Football

Dem Sheriff auf den Fersen

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Björn Hesse

Der Berliner Björn Werner will mit den Colts in den Super Bowl. Dafür muss er Denvers Quarterback Peyton Manning aus dem Weg räumen

Bis zum Endspiel der nordamerikanischen Football-Profiliga NFL, dem Super Bowl in Phoenix, sind es nur noch drei Wochen. Als nächste Etappe auf dem Weg in den Wüstenstaat Arizona finden an diesem Wochenende die Viertelfinalspiele statt. Einer der Super-Bowl-Aspiranten sind die Indianapolis Colts mit dem Berliner Björn Werner in ihren Reihen. Am späten Sonntagabend deutscher Zeit treffen die Colts – übersetzt Fohlen – in der K.o.-Runde auf die Denver Broncos – die Wildpferde. Beide Teams sind berüchtigt für ihr offensives Spiel. Es verspricht ein heißer Ritt zu werden.

Die Colts sind nicht nur im Logo die jungen Wilden in der NFL. Ihr Spielmacher Andrew Luck, 25, ist zwar erst in seinem dritten Profijahr, gehört aber jetzt schon zu den Besten seiner Zunft. Er warf in dieser Saison die meisten Touchdown-Pässe (40). Auf der Gegenseite steht im Mile High Stadion von Denver mit Peyton Manning eine Legende auf der Spielmacher-Position. Manning zählt mit seinen 38 Jahren und 17 NFL-Saisons zu den erfahrensten und besten Quarterbacks aller Zeiten. Die ersten 14 Jahre seiner Karriere hielt Manning, „der Sheriff“, wie er genannt wird, die Zügel der Colts fest in der Hand, führte sie 2006 zum Super-Bowl-Triumph. Erst eine komplizierte Halswirbelverletzung zwang ihn 2011, auszusetzen und im Jahr darauf das Team zu wechseln. Jetzt geht es für ihn gegen seinen alten Klub.

Experten in den US-Medien sehen die Broncos klar im Vorteil. Werner aber sieht das anders: „Die Meinung der so genannten Experten interessiert uns nicht“, sagte der 24-Jährige. „Wir glauben fest daran, dass wir den Super Bowl gewinnen können. Wenn du nicht daran glaubst, brauchst du gar nicht erst anzutreten“, so der Berliner.

Die Aufgabe, Manning auf den Fersen zu bleiben, lastet auch auf Werner. Als sogenannter Outside Linebacker muss er das Laufspiel des Gegners stoppen, bei Pässen das Feld abdecken und eben Jagd auf den Quarterback machen. Bringt er diesen zu Fall, nennt man das „Sack“. Werners ehemaliger Jugendtrainer von den Berlin Adlern, Uwe Hofmann, sieht seine Entwicklung im zweiten NFL-Jahr so: „Er wird sehr vielfältig eingesetzt. Er konnte sich zwar bisher nicht mit viel Quarterback Sacks schmücken, aber er dringt oft zum gegnerischen Quarterback durch und übt damit Druck aus.“

Vier Quarterbacks geschnappt

Allein in den Statistiken tauche dies nicht auf. Werner hat es auch aufgrund der Dopingsperre und langwierigen Verletzung seines Kollegen Robert Mathis zum Stammspieler gebracht. Er konnte mal überzeugen, hatte aber auch Spiele, in denen er nicht auffiel. Viermal ist es ihm gelungen, den Quarterback zu Boden zu reißen.

Nun ist also Peyton Manning sein Ziel. Der Rekordspieler der NFL (530 Touchdown-Pässe) ist nur kaum zu greifen. Erstens hat er zuverlässige Blocker. Zweitens trennt er sich schnell vom Ball. Die Broncos erlaubten in 16 Spielen nur 17 Sacks – das ist Ligaspitze. Zum Vergleich: Werners Team ließ in der zurückliegenden Saison 29 Quarterback Sacks zu, der Durchschnitt aller NFL Teams lag bei 38. Werners bekanntestes Opfer bisher war Joe Flacco, Quarterback der Baltimore Ravens und wertvollster Spieler (MVP) des Super Bowls 2013. Jetzt soll es Manning sein: „Es ist immer schön, einen super Quarterback zu sacken“, sagt Werner.

Doch Denver ist mittlerweile nicht mehr nur allein vom Passspiel Mannings abhängig. Noch im Vorjahr führte er sein Team quasi im Alleingang bis in den Super Bowl. Da aber unterlagen die Broncos den Seattle Seahawks. Mittlerweile verfügen sie mit Running Back C.J. Anderson über einen vielseitigen Ballträger, der „den alten Mann“ Manning entlasten kann. Beim Sieg in der Vorwoche gegen die Cincinnati Bengals stand Werner weniger als üblich auf dem Feld. Seit drei Wochen bereitet ihm eine Schulterverletzung Probleme, er musste zeitweise aus der Linebacker-Rotation aussetzen. „Es gibt nur einen Tag im Jahr, an dem du körperlich unversehrt und bei hundert Prozent bist. Das ist zu Beginn des Trainingslagers. Danach geht es nur bergab“, sagt Werner mit einem Augenzwinkern.

Deutsches Duell ist möglich

Im September zum Eröffnungsspiel traf sein Team schon einmal in Mile High auf Denver. Damals überrannten die Broncos ihren Gegner förmlich in der ersten Halbzeit mit 24:0 und gewannen am Ende 31:24. „Es ist jetzt eine andere Zeit im Jahr. Am Sonntag werden wir hoffentlich das bessere Team sein“, sagt Werner. Nun will er seine Mannschaft zum Super Bowl führen. Bis dahin sind es noch zwei Siege.

Gleiches will ein anderer deutscher Profi in der NFL: Sebastian Vollmer trifft an diesem Sonnabend mit den New England Patriots auf die Baltimore Ravens. Siegen der Right Tackle mit seinem Team sowie Werner und die Colts, kommt es am 18. Januar zum deutschen Duell. Nicht nur deshalb will sich Vollmer am Sonntag Werners Match anschauen. „Das wird natürlich noch interessanter, wenn das Ergebnis für uns entscheidend ist“, sagt er.

Auch in Deutschland kann man die Partien sehen: Sat.1 steigt am Sonntag ab 23:15 Uhr in das Spiel Denver gegen Indianapolis. Ab 22.40 Uhr läuft der Livestream auf ran.de.