Kandidatur

Boston bewirbt sich um Olympia 2024

| Lesedauer: 2 Minuten

Die US-Stadt könnte bei der Vergabe Berlins Hauptrivale werden

Die Wahl war begleitet von Emotionen und viel Pathos. Boston geht in das Rennen um die olympischen Sommerspiele 2024, an dem Deutschland entweder mit Berlin oder mit Hamburg teilnehmen will. US-Präsident Barack Obama reagierte prompt, in seinem Statement schwang sofort die Erinnerung an das Attentat auf den Boston Marathon am 15. April 2013 mit. „Diese Stadt hat uns alle gelehrt, was Boston Strong bedeutet, der Präsident und die First Lady könnten nicht stolzer auf diese Leistung sein“, ließ Barack Obama ausrichten.

„Boston Strong“ ist seit dem Attentat zu einem Synonym geworden für die Fähigkeit, Stärke zu zeigen. Ausgerechnet in jener Woche, in der der Prozess gegen den mutmaßlichen Attentäter Dschochar Zarnajew begonnen hat, gab das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) der Metropole an der Ostküste den Vorzug vor Los Angeles, San Francisco und Washington D.C. „Das USOC hat die richtige Wahl getroffen“, kommentierte die Tageszeitung „USA Today“, die Stadt habe alle Merkmale, die das IOC unter Präsident Thomas Bach neuerdings sehen wolle. „Die Bewerbung von Boston wird stark sein“, ließ Bach verlauten. Der Plan des privat organisierten Bewerbungskomitees „Boston 2024“ um den Bau-Unternehmer John Fish liest sich beinahe wie eine Kopie der Agenda 2020, die Bach kürzlich in Monte Carlo vorstellte. Kompakte Spiele sollen es werden, bestehende Hallen und Sportstätten einbezogen werden, und die Paralympics gleich in der Woche nach den Olympischen Spielen beginnen.

Nachdem Bewerbungen von New York (2012) und Chicago (2016) gescheitert waren, haben die USA nun bessere Karten: Seit 2012 ist die Verteilung der TV- und Marketingeinnahmen ab 2020 neu geregelt – das IOC kassiert von 2021 bis 2032 fast acht Milliarden Dollar vom US-Mediengiganten NBCUniversal. „Boston 2024“ kalkuliert mit einem Etat von 4,5 Milliarden Dollar. Darin nicht enthalten sind die Kosten für bereits geplante Verbesserung der Infrastruktur und des Nahverkehrs – sowie ein Olympiastadion. Bürgermeister Marty Walsh stellte klar, dass man Steuergelder nur für die Infrastruktur, nicht aber für Sportstätten einsetzen werde.

Neben Boston wird erwartet, dass Rom und Doha/Katar, Baku/Aserbeidschan sowie Istanbul antreten. Die Entscheidung, welche deutsche Stadt ins Rennen geschickt werden soll, trifft der Deutsche Olympische Sportbund am 21. März. Bis zum 15. September müssen die Bewerbungen beim IOC eingehen. Vergeben werden die Spiele 2024 vom IOC im September 2017.

( sid )