Eishockey

„Angela Merkel könnte den Job auch“

Der Finne Antti Miettinen traut der Bundeskanzlerin durchaus zu, die Eisbären zu trainieren. Er selbst spielt ja auch nicht nur Eishockey

Neulich musste Antti Miettinen einen klitzekleinen Moment überlegen, was „Frohe Weihnachten“ auf finnisch heißt. Das erwartet man von einem Finnen nicht unbedingt. Aber er war gerade so tief drin im Englischen, als er über ein Spiel des EHC Eisbären sprach, dass er nicht so schnell umschalten konnte. Miettinen lachte ziemlich darüber.

Ein bisschen passt das mit dem Umschalten auch zur sportlichen Seite bei Antti Miettinen. Das findet der Stürmer allerdings weniger amüsant. Wäre er ein junger Kerl, ok. Aber mit 34 Jahren und 563 Spielen in der NHL, mit Erfahrung in Russland, in der Schweiz, mit Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften, da dürfte so etwas eigentlich nicht vorkommen. „Da muss man sich nicht mehr groß an eine neue Umgebung gewöhnen, weil man überall schon andere Systeme gespielt hat. Das Eingewöhnen sollte da nicht lange dauern“, sagt der Angreifer, der zu Saisonbeginn der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu den Eisbären wechselte.

Inzwischen ist alles gut. „Ich fühle mich sehr wohl“, so Miettinen vor dem Spiel gegen Schwenningen am Freitag (19.30 Uhr, O2 World). Bis auf Rang drei der internen Scorerliste hat er sich mit sieben Toren und 17 Vorlagen vorgearbeitet, im Überzahlspiel ist er der Beste. „Er ist sehr aufnahmebereit und hat einiges umgestellt“, sagt Uwe Krupp. Ein guter Teil der geglückten Umstellung vollzog sich unter dem neuen Trainer. „Ich konzentriere mich jetzt mehr auf das Schießen, vorher habe ich zu viel gepasst“, erzählt er. Wobei seine Pässe an sich immer schön anzuschauen sind, sie haben ein hohes Niveau, öffnen viele Räume. Nur können die Mitspieler mit den scharfen Anspielen, die für den Gegner, aber eben manchmal auch für die Kollegen überraschend kommen, nicht genug anfangen.

Mehr Eigensinn scheint da gar keine schlechte Lösung zu sein, Miettinen weiß ja, wo das Tor steht. Das Selbstvertrauen stimmt auch wieder, seine Schwierigkeiten in den ersten Monaten sind abgehakt. „Ich habe nicht gezeigt, was ich kann. Da muss wohl jeder mal durch. Ich war einfach nicht entschlossen genug“, sagt der Finne. Damit konterkarierte er auch seine Aussagen von seiner Ankunft in Berlin, wo er sich als jemanden beschrieb, der die defensive Seite des Spiels sehr schätzt.

Bei vielen Gegentoren auf dem Eis

So stand Miettinen bei sehr vielen Gegentoren auf dem Eis, mehr als bei eigenen Toren des EHC. „Das gehört alles zusammen, mit der Entschlossenheit fehlte auch die Einstellung. Für mich ist es aber ebenso wichtig, den Puck vom eigenen Tor fernzuhalten. Deshalb war es für mich das Schlimmste, dort so einen schlechten Wert zu haben“, so Miettinen. Auch das wurde besser, obwohl er mit -9 in der Plus-Minus-Statistik immer noch den zweitschwächsten Wert des ganzen Teams hat.

Während der weniger erfolgreichen Tage konnte sich der Finne mit etwas Erfreulichem ablenken. Miettinen spielt Gitarre, das bietet ihm einen Ausgleich zum Sport. In Berlin ergab sich nun etwas Besonderes. Ihm wurde der Song „Anti, Anti“ von der Band Bonaparte vorgespielt, auch in der Arena erklang das Stück bei EHC-Auftritten. Natürlich hat das Lied nichts mit ihm zu tun, lustig ist es trotzdem. Und so brachten die Eisbären Antti Miettinen mit der Band zusammen, von der er zuvor nichts gehört hatte. Plötzlich stand er beim Soundcheck vor einem Konzert im Huxley’s mit der Band auf der Bühne. „Ich habe den Song ein paar Mal geübt, dann haben wir ihn zusammen gespielt“, so Miettinen. Nervös sei er gewesen, doch es habe sich toll angefühlt. Die Musik der Band gefällt ihm, weil sie einfach ist, und einfach kann eben schön sein. Das ist ja im Eishockey nicht anders, oft wird davon geredet, einfach spielen zu müssen.

Mit der Gitarre auf der Bühne

Ansonsten mag Miettinen so ziemlich jede Art von Musik, er zeigt da dieselbe Vielseitigkeit wie auf dem Eis. Der typische finnische Hang zu düsterem Heavy Metal a la Lordi ist aber nicht so seins. Da schaut er sich lieber per TV die Jungs bei der Luftgitarren-Weltmeisterschaft im finnischen Oulu an: „Die sind richtig gut und es sieht lustig aus. Als ich jünger war, habe ich auch so gespielt, dann wollte ich richtig spielen.“ Bonaparte bescheinigte ihm, dass er das gut kann. Seit einem Jahr übt er auch auf dem Schlagzeug.

Um auf andere Gedanken zu kommen, ist die Musik jetzt nicht mehr dringend nötig. Unter Krupp läuft es für Mannschaft und Miettinen. „Es hat eine Veränderung in der Kabine gegeben, alle sind zielstrebiger, das hilft uns zu gewinnen“, sagt der Finne und findet es recht normal, dass mit einem Trainerwechsel jeder Spieler neu über seine Leistungen nachdenkt. Das Ergebnis ist jetzt zu sehen, „wir spielen besser miteinander und helfen einander mehr“. Mit dem Namen des Trainers habe das nichts zu tun. „Angela Merkel könnte den Job jetzt auch machen“, sagt Miettinen und lacht.