufrieden, werde weiter hart an mir arbeiten. Aber es war immer mein großes Ziel, Handballprofi zu werden. Dafür habe ich alles getan und tue das jeden Tag aufs Neue.“

Bei all den Erfolgen und einem bislang unaufhaltsamen Aufstieg weiß Drux es sehr zu schätzen, dass er mit einem solch großen Talent gesegnet ist. „Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu dürfen“, sagt Drux, „nicht alle unserer talentierten Spieler haben die Chancen, die ich habe. Ich bin sehr glücklich darüber, wie alles läuft.“ Die Grundlage dafür legte der Blondschopf vor dreieinhalb Jahren selbst, als er aus Gummersbach nach Berlin wechselte und von Bob Hanning unter die Fittiche genommen wurde. Hanning, Geschäftsführer der Füchse und Vizepräsident im Deutschen Handball-Bund (DHB), erkannte die besonderen Fähigkeiten von Drux und bildete ihn fortan aus, war bei Bedarf auch väterlicher Ratgeber abseits des Feldes. „Paul ist ein außergewöhnlicher junger Mann, seine handballerische Qualität ist enorm, und ich bin so unendlich stolz und glücklich, dass Drux bei der WM dabei ist.“ Hanning verrät auch, dass Drux oft nach dem Training Extra-Schichten einlegt. „Paul übt oft noch allein weiter“, sagt Hanning, „wenn du es ganz nach oben schaffen willst, musst du jeden Tag aus der Komfortzone rausgehen. Und Paul macht das. Er ist das größte Talent im deutschen Handball.“ Hanning verglich Drux gar schon mit Nikola Karabatic. Der Franzose war im letzten Jahrzehnt der dominanteste Spieler seines Sports.

Leidenschaftlicher Koch

Drux ist ein Spieler, der sich fast immer selbst übertroffen hat. Schon zu Juniorenzeiten konnten ihn die Trainer problemlos in Mannschaften des nächstälteren Jahrgangs einsetzen. Paul Drux ist scheinbar mühelos gelungen, was vielen anderen Talenten so schwer fällt: der Übergang vom Nachwuchs- in den Erwachsenenbereich. Diese Fähigkeit mag auch darin begründet sein, dass Drux früh Verantwortung übernahm. Mit dem Umzug nach Berlin musste Drux früh erwachsen werden.

Im vergangenen Sommer legte er am Schul- und Leistungssportzentrums Berlin (SLZB) sein Abitur erfolgreich ab, bezog mit seiner Freundin eine gemeinsame Wohnung. „Jetzt muss ich alle Rechnungen wie Strom, Wasser und Internet selbst regeln und begleichen“, sagt Drux, „aber es macht auch viel Spaß, den Freiraum zu haben. Im Haushalt bin ich besonders gut beim Aufräumen. Und kochen kann ich auch recht gut. Am liebsten Nudeln oder Steak.“ In Doha genießt er derzeit aber die Vollverpflegung im Luxus-Hotel. Drux sagt: „Da bleibt kein Wunsch offen. Wir wollen das noch bis Sonntag hier genießen.“ Da findet in Doha das Finale der WM statt.