Boxen

In den Fußstapfen von Muhammad Ali

Am 73. Geburtstag der Boxlegende holt Deontay Wilder dessen Schwergewichtstitel in die USA zurück. Jetzt gegen Klitschko

Ausgerechnet am 73. Geburtstag von Muhammad Ali wurde der Traum der amerikanischen Profiboxfans wahr – es gibt wieder einen Schwergewichtschampion made in USA. Fast acht Jahre Jahre nach der Niederlage von Shannon Briggs 2007 gegen den Russen Sultan Ibragimov bringt Deontay Wilder den grünen Gürtel des World Boxing Council (WBC) wieder zurück in die Vereinigten Staaten. Jenen grünen Gürtel, der nicht zuletzt durch Muhammad Alis Kämpfe gegen Joe Frazier, George Foreman oder Larry Holmes zum vermeintlich wertvollsten Titel aller Zeiten geworden ist.

Mit dem eindrucksvoll herausgeboxten Zwölfrundenpunktsieg (118:109, 119:108, 120:107) über Titelverteidiger Bermane Stiverne beantwortete Zweimetermann Wilder auch die Frage, ob er angesichts von 32 K.-o.-Erfolgen in 32 Profikämpfen zuvor mehr könne, als nur Fallobst wegzuhauen. Der 29 Jahre alte neue Champion aus Tuscaloosa/Alabama führte den sieben Jahre älteren Kanadier regelrecht vor. Stiverne, von seinem Promoter Don King im Vorfeld als „Gladiator“ angepriesen, blieb nicht viel mehr als eine Opferrolle. „Ich war nicht ich selber“, murmelte der völlig konsternierte und schwer gezeichnete Stiverne in die hingehaltenen Mikrofone.

Für Wilder, 2008 in Peking als Gewinner der olympischen Bronzemedaille erstmals sportlich ins Rampenlicht getreten, war seine Vorstellung Grund genug für ein paar große Worte. „Es bedeutet mir sehr viel, ausgerechnet diesen Titel gewonnen zu haben. Und ich habe vielen Leuten die richtigen Antworten auf viele Fragen gegeben. Ich kann über zwölf Runden gehen, sie sind gar nichts, und ich kann Schläge einstecken“, sagte er beim amerikanischen TV-Sender Showroom. Und, einmal in Fahrt, legte Wilder nach: „Ich will wieder eine gute Show ins Schwergewicht bringen. Wer immer glaubt, gegen mich bereit zu sein, ich bin gegen ihn bereit.“ Eine klare Ansage an Wladimir Klitschko, den Weltmeister der drei anderen wichtigen Boxverbände WBA, WBO und IBF. Die beiden kennen sich gut.

Feier mit Schokoladentorte

Wilder war vor zwei Jahren Sparringspartner des jüngeren Bruders von Vitali Klitschko – dessen niedergelegten Gürtel er jetzt besitzt. Seinen 27. Geburtstag feierte er dabei im österreichischen Klitschko-Trainingsquartier in Going mit einer riesigen Schokoladentorte, wobei Wladimir Klitschko für ein Erinnerungsfoto ein beeindruckend großes Messer zum Anschnitt und ein diabolisches Grinsen bereit hielt. „Deontay Wilder war ein wertvoller Sparringspartner. Sogar einer der besten, die ich je hatte. Er hat einen guten Punch, ist allerdings noch nie auf Toplevel getestet worden“, sagte Klitschko damals. Den letzten Halbsatz muss der 38 Jahre alte Ukrainer nun wohl revidieren. Denn um seinen Traum, den Gürtel von Vitali, 43, zurück in die Familie zu bringen und als erster Schwergewichtler Weltmeister aller vier relevanten Verbände zu sein, muss er mit Wilder in den Ring steigen.

„Wladimir ist der weltweit am besten zu vermarktende Boxer. Ein Vereinigungskampf wäre sinnvoll“, sagte Tom Löffler, Geschäftsführer von Klitschkos K2-Promotion. Vermutlich aber nicht sofort. Wilder, immerhin fast zehn Jahre jünger als Wladimir Klitschko, wird den Titel zunächst wohl in ein oder zwei Kämpfen versilbern wollen. Bereits vor seinem Erfolg in Las Vegas hatte er den 2,06 Meter großen, in 22 Kämpfen noch unbesiegten Briten Tyson Fury als seinen Wunschgegner genannt. Fury war auch der anvisierte Gegner von Stiverne. Am Ende wird das zu verdienende Geld den Ausschlag geben.

Das Klitschko-Lager hat für den 25. April sowohl in New York (dort sollte der Amerikaner Bryant Jennings der Gegner sein), als auch in München, wo Shannon Briggs bereitstehen könnte, Termine gebucht. Ein Duell zwischen Klitschko und Wilder in Deutschland erscheint nicht ausgeschlossen. Im MGM Grand Hotel in Las Vegas lösten in der Nacht zum Sonntag lediglich 8454 Zuschauer eine Eintrittskarte. Klitschko gegen Wilder würde hierzulande dagegen jedes Stadion füllen. Und eine TV-Versorgung für die USA wäre ebenfalls gewährleistet. Klitschko und der Sender HBO haben einen Vertrag geschlossen. Seinen bisher letzten WM-Kampf bestritt Wladimir Klitschko am 15. November 2014 in Hamburg, als er den in Berlin trainierenden Bulgaren Kubrat Pulew durch K. o. in der fünften Runde bezwingen konnte.