Football

Vor dem großen Wurf

Erstmals seit drei Jahren spielt ein deutscher Footballer in der NFL wieder um den Super Bowl

Ein Deutscher greift in jedem Fall nach Amerikas begehrtester Sport-Trophäe. Der Berliner Björn Werner und Sebastian Vollmer aus Kaarst kämpfen im Halbfinale der National Football League NFL um das Ticket zum Super Bowl. Outside Linebacker Werner gelang am Sonntag (Ortszeit) mit seinen Indianapolis Colts die einzige Überraschung des Viertelfinals. Bei Vizemeister Denver Broncos gewannen die Colts mit 24:13. Right Tackle Vollmer hatte sich bereits am Sonnabend mit den New England Patriots 35:31 gegen die Baltimore Ravens behauptet. Zudem stehen Meister Seattle Seahawks und die Green Bay Packers in der Vorschlussrunde.

Berliner Werner völlig begeistert

„AFC Championship Game!!!“, schrieb Werner auf seiner Facebookseite und setzte noch ein Smiley dahinter. Die Freude ist verständlich. Niemand außerhalb von Indianapolis hatte den Colts in Denver etwas zugetraut. Und dennoch stehen sie jetzt in der Runde der besten Vier.

Obwohl Björn Werner unauffällig blieb und sich nie zu Broncos-Quarterback Peyton Manning durchwühlen konnte, jubelte der 24-Jährige nach dem Spielende ausgelassen. Mit ihm freute sich knapp 3000 Kilometer weiter östlich auch Vollmer. Der Rheinländer hatte seinem Landsmann die Daumen gedrückt und wird ihn nun am Sonntag im Halbfinale wiedersehen. Erstmals stehen sich somit im NFL-Play-off zwei Deutsche gegenüber – und nur einer von beiden fliegt zum Super Bowl am 1. Februar in Glendale/Arizona.

Erst zum vierten Mal greift ein deutscher Spieler im Milliardengeschäft NFL nach dem Titel. Der frühere Kicker Uwe von Schamann scheiterte 1983 und 1985 mit den Miami Dolphins, Vollmer 2012 mit den New England Patriots. Egal, wie es am Ende ausgeht, die 95. NFL-Saison ist schon jetzt eine ganz besondere. Mit Vollmer, Werner, Markus Kuhn (New York Giants) und Kasim Edebali (New Orleans Saints) waren erstmals vier deutsche Profis dabei. Dann schaffte „German Giant“ Kuhn als erster Deutscher einen Touchdown, und nun spielt einer aus dem Quartett auch noch um den großen Preis.

Beim Sieg der Indianapolis Colts gegen die Denver Broncos war wieder einmal Verlass auf Andrew Luck. Der Quarterback warf drei Touchdown-Pässe und ließ seinen Vorgänger Peyton Manning im direkten Duell alt aussehen. Superstar Manning, der die Colts 2007 zum zweiten und bislang letzten Titel ihrer Vereinsgeschichte geführt hatte, war vor der vergangenen Saison nach 14 Jahren von Indianapolis zu den Broncos gewechselt. Der 38-Jährige schaffte es mit seinem neuen Klub direkt bis ins Finale, zog aber gegen die Seattle Seahawks den Kürzeren (8:43). Nach dem Viertelfinalaus am Sonntag ließ Manning offen, ob er weitermacht.

Luck tritt aus Mannings Schatten

„Endgültig raus aus Mannings Schatten“ titelte „USA Today“ nach Lucks starker Vorstellung auf fremdem Platz. Auch im Halbfinale müssen die Colts auswärts antreten, in Foxborough/Massachusetts gegen die Fans der Patriots, Vollmer und Tom Brady. Der Star-Quarterback war am Sonnabend beim hart erkämpften 35:31 gegen den früheren Meister Baltimore Ravens Mann des Tages. Als Matchwinner stellte der 37-Jährige mit drei Touchdown-Pässen und einem eigenen Lauf in die Endzone einen Bestwert für die Postseason auf: Mit nun 46 Touchdown-Pässen überholte er Joe Montana (45) und ist alleiniger Rekordhalter. „Das ist etwas ganz Besonderes“, sagte Brady.