Hertha BSC

Fehlstart ins neue Jahr

Hertha verliert den ersten Test gegen Drittligist Halle und hat viele Baustellen

Jos Luhukay hatte sich abgemeldet. Herthas Cheftrainer lag krank daheim. Aber was sein Vertreter, Co-Trainer Markus Gellhaus, dem Niederländer vom ersten Testspiel des Jahres seiner Mannschaft berichten konnte, dürfte nicht gerade zu dessen Genesungsprozess beigetragen haben. Denn Hertha verlor am Dienstagnachmittag gegen den Halleschen FC, seines Zeichens Tabellen-Zwölfter der 3. Liga, in einem erschreckend schwachen Spiel mit 1:3 (1:1) und schenkte so die erste Gelegenheit her, sich etwas Selbstvertrauen für den Start der Bundesliga-Rückrunde in 18 Tagen in Bremen aufzubauen.

„Eigentlich ist das Ergebnis zweitrangig“, sagte Gellhaus nach der Partie, „aber wir wollten natürlich nicht verlieren“. Luhukays Vertreter fand, dass sein Team in Halbzeit eins recht passable auftrat, in Halbzeit zwei aber den Rhythmus verlor. Nach 45 Minuten hatte es noch 1:1 gestanden. Doch dass Hertha an diesem Tag neben sich stand, verdeutlichte besonders das Führungstor des HFC: Einen schmeichelhaften Elfmeter parierte Rune Jarstein zwar, der für den zuletzt grippegeschwächen Thomas Kraft im Tor stand, doch Halles Torjäger Akaki Gogia durfte es gleich zweimal mit einem Nachschuss versuchen, ohne dass ein Herthaner ihn dabei störte. 0:1 (25. Minute). „Das war symptomatisch“, gab Gellhaus später zu.

Valentin Stocker, der viel probierte, aber auch oft am HFC-Abwehrblock hängen blieb, glich für die feldüberlegenen Blau-Weißen kurz vor der Pause aus, nachdem ihm Genki Haraguchi aufgelegt hatte (42.). Gellhaus wechselte in Halbzeit zwei ziemlich durch, insgesamt acht Mal, was dem ohnehin schon fahrigen Spielfluss seiner Mannschaft nicht sonderlich zugute kam. Hatte Hertha im ersten Durchgang wenigstens mehrere Torgelegenheiten vor rund 400 Zuschauern im Amateurstadion, so ebbte dies nun zunehmend ab. Halle spielte Underdog-Fußball, igelte sich hinten ein und setzte auf Konter. Bedenklich war, dass dies ausreichte, um Hertha zu schlagen: Der eingewechselte Selim Aydemir traf kurz vor Schluss mit einem Doppelpack zum 1:2 (84.) und 1:3 (87.) – jeweils nach Fehlern der Berliner Hintermannschaft. „Diese beide Gegentreffer waren sehr ärgerlich“, sagte Gellhaus.

Sicher, dieses Spiel war nur ein erster von insgesamt vier Tests bis zum Rückrundenstart. Doch das 1:3 deckte auch wieder einmal auf, dass Hertha ein paar größere Baustellen hat. Die größte befindet sich im Kreativbereich: Dort durften diesmal Jens Hegeler und Ronny agieren – beide enttäuschten. Der Brasilianer hatte zwar noch die auffälligsten Szenen, machte darüber hinaus aber das Spiel derart langsam, dass der HFC vor keine großen Probleme gestellt war. Hegeler wirkte im zentralen Mittelfeld ebenso uninspiriert wie zu Saisonbeginn. Der immer noch verletzte Tolga Cigerci wird vorerst nicht zurückkehren, und nach dem Test gegen Halle kann man erahnen, dass weder Hegeler noch Ronny den Deutsch-Türken ersetzen können. Hertha wäre also gut beraten, auf der Spielmacher-Position noch einmal über Verstärkung nachzudenken.

Einziger Lichtblick war Fabian Lustenberger. Der Kapitän, der in der Hinserie oft verletzt fehlte, agierte diesmal nicht im Abwehrzentrum, sondern davor und brachte Ordnung ins Spiel. Da Hajime Hosogai in Bremen gelbgesperrt fehlen wird, ist diese Variante auch zum Rückrundenstart denkbar – auch, weil in der Innenverteidigung der wiedergenesene Sebastian Langkamp ordentlich mit John Brooks harmonierte. Beide messen über 1,90 Meter und könnten Herthas Problem bei Luftduellen lösen. Dass es wie in der Liga wieder zu viele Gegentore gab, lag nicht an ihnen. Als Halle zum Sieg traf, waren beide ausgewechselt.