BVB

„Nur wer nach mehr strebt, entwickelt sich weiter“

Dortmunds Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan über Motivation, Gesundheit und den Abstiegskampf mit dem BVB

Erstmals seit anderthalb Jahren bereitet sich Ilkay Gündogan, 24, schmerzfrei auf die Fußball-Bundesliga vor. Eine langwierige Rückenverletzung setzte den Mittelfeldspieler 14 Monate lang außer Gefecht. Nun soll er Borussia Dortmund vor dem Abstieg retten.

Berliner Morgenpost:

Herr Gündogan, Sie haben Abitur gemacht, zu Ihren Lieblingsfächern zählte dabei das Fach Philosophie und dort die Gedanken über Glück. Was ist für Sie Glück?

Ilkay Gündogan:

Es gibt so viele unterschiedliche Formen von Glück. Aber gesund zu sein, ist ganz sicher ein großes Glück. Innere Zufriedenheit ist auch wichtig. Zufriedenheit mit dem, was ich mache, was ich erreicht habe, was ich noch vorhabe, alles dafür zu tun, die Ziele zu erreichen, die ich mir setze.

Das Glück steckt im Streben nach mehr?

Bestimmt. Wenn man gewisse Ziele erreicht hat, dann genügt es einem nicht, nur auf der Stelle zu treten. Das liegt in der Natur des Menschen, wir gewöhnen uns ja alle schnell an Dinge. Auf den Sport bezogen: Wenn man es gewohnt ist, in der Champions League zu spielen, dann ist das eine Sache, die man immer wieder haben wollen würde. Ich denke schon, dass man nach immer mehr strebt. Das ist ja auch nicht dumm, denn nur so entwickelt man sich weiter.

Dortmund wird vermutlich die internationalen Startplätze verpassen. Wären Sie dann in Dortmund weiterhin glücklich?

Die Welt würde nicht untergehen, wenn man mal ein Jahr nicht in der Champions League spielt. Aber jetzt ist garantiert nicht der richtige Zeitpunkt, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Wann waren Sie denn zuletzt so richtig glücklich?

Da muss ich überlegen. Natürlich beim Spiel gegen Köln, als ich nach 14 Monaten Verletzungspause zurückgekehrt bin. Das Spiel (1:2, d.R.) war für uns nicht so prickelnd, aber ich nehme mir das Recht heraus, das Ergebnis für mich persönlich mal außen vor zu lassen. Dieser Tag war sehr erleichternd für mich, er hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, dass die harte Arbeit belohnt wird.

Wie sehr hat Ihnen der Fußball in Ihrer Zwangspause gefehlt?

Sehr. Vor allem, wenn man ab seinem dritten Lebensjahr mit dem Fußball aufgewachsen ist, keine längere Pause davon hatte und auch keine wollte. Wenn man dann plötzlich gezwungen ist, davon wegzubleiben, dann ist das eine blöde Situation.

Haben Sie in dieser Zeit etwas gefunden, dass Ihnen ähnliche Zufriedenheit verschafft?

Für mich gab es keine nennenswerte Alternative, nichts, woran ich mich festhalten konnte und sagen konnte: Jetzt vergesse ich mal den Fußball und lebe einfach mein Leben. Das geht nicht. Klar, ich hatte große Unterstützung von außen, aber ich konnte nun mal nicht spielen, nicht trainieren.

Hatten Sie Angst, dass Ihre Karriere vorbei sein könnte?

Nein, ich wusste, dass ich ein Problem habe. Aber ich wusste, dass das nichts Großes ist, obwohl es sich so lang hingezogen hat.

Sie haben die Unterstützung von außen angesprochen: Wer hat Ihnen Halt gegeben in der schwierigen Zeit?

Die Familie, meine Freunde, meine Freundin, natürlich auch der Verein und die Fans. Von allen Seiten habe ich die Unterstützung bekommen, die man in so einer schweren Zeit benötigt. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, da ist man schnell weg vom Fenster und aus der Erinnerung der Leute verschwunden. Daher war ich sehr glücklich auch über die Unterstützung durch den Verein.

Können Sie Abstiegskampf?

Ich komme ja vom 1. FC Nürnberg, da war der Abstiegskampf das Alltagsgeschäft. Ich habe zweimal Relegation gespielt. Man könnte sagen: Ich bin ein bisschen geübt, auch wenn die Situation nicht vergleichbar ist. Wir wissen, dass wir da unten nicht reingehören.