Basketball

Dauerstress lähmt bei Alba mehr den Kopf als die Beine

Basketballer müssen sich noch an neuen Rhythmus gewöhnen

Als sich die Basketballprofis von Alba Berlin mit ihren Fans abklatschten, blies der eine oder andere die Backen auf, ein paar zuckten in ihren verschwitzten Trikots entschuldigend mit den Schultern. Nach dem 84:78 gegen Tübingen waren beim Tabellenführer der Bundesliga alle froh, gerade noch eine Niederlage verhindert zu haben. „Riesengroß“, so Geschäftsführer Marco Baldi, sei die Gefahr gewesen, gegen den Außenseiter zu verlieren. Noch nie so krass wie diesmal zeigte sich, wie schwer der gnadenlose Spielplan von Bundes- und Europaliga an die Kräfte der Berliner geht.

„Wir kamen nicht mit so viel Feuer raus, wie wir uns das vorgenommen hatten“, sagte Flügelspieler Akeem Vargas. Die Alba-Spieler waren willig, aber es ging einfach vieles daneben. „Was soll ich da groß kritisieren“, meinte Trainer Sasa Obradovic. „Es war sehr schwer, zwei Tage nach dem Spiel gegen Real Madrid wieder voll konzentriert zu sein.“ Er war zumindest zufrieden, „dass meine Mannschaft doch noch den Weg gefunden hat, das Spiel zu gewinnen.“

Der Spielrhythmus bringt alle Beteiligten an die Grenzen. Immer drei Spiele pro Woche, nur kurze Pausen, wie weniger als 48 Stunden zwischen den Partien gegen Madrid und Tübingen. Alba-Kapitän Alex King weiß: „Es wird nicht leichter in dieser Saison.“ Noch etwa ein Vierteljahr geht die Termin-Hatz weiter. Baldi: „Aber wir klagen nicht, wir sind glücklich, in der Europaliga zu spielen.“

Obradovic blickte auf andere Klubs in der europäischen Eliteliga, „die ein viel höheres Budget als wir, aber die gleichen Probleme haben“. Alle leiden unter dem Spagat. So kommt es dann, dass Spitzenteams in ihrer nationalen Liga überraschend gegen vermeintlich Kleine stolpern: So in den vergangenen Wochen Barcelona gegen Obradoiro (Santiago de Compostela) oder Fenerbahce Istanbul gegen Sportif Usak.

Alba, dessen einzige Niederlage in der Bundesliga aus dem Spiel in Bamberg stammt, ist das bisher noch nicht passiert. „Aber wir müssen uns schnellstens an den Rhythmus gewöhnen“, forderte Baldi. Es sei weniger ein physisches Problem, sondern extrem schwierig, mental den Fokus zu behalten. „Wir haben den Platz an der Sonne“, sagte er mit Blick auf die Tabellenführung, „aber es wird schwer, ihn zu verteidigen.“